Nachtschnitten ließen es zu Weiberfastnacht krachen

Kabarettistin Andrea Bongers (vorne) mit Moderatorin und Kracherfrau Dagmar Schönleber. .
Kabarettistin Andrea Bongers (vorne) mit Moderatorin und Kracherfrau Dagmar Schönleber. .
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Die Kabarettistinnen Dagmar Schönleber, Andrea Bongers, Christin Henkel sowie Artistin Alla Klyshta stellten in den Flottmann-Hallen ein bombastisch alternatives Karnevals-Programm auf die Beine.

Herne..  Das männliche Geschlecht, formulieren wir es mal so, es war recht unterrepräsentiert an diesem Abend, war ja auch irgendwie klar zu Weiberfastnacht. Wahre Sahneteilchen gaben beim Programm „Nachtschnitten“ an diesem Abend den Ton an: optisch wie intellektuell, im Publikum – und auf der Bühne. Das Älterwerden ist bei Frauen ja immer ein Thema, Männer sowieso. Ach ja, und auch die Herkunft, die sollte selbstverständlich geklärt werden, erklärt sie doch so einiges.

Dagmar Schönleber etwa, die Kracherfrau mit ihrem „doppelten Migrationshintergrund“: halb Kölnerin, halb Süd-Ost-Westfälin. Was für eine Mischung. Der Kölner, quasi der Brasilianer Deutschlands, „jedenfalls vor der WM“ – der Westfale dagegen, eher „der Schweizer“ in diesem Land: „nur ohne Geld und ohne Berge.“ Augenzwinkernd erinnert sie ihr Publikum daran, während des Programms doch bitte gegen die „Merkelisierung der Gesichtszüge“ zu kämpfen. Den Besuchern fiel es ganz offensichtlich nicht schwer, die Mundwinkel nach oben zu ziehen, erst recht nicht, als Kabarettistin, Sängerin und Puppenspielerin Andrea Bongers die Bühne betrat.

Ehrensache: Mutti zieht gleich mit

Eine resolute Frau, die verdammt wütend ist: Mann weg, Sohn aus dem Haus und Hund tot. „So geht es anderen auch, ich weiß“, betont sie. „Doch ich habe ein Kind groß gezogen.“ Neunzehneinhalb Jahre sei der Junge doch erst, „ihr Lebenswerk.“ Und nun einfach zum Studieren in eine andere Stadt gezogen. Da ist es natürlich Ehrensache, dass sich Mutti in der neuen Umgebung auch gleich eine Wohnung nimmt. Eine Helikopter-Mutter sei sie deshalb noch lange nicht. „Vielmehr ein Vogel, der über seinem Kind kreist.“ Auch Dagmar Schönleber weiß um die Sorgen mit dem Nachwuchs, vor allem in der Teenager-Zeit: „Die Hormone, das Saufen, die Drogen – und bei den Kindern passiert ja auch so einiges“, resümiert die 41-Jährige. Wo einst Kinderlachen den Raum erfüllte, sitzt heute ein grundlos heulender Teenie, der sich beim Anblick der Mutter stets sicher ist: „Du raffst doch gar nicht, was los ist!“

Alltagsprobleme einer Mutter, die die blutjunge Liedermacherin aus München Christin Henkel noch nicht nachvollziehen kann. Muss sie auch gar nicht, hat sie doch andere Themen im Gepäck. Trotz glockenheller Stimme und Engelsgesicht kommen ihre Lieder herrlich zynisch daher. So besingt sie die saufenden Birte, die ansonsten auf alle nicht-alkoholischen Lebensmittel allergisch reagiert. Und Typen wie „Surflehrer Klaus“, der unter „Burn-Out“ leidet, verschont sie mit ihren scharfzüngigen Texten nicht.

Am Ende des fast dreistündigen Programms zeigte Akrobatin Alla Klyshta, dass Ringe um den Bauch einer Frau sehr sexy aussehen können, solange man die Hula-Hoop-Künste beherrscht. Ein echtes Kracherprogramm, für echte Frauen.