Nach Schlaganfall keine Rente - Herner klagt vor Gericht

Christian Schmidt streitet um seine Berufsunfähigkeitsrente.
Christian Schmidt streitet um seine Berufsunfähigkeitsrente.
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Was wir bereits wissen
Christian Schmidt kann seit einem Schlaganfall nicht mehr als drei Stunden als Kraftfahrer arbeiten. Der 57-Jährige klagt vor dem Landessozialgericht.

Herne.. Christian Schmidt trägt den gleichen Namen wie der Bundesagrarminister, und er wäre letzteres auch gerne. Weil sein Namensvetter, der sogar genauso alt ist wie der 57-Jährige, nun einmal nicht arbeitslos ist und von Armut bedroht wie er. Der Herner ist nach einem Schlag- und einem epileptischen Anfall berufsunfähig, laut Medizinern aber nicht genug, um Rente beziehen zu dürfen.

Zu alt für eine Umschulung

Seit dreieinhalb Jahren streitet sich Schmidt mit der Deutschen Rentenversicherung um seine Berufsunfähigkeitsrente. Sein Fall liegt mittlerweile beim Landessozialgericht in Essen. Das Problem: Ein Gutachter hat zwar festgestellt, dass die Leistungsfähigkeit in seinem Beruf als Kraftfahrer auf maximal drei Stunden gesunken sei, er aber sechs Stunden täglich woanders arbeiten könnte. Aber: Woanders bekommt Schmidt keinen Job. „Ich müsste eine Umschulung machen, aber in meinem Alter?“ Ein Praktikum habe er absolviert, bei Mercedes-Benz im Lager Teile einsortiert und ansonsten zahlreiche Versuche gestartet, allesamt ohne Erfolg.

100 Bewerbungen habe er geschrieben, sich auf Stellen als Kaffeemaschinen-Reparierer bis zu Jobs in der Disposition von Logistik-Unternehmen beworben. „Auch der Integrationsdienst des Arbeitsamtes in Bochum hatte tolle Ideen für mich, aber Arbeit haben die trotzdem nicht gefunden.“ Für Schmidt liegt die Sache auf der Hand: Als Berufsunfähiger ohne Job-Aussichten habe er Recht auf Rente. Bislang habe er sich mit Kranken- und Arbeitslosengeld über Wasser halten können. Doch in einem halben Jahr drohe Hartz IV. Er weiß nicht, wie er dann noch seine bei der Bank finanzierte Eigentumswohnung halten kann.

Keine guten Aussichten

Die Aussichten auf ein gutes Ende stehen indes schlecht. Nachdem das Sozialgericht Gelsenkirchen seine Klage abgewiesen hat, setzt Schmidt zwar alles auf ein für ihn positives Urteil des Landgerichts Essen, aber: „Das Landgericht hat bereits angedeutet, dass es wenig Aussichten auf Erfolg sieht“, weiß Christian Koopmann, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung in Münster. Christian Schmidt sei laut Einschätzung der Gutachter in der Lage, sechs Stunden am Tag zu arbeiten. Wenn er keine Arbeitsstelle finde, sei das für die Rentenversicherung ohne Relevanz. Hier sei einzig und allein das Arbeitsamt zuständig. Nicht besonders hoffnungsvoll klingt auch Koopmanns Anregung: „Wenn sich Herr Schmidts Zustand weiter verschlechtert, kann er ja einen neuen Antrag stellen.“

„Finanziell“, so Schmidt verzweifelt, „geht es bei mir dem Ende entgegen.“ Seine Lage ruft Verbitterung in ihm hervor, und er sagt: „Wenn es um die Deutsche Rentenversicherung geht, dann sind die Gerichte in der Regel in der Spur.“