Mutmaßlicher Herner Kinderquäler als Sadist dargestellt

Schauplatz des Prozesses: das Landgericht in Bochum.
Schauplatz des Prozesses: das Landgericht in Bochum.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fortsetzung im Prozess um das mutmaßliche Prügel-Martyrium eines Jungen aus Herne: Seine Mutter zeichnet vom Angeklagten (34) das Bild eines Sadisten.

Herne.. Mit einer bedrückenden Aussage ist gestern der Prozess um das mutmaßliche Prügel-Martyrium eines dreijährigen Jungen fortgesetzt worden. Unter Tränen erhob die Mutter des Herner Jungen schwere Vorwürfe – sie zeichnete von dem Angeklagten das Bild eines Schlägers, Kinderquälers und Sadisten.

Der Auftritt vor dem Jugendschutzgericht in Bochum fiel der 21-Jährigen sichtbar schwer. Erstmals seit Monaten kam sie dem mutmaßlichen Peiniger ihres Kindes wieder ganz nahe. Um dem 34-jährigen Herner nicht in die Augen blicken zu müssen, platzierte sich Anwältin Dörte Ganzer im Sichtfeld zwischen Zeugenstuhl und Anklagebank. „Sie hat Angst vor ihm, will ihn nicht sehen“, so die Anwältin.

"Das Gesicht bis heute nicht vergessen"

Was die 21-Jährige über ihren Ex-Freund, der Mitte 2014 bei ihr eingezogen war, zu berichten hatte, ging unter die Haut. „Anfangs war alles super“, doch dann sei es rapide bergab gegangen. „Er hat nur noch gemeckert. Und seine schlechte Laune an meinem Kind ausgelassen. Immer, wenn ihm etwas nicht gepasst hat“, habe er den Dreijährigen bestraft.

Unfassbar oft. Unfassbar brutal. Unfassbar sadistisch. Mehrfach habe ihr Ex-Freund das Kind unter eine Eisdusche gestellt, ihm dabei zuletzt sogar absichtlich Shampoo in die Augen gespritzt. Als die Mutter Ende Juli 2014 aus der Wohnung geflohen und in der Klinik erschienen war, war der Junge „praktisch blind“, sein Körper übersät mit blauen Flecken. Der Dreijährige sei von dem Angeklagten auf den Hintern geprügelt, am Hals gepackt, gewürgt und an der Wand hochgeschoben worden. „Dann hat er so lange gewartet, bis er die richtige Antwort gibt auf die Frage, ob er ihn lieb hat“, so die Zeugin. Einmal habe der Junge vor der Bewusstlosigkeit gestanden: „Das Gesicht meines Kindes kann ich bis heute nicht vergessen.“

Ex-Frau soll im Februar aussagen

Glaubt man ihren Worten, dann hatte sie keine Chance, gegen das Gewaltregime anzukämpfen. Der 34-Jährige habe auch sie geschlagen und gedemütigt, ja sogar gebissen. Er habe sie sogar gezwungen, ihr Kind auch zu schlagen und gedroht: „Wenn du was sagst, schiebe ich alles auf dich.“ Als Folge der Geschehnisse um ihren Sohn hat die 21-Jährige das Sorgerecht verloren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen sie. „Ich darf mein Kind nicht mehr sehen. Vor 138 Tagen war das letzte Mal“, so die Zeugin. Der Dreijährige lebt seit den Vorfällen bei seinem Vater. Es soll ihm inzwischen wieder gut gehen.

Der Angeklagte quittierte die Vorwürfe mit scheinbar stoischer Ruhe. Er hatte sich auf einen Blackout im Drogenrausch berufen. Am 4. Februar soll seine Ex-Frau aussagen. Nach einem Messerangriff auf die damals Schwangere steht der 34-Jährige unter Bewährung.