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Gedenken an NS-Opfer

„Müssen wir uns wieder schämen? Ja“

17.11.2011 | 18:25 Uhr
„Müssen wir uns wieder schämen? Ja“
Schüler der Realschule An der Burg, der Gesamtschule Wanne-Eickel und der Jahrgangsstufe 12 des Otto-Hahn-Gymnasiums gestalteten die Veranstaltung im Kulturzentrum. Das Thema: Ereignisse an der Heimatfront. Foto Thomas Schild

Herne.  An die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnerten am Donnerstag Schüler und die Stadt im Kulturzentrum. Anschließend legte OB Horst Schiereck einen Kranz am Mahnmal Bebelstraße nieder.

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n und dann werden tausend Märchen wahr“, sang 1942 Zarah Leander in dem Film „Die große Liebe“, der Propaganda-Film der Nationalsozialisten überhaupt. Am Donnerstag intoniert ihn die Band der Gesamtschule Wanne-Eickel, die später auch noch „Lilli Marleen“ vortragen wird.

Im Vordergrund eine Violine, die süßlich tönt. Auf den Text haben die Musiker bei ihrer Darbietung zum „Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ im Kulturzentrums verzichtet - schließlich ist es für die Opfer des Regimes ausgeblieben, das Wunder.

„Unsere beiden Zeitzeuginnen sind immer noch ein Stück weit traumatisiert“, weiß Yasin Kizilhan, Stufe 10 der Realschule An der Burg. Mit Schülern der Gesamtschule Wanne-Eickel und der Jahrgangsstufe 12 des Otto-Hahn-Gymnasiums hat die Realschule das diesjährige Thema „Geschehnisse an der Heimatfront“ umgesetzt hat.

Kizilhan ist einer von 15 Schülern aus dem Wahlpflichtkurs „Zeitgeschichte“. Sie haben einen selbstproduzierten Film beigesteuert. „Meine Schüler haben den Schwerpunkt auf Wanne-Eickel gesetzt. Im Stadtarchiv haben sie nach alten Fotos gesucht. Auch einen Dokumentarfilm von Heimatforscher Heinrich Lührig konnten wir verwenden“, sagt Geschichtslehrerin Svenja Jegottka.

Im Publikum sitzt eine Protagonistin: „Ich war damals ein kleines Kind, Jahrgang 1939. Erst durch den Film habe ich mich wieder richtig erinnert“, berichtet Sophie Barth. Als Bürgerin sei es ihre Pflicht, Aufklärung zu betreiben.

Die Auseinandersetzung mit der Rolle von Zivilisten ist schwierig: Inwieweit kann man von Opfern sprechen? Waren sie Opfer oder Täter? Oder beides? Vor dem Hintergrund rechtsterroristischer Mordanschläge fällt das Thema ungleich schwerer.

„Müssen wir uns wieder schämen? Ja. Die Bundeskanzlerin hat von einer Schande für Deutschland gesprochen. Es ist eine Schande“, bekräftigt Oberbürgermeister Horst Schiereck.

Das Otto-Hahn-Gymnasium nimmt sich pantominisch der Frage nach Täter oder Opfer an. Im Mittelpunkt der Darstellung: ein zärtliches Liebespaar, dessen männlicher Part gleichzeitig Soldat ist. Im einsetzenden Bombenhagel schießt er plötzlich um sich und stirbt. Ein Bild, das ebenso bedrückend wie die finale Aussage von Sophie Barth im Film ist: „Seit damals kann ich nicht mehr in den Himmel schauen, weil soviel Schreckliches von dort oben gekommen ist.“

Antonia Röder


Kommentare
19.11.2011
13:36
Wachsam bleiben!
von Kassandro | #9

Wir müssen wachsam bleiben gegenüber jedem Terror, gegenüber jeder Intoleranz, gegenüber jeder Ausgrenzung, aus welcher Ecke diese unzivilisierten Verhaltensweisen auch kommen. Schämen müssen wir uns aber nicht! Scham sorgt für Sprachlosigkeit.

19.11.2011
02:54
Betroffene leiden bis heute
von derJustus | #8

@ #7 Xavinia: Sie sollten sich nicht schämen, sondern aufklären, mahnen und warnen!

Fast jede Familie in Deutschland hat Opfer des NS-Regimes zu beklagen. Sei es als Verfolgte oder als Soldat/in. Sie haben es sich nicht ausgesucht, sondern kannten keine andere Welt als "Krieg". Muss man sich dafür schämen?

Muss ich mich vielleicht auch schämen weil mein Opa schon im ersten Weltkrieg dabei war?

18.11.2011
18:30
Betroffene leiden bis heute
von Xavinia | #7

Ja, ich schäme mich... bis zur letzten Minute meines Lebens, obwohl ich unter dem NS-Regime mehrere Familienmitglieder verloren habe, die überhaupt nichts mit Politik zu tun hatten. Unter anderem ein 2jähriges Kind.
Ja, ich schäme mich... das ist das Mindeste, was ich tun kann.

18.11.2011
14:26
Schämen ?
von steine1465 | #6

Ja, jeder Deutsche muß sich für diese Politiker schämen, die seit 60. Jahren
auf dem rechten Auge blind sind !!!!

18.11.2011
11:08
Schämen?
von hajori | #5

Schämt sich ein Amerikaner für die fast Ausrottung der Indianer?
Schämt sich ein Brite für die blutigen Kriege in Indien, Südafrika und anderswo, für die Versklavung von Millionen Negern?
Keiner der beiden hat allerdings die Ausrottung einer anderen Rasse oder Glaubensgemeinschaft so brutal und methodisch verfolgt wie das 3.Reich die Juden.
Doch Skalpprämien für jeden toten Indianer kommt dem schon recht nah!

18.11.2011
07:40
Schämen
von engelstrompete | #4

Dem Kommentar von derJustus ist nichts hinzuzufügen.

18.11.2011
02:37
Schämen?
von derJustus | #3

@ #1 #2: Ich glaube das Schämen bezieht sich auf die aktuellen rechtsterroristischen Mordanschläge. "Eine Schande für Deutschland."

Es muss sich aber niemand für Taten schämen die er nicht zu verantworten hat, oder an denen er nicht beteiligt war. Das wäre dann wieder "Sippenhaft".

Die Aussage von Frau Merkel, die Herr Schiereck auch noch unterstreicht, soll Schuldgefühle suggerieren. Finde ich gar nicht gut, Schüler dafür vor den Karren zu spannen.

Man kann (soll) gedenken, mahnen, warnen, aber nicht versuchen zu manipulieren.

17.11.2011
21:41
Schämen ?
von ergrue | #2

Ich finde es gut, dass sich Schüler mit dem Nationalsozialismus auseinander setzen.
Ich finde es gut, wenn diese schlimme Zeit von Jugendlichen aufgearbeitet wird, damit sowas nie wieder passiert. Ich weis nur nicht, warum eine 14 jährige Schülerin oder ein 14 Jahre alter Schüler sich schämen sollte, was ein Irrer vor 70 Jahren verbrochen hat.

17.11.2011
19:23
Schämen?
von achkommschon | #1

Also ich schäme mich sicher nicht für irgendwelche Psychopathen.

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