Münzsägerin fasst Euros nicht an
03.03.2010 | 18:15 Uhr 2010-03-03T18:15:00+0100
Herne. Christine Staßfeld ist Münzsägerin. Sie arbeitet Geldstücke aus aller Welt zu Schmuckstücken um. Nur Euro-Münzen fasst sie nicht an.
Dass sie ihr Hobby, ihr kreatives Arbeitsfeld nahezu für sich hat, stellte Christine Staßfeld fix fest. Als sie sich nämlich mit Werkzeug ausstatten wollte und daher in einen Baumarkt fuhr. Doch alle Sägen und Bohrer dort waren für ihr Anliegen grob, eine Tischplatte hätte sie damit sägen können, aber keine Münzen. Also suchte sie Läden mit Goldschmiedebedarf auf, wurde unter anderem in Norddeutschland fündig. Es gibt eben nicht allzu viele Münzsäger.
Staßfeld arbeitet die Motive heraus, macht aus alten Münzen so kleine Anhänger, Schmuckstücke, Accessoires. Ihre Lieblingsmünze ist der alte „Heiermann”, das 5-DM-Stück mit dem Bundesadler drauf – 39 Euro kostet es, wenn es durch die Hände der Kunsthandwerkerin gegangen ist. Die 53-Jährige hat schon Münzen aus aller Welt bearbeitet, von A wie Australien bis Z wie Zypern. „Die meisten Motive sind landestypisch. In Australien haben sie Kängurus auf einigen Münzen, in Ägypten Pharaonen”, sagt Staßfeld. Das älteste Exemplar, das sie je verwendet hat, ist über 120 Jahre alt, stammt aus Japan und zeigt einen Drachen. Die ausgesägten und teils mit Strasssteinen verzierten Geldstücke stellt sie auf Märkten aus, etwa am kommenden Sonntag auf der Schau „Kunst & Design” in der Akademie.
Christine Staßfeld ist eine Self-Made-Künstlerin. Die gebürtige Hernerin wuchs in Baukau auf, wo sie auch lebt. Nach der Schule fing sie bei der Stadt an, als technische Zeichnerin, arbeitete später im Presseamt und kümmerte sich dort um grafische Gestaltungen. Schon seit ihrer Jugend malt sie, vor vier Jahren entdeckte sie die Münzsägerei. Zunächst als Hobby, inzwischen verkauft sie auch. „Ich kriege die Kosten wieder rein”, sagt die Frau mit der Baskenmütze („mein Markenzeichen”). Zu Beginn, als sie noch keinen Fundus hatte, musste sie ihre kleine Sammlung plündern. Von Urlaubsreisen hatte sie immer wieder ein paar Geldstücke mitgebracht, die mussten alle dran glauben.” 15 bis 16 Stunden Arbeit investiert sie, bis der Adler im „Heiermann” hübsch-filigran herausgearbeitet ist. Die Münzen kauft sie auf Flohmärkten oder im Internet.
Euro-Münzen bearbeitet sie übrigens nicht. Weil das ein komisches Gefühl sei, echtes, aktuelles Geld zu zersägen. Und weil sie Euros einfach nicht schön findet.
Das Münzsägen gilt als orientalische Tradition, ein solcher Halsschmuck habe dort einst als prestigeträchtig gegolten. Nur ein oder zwei Handvoll Münzsäger kenne sie in Deutschland. Darunter lediglich eine andere Frau. „Metallbearbeitung ist offenbar eher was für Männer.”
18:05
Schönes Hobby und sehr gute Arbeit!
Glückwunsch Frau Staßfeld und meinen Respekt.