Motte soll im Herbst stehen
10.05.2011 | 18:31 Uhr 2011-05-10T18:31:00+0200
Herne. Die nach Neuenrade verschenkte Herner Turmhügelburg wartet auf ihre Zweitverwendung. Die Sauerländer wollen Motte im Herbst aufbauen.
Im Kulturhauptstadtjahr war die Turmhügelburg im Schatten des Archäologischen Museums die Attraktion schlechthin. Die Besucher der Erlebnisausstellung „AufRuhr 1225“ standen anfangs Schlange, am Ende waren es 166 000, die die „Motte“ hinaufgestiegen waren. Baurechtliche Gründe und die Furcht vor Folgekosten (die WAZ berichtete) standen einem Verbleib in Herne allerdings im Wege, und so war man froh, als sich mit der sauerländischen Gemeinde Neuenrade ein dankbarer Abnehmer fand. Dort steht eine Entscheidung über einen konkreten Standort für einen Wiederaufbau kurz bevor, wie Bürgermeister Klaus Peter Sasse gestern auf Anfrage erklärte: In der Ortschaft Küntrop soll die 25 Meter hohe Holzburg zusammen mit einem in Sichtweite gelegenen Bodendenkmal, der einstigen Burg Gevern, ein Ensemble bilden. Die Burg, ebenfalls eine Motte, war 1355 zerstört worden.
Am 20. Juni wird der Rat der 12 600-Seelen-Kommune im Nordwesten des Sauerlands in der Sache entscheiden. Nach Klärung aller baubehördlichen Angelegenheiten mit dem Märkischen Kreis rechnet Bürgermeister Sasse mit einem Aufbau im Herbst. Eingelagert sind die Balken einstweilen beim Neuenrader Zimmereibetrieb Roß, der die Burg in Herne im Februar auch in ihre Einzelteile zerlegt hat. In zehn Lkw-Ladungen waren die Balken damals ins 77 Kilometer entfernte Neuenrade gerollt. Dank der Kennzeichnung mit römischen Ziffern, die der Herner Erbauer Bernd Krupka hinterlassen hat, dürfte der Wiederaufbau kein Problem sein.
Im Sauerland freute man sich über das Geschenk des Archäologiemuseums, dessen Aufbau und Erhaltung gleichwohl finanziert werden muss. Eine Hürde, die zumindest die rot-grüne Mehrheit in Herne nicht zu nehmen gewillt war, während die CDU die Motte gerne behalten hätte.
Am Wochenende offen
Ein Wiederaufbau koste bis zu 200 000 Euro, hatte es von Verwaltungsseite geheißen. Hinzu kämen jährliche Folgekosten von 20 000 bis 30 000 Euro. In Neuenrade im Gespräch ist die Gründung einer Bürgerstiftung unter Beteiligung eines Hauptsponsors. Auch darum wird es in der Ratssitzung im Juni gehen. Klaus Peter Sasse, leicht verwundert über die Debatte in Herne, ist jedenfalls zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird. „Der Unterhaltungsaufwand ist minimal“, sagt er, jedenfalls was die Konstruktion betreffe.
Bewachen wie die Herner wollen die Neuenrader die Turmhügelburg nicht, wohl aber einzäunen. „Wir gehen davon aus, dass die Motte am Wochenende geöffnet wird.“ Gruppen und Schulklassen könnten sie darüber hinaus betreten. Ein Konzept soll zusammen mit dem Ortsheimatpfleger und Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins, Dr. Rolf-Dieter Kohl, entwickelt werden.
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