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Mord unterm Klangtor

24.08.2008 | 19:27 Uhr

Als Agnes sich vor ihrem Ableben noch einmal aufbäumte, stimmte auch die Tonkulisse in der Maschinenhalle Teutoburgia ein schauriges Spiel an. Gelungenes Duett von Krimi-Autor Zweyer und Percussion-Künstler Schläger

Eine surreale Kulisse tat sich den Besuchern am Samstagabend in der alten Maschinenhalle der stillen Zeche Teutoburgia auf. Surreal und unheimlich. Oder besser: Unheimlich und surreal! Denn der Förderverein Teutoburgia hatte ab 19 Uhr zu einer etwas anderen Lesung eingeladen: "Krimi und Klangkunst". Das Künstlerduo Jan Zweyer und Christof Schläger hatte sich was ganz Besonderes für die Herner Krimifans ausgedacht: eine Lesung, begleitet und untermalt von mechanischen Percussion-Sounds. Für den Krimi-Part hatte Hernes Krimiautor Jan Zweyer sein neues Buch "Franzosenliebchen" mitgebracht. Für den Ton hatte der Klangkünstler Christof Schläger das Klangobjekt "Soundgate" entworfen, um den Besuchern eine musikalisch und emotionale Begleitung von Zweyers Werk zu vermitteln.

Eine unheimliche Atmosphäre wurde versprochen. Dafür sorgte größtenteils Zweyers neuer Roman: Der Krimiautor, der in seinen Werken immer Herne als Schauplatz des Verbrechens wählt, begann die Geschichte mit dem Mord an der Hernerin Agnes Treppmann. Umgebracht wurde sie in der Siedlung Teutoburgia, nicht weit weg von dem alten Gemäuer, in dem die 99 Besucher Zweyer lauschten.

Draußen prasselte der Regen aus einem dunkel verhangenen Himmel. Drinnen las Zweyer: "Agnes bäumte sich ein letztes Mal auf, dann war ihr Leben vorbei." Das plötzlich einsetzende und lauter werdende Schellen und "metallisches Grummeln" aus allen Ecken steigerte das gerade geschilderte Bild des Mordes beim Zuhörer. Der gewünschte Effekt trat ein, wie Andrea Birn aus Herne zu schildern wusste: "Die Musik untermalte Jan Zweyers Stimme und schaffte eine Atmosphäre, spannend und mit Schreckmomenten, wie in einem Film."

Die etwas anderen, surrealen Sounds kamen von Schlägers Klangobjekten. Er verbindet Kunstobjekte und Musik. Dezent blinkten Lichter an metallischen Kunstwerken, gepaart mit neuartig metallischen Klängen. Zwei drei Meter hohe Bögen - das Klangtor - zentrierten den Blick der Zuschauer auf Zweyer, der in deren Mitte an einer Leselampe saß und vorlas. Das Klangtor war gespickt mir 32 Glocken, die schellend die vorgetragene Passage untermalten.

Auch die vielen weiteren Skulpturen waren mit "Klang-Elementen" - Klingeln, sich wölbendes Metall und sich rasselnd drehende Windmühlen - ausgestattet und schafften eine zum Krimi passende Tonkulisse.

"Ich freue mich über den großen Erfolg. Es hätten auch nur sieben Leute kommen können, die Lesung war ein totaler Testballon", lacht der glückliche Klangkünstler. Der Andrang auf Karten war so groß, dass noch am Samstag eine zweite Lesung für den gestrigen Sonntag geplant wurde, da man an der Tür mehr als dreißig Krimifans wieder nach Hause schicken musste.

Von Henrik Neumann

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