Miese Masche mit Existenzgründern

Mit Briefen, die den Charakter von Behördenschreiben haben, werden Existenzgründer geködert.
Mit Briefen, die den Charakter von Behördenschreiben haben, werden Existenzgründer geködert.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Selbstständige erhalten immer wieder Briefe, die offiziellen Behördencharakter haben, sich bei genauem Lesen jedoch als Werbeangebote entpuppen.

Herne..  Beratungen für Existenzgründer werden auch in Herne regelmäßig angeboten. Eins sollte im Angebot nicht fehlen: Eine Warnung vor Geschäftemachern, die unerfahrenen Selbstständigen einige hundert Euro vom schmalen Gründerkonto ziehen. Die Masche funktioniert so:

Gründern, aber auch anderen Unternehmen, flattern Briefe ins Haus, die auf den ersten Blick einen offiziellen Behördencharakter haben. Mal steht im Briefkopf „Kostenbescheid in der Registersache Handelsregister Eintrag“, mal „Europäisches Zentralregister zur Erfassung und Veröffentlichung von Umsatzsteuer-Identifikationsnummern“. Es finden sich Strichcodes auf den Briefen, auch vermeintliche Aktenzeichen, der Schrifttype ähnelt stark jener des Finanzamtes.

Auch die Anschreiben selbst sind in der Behördensprache gehalten und wimmeln nur so von komplizierten Formulierungen. Beispiel: „Am 13. Juli 2010 wurde die Richtlinie 2010/45/EU des Rates der Europäischen Union zu den Rechnungsstellungsvorschriften verabschiedet...“ Im weiteren Verlauf fallen Begriffe wie Steuervereinfachungsgesetz, auch mit allerlei Abkürzungen wird gespielt.

Der Eickeler Steuerberater Klemens Herrmann kennt diese Schreiben nur allzu gut. Immer wieder wird er von Mandanten gefragt, was es damit auf sich habe. „In den Schreiben wird jede Menge Schaum geschlagen“, so Herrmann, um zu verschleiern, dass es sich eigentlich um Angebote handelt, zu Werbezwecken in irgendwelche anonymen Firmenlisten aufgenommen zu werden. Wer darauf eingeht, landet mit dem Firmennamen irgendwo auf den hinteren Seiten bei Google, die sowieso niemand besucht, weil die meisten Menschen höchstens die ersten beiden Seiten mit den Google-Suchergebnissen registrieren. Doch die Kosten dafür sind happig. Auf den - selbstverständlich - mitgeschickten Überweisungsträgern reichen sie von 554,42 bis 790 Euro. Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, wird auf Zahlungsfristen von fünf oder sieben Tagen hingewiesen. Bei den stattlichen Summen stellt sich für Herrmann die Frage, ob der Preis die kleine Leistung rechtfertigt.

„Das kann richtig teuer werden“

Auch die IHK Mittleres Ruhrgebiet warnt. „Wir kennen solche Fälle“, sagt Sprecher Jörg A. Linden auf Anfrage der WAZ-Redaktion. „Unsere Rechtsabteilung bekommt hin und wieder von IHK-Mitgliedern Nachfragen zu derartigen Schreiben. In der Regel geht es um Eintragungen in irgendwelche Telefonbücher oder ähnliches. Und das kann richtig teuer werden. Wenn sich Personen bei uns melden und nach Hintergründen derart offiziell anmutender Schreiben fragen - und das sind nicht nur Neugründer - machen wir immer darauf aufmerksam, grundsätzlich alle Briefe aufmerksam zu lesen, sich nicht unter Druck setzen zu lassen - und das Schreiben in den Papierkorb zu schmeißen, wenn sich herausstellt, dass es einfach nur freche Werbung ist.“