Gastgewerbe
Mehrwertsteuersenkung: Bei Hoteliers kommt wenig Freude auf
19.01.2010 | 11:15 Uhr 2010-01-19T11:15:00+0100
Herne/Wanne-Eickel. In Berlin hagelt es Kritik am vermeintlichen "Steuergeschenk" der FDP an Hoteliers. Aber ist die Mehrwertsteuersenkung überhaupt ein Geschenk? Man zweifelt, wenn man die Betroffenen hört.
Seit Anfang des Jahres müssen Hotel- und Beherbungsbetriebe für die Übernachtung ihrer Gäste nur noch 7 statt 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. Bei den Hoteliers will rechte Freude aber nicht aufkommen.
Hans Ulrich van Dillen, Geschäftsführer der Tagungsstätten- und Gastronomiegesellschaft Herne (TGG) bewertet die Gesetzesänderung zunächst positiv: „Wir haben seit fünf Jahren die gleichen Preise, eine nun längst fällige Preiserhöhung werden wir nicht vornehmen.” Richtig zufrieden mit der Neuregelung ist er jedoch nicht. Eine Senkung der Mehrwertsteuer für die gesamte Gastronomie, also nicht nur für die reine Übernachtung, hätte er gerechter gefunden – „dann vielleicht nur sieben, oder acht Prozent weniger.”
Die Gesetzesänderung biete nur Hotels mit vielen Privatkunden einen Vorteil; „die können wirklich die Preise senken”, so van Dillen. Sein Parkhotel an der Schaeferstraße beherberge zu 90 Prozent Geschäftskunden, die ihre Reisekosten von der Steuer absetzen könnten. Bei Geschäftsreisen sind nun für die reine Übernachtung nur noch sieben Prozent steuerlich anrechenbar. Bleiben die Preise für die Übernachtung gleich, könnten sich die Kosten einer Geschäftsreise erhöhen. „Wir wollen natürlich nicht, dass die Übernachtung für unsere Kunden nun teurer wird”, so van Dillen, „wir werden verschiedene Stellschrauben drehen, damit die Kosten für unsere Kunden stabil bleiben”. Er denkt zum Beispiel an ein Bonussystem, das bei einer entsprechend hohen Anzahl an Übernachtungen kostenlose Bonusübernachtungen beinhaltet.
Kleinere Betriebe wie das „Hotel zur Post” scheinen über wesentlich weniger Spielraum zu verfügen. Besitzer Norbert Blum sieht in der neuen Regelung weder einen Vorteil für sich noch für seine Kunden: „Die Situation ist unschön im Moment”, so Blum, „die Leute erwarten eine Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Kunden, das ist aber einfach nicht möglich.” Auch er beherbergt hauptsächlich Firmenkunden. Und für die werde die Übernachtung jetzt teurer, obwohl auch Blum seine Preise nicht erhöhen wolle. Er habe Reisende, denen die Firma wegen der Mehrwertsteuersenkung die Auslage für die Übernachtung von 50 auf 45 Euro gekürzt habe; diese wollten dann ein günstigeres Zimmer. „Was soll ich da machen?” fragt Blum.
Gerade die Umsetzung der neuen Regelung erweist sich für viele Hoteliers als schwierig und lässt bei der Abrechnung noch viele Fragen offen. Problematisch für viele ist der Umstand, dass sich die Mehrwertsteuersenkung nur auf die reine Übernachtung bezieht, alle anderen Dienstleistungen wie Frühstück, Telefonrechnung, Sauna etc. müssen weiterhin mit 19 Prozent Umsatzsteuer abgerechnet werden. „Bröseln sie mal so ein Gebündel auseinander”, beklagt sich Blum.
Claus Altendorf vom Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) NRW kann die Verärgerung der Hoteliers nachvollziehen. Er sieht in den Reaktionen auf die Mehrwertsteuersenkung ein grundlegendes Missverständnis: „Alle meinen, den Verbrauchern müsste etwas Gutes getan werden. Das war aber keine Steuersenkung für den Verbraucher, das frei werdende Geld soll in Investitionen gesteckt werden”, erinnert Altendorf.
Relativ gelassen bleibt Ute Ebert vom „Hotel Alt Crange”: „Wir wissen noch nicht, ob wir was ändern werden”, sagt sie, „erstmal warten wir ab, was unser Steuerberater dazu sagt.”
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