Mathias Handrick baut eine schräge Welt aus Holz und Farbe

So sieht das Arbeitsmodell für das Bühnenbild von „Wat ne herrliche Welt" aus - mit Opel statt Isetta wie in der ersten Inszenierung.
So sieht das Arbeitsmodell für das Bühnenbild von „Wat ne herrliche Welt" aus - mit Opel statt Isetta wie in der ersten Inszenierung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Theatermaler hat eine akademische Ausbildung in Dresden absolviert. Seit der ersten Premiere gehört er als Bühnenbildner zum Mondpalast.

Herne..  Wenn Mathias Handrick (64) ein Textbuch liest, entstehen in seinem Kopf die ersten Bilder. So war es auch bei „Wat ‘ne herrliche Welt“. Ein Stück, für das er zwar vor zehn Jahren schon einmal das Bühnenbild gebaut hat, doch ist erstens von der Dekoration nichts mehr übrig und zweitens hat Sigi Domke die Komödie für die Wiederaufnahme im Mondpalast noch einmal komplett überarbeitet. Und so musste auch der Bühnenbildner noch mal ‘ran, in seiner engen, aber beeindruckend gut sortierten Werkstatt im Hinterhof gegenüber dem Theater an der Wilhelmstraße, wo Pinsel und Rollen nebeneinander an einem Brett hängen und Schubladen mit „Stricke, Gurte, Schnüre“ und „Klimbim“ beschriftet sind. „So schräg wie das Stück soll auch das Bühnenbild sein“, sagt der Theatermaler und lacht. Ein Modell aus Pappe hat er schon fertig: eine Schrebergartenwelt en miniature, in der Bergmann Fritz nach 60 Jahren unter Tage wieder auftaucht. Ein Stück Berliner Mauer, „mit einer blühenden Landschaft auf der Rückseite“, ist nicht die einzige Überraschung darin.

Studium in Dresden

Mathias Handrick atmet seit Ende der 60er Jahre Theaterluft. Schon sein dreijähriges Studium an der Kunsthochschule in Dresden umfasste weit mehr als eine handwerkliche Ausbildung. Sieben Jahre lang war er später am Weimarer Nationaltheater als erster Maler beschäftigt, bevor er in den Messe- und Ausstellungsbau einstieg, noch nach der Ausreise nach Westdeutschland 1987 eines seiner Standbeine. Den Messebau hat er aufgegeben, das Malen hat ihn nicht losgelassen. Davon zeugen die surrealistischen Bilder an den Wänden der Werkstatt, aber auch große Wandmalereien. Die Zeche Mont Cenis auf der Fassade des Parkhotels in Herne etwa hat er gemalt, Wände in Ladenlokalen gestaltet und sogar seine Küche in Bochum in eine toskanische Landschaft verwandelt. Auch Tierporträts bietet er an, allerdings ohne viel Erfolg, wie er sagt.

„Freie Malerei war mein Jugendtraum“, bekennt Mathias Handrick. „Aber damit ist kein Geld zu verdienen. Deshalb bin ich heute Theatermaler mit Leib und Seele.“ Was durchaus auch seine stupiden Seiten habe. Hunderte von Ziegeln zu malen zum Beispiel oder „einen Baum mit 32 Gehenkten in Kupferstichmanier“, wie damals in Weimar, gehöre dazu.

Was Handrick an seiner Arbeit für den Mondpalast schätzt, ist das „prima Ensemble“ und dass ihm keiner reinredet. Thomas Rech hat ihn damals von der Comödie Bochum zum Mondpalast geholt, mit ihm kam er immer gut zurecht, und auch mit dem neuen künstlerischen Leiter Ekki Eumann laufe es gut an. Ich kann mich austoben“, sagt Handrick. „Im Prinzip hat noch nie einer was geändert“, freut er sich. „Dann bin ich wohl gut genug“.