Manche Herner mussten das Fest im Krankenhaus verbringen

Marianne Steinbach (rechts) und Renate Berkenbusch mussten die Weihnachtsfeiertage im Krankenhaus verbringen.
Marianne Steinbach (rechts) und Renate Berkenbusch mussten die Weihnachtsfeiertage im Krankenhaus verbringen.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Krankenhäuser versuchen, die meisten Patienten vor Weihnachten nach Hause zu schicken. Die WAZ besuchte Patienten, die dieses Glück nicht hatten.

Herne..  Eine schöne Bescherung - dieser Begriff kann auf mehrfache Art und Weise interpretiert werden. Im besten aller Fälle hatten die Menschen am Mittwoch tatsächlich eine schöne Bescherung und durften wunderbare Geschenke auspacken. Doch es gibt auch die Kehrseite. Die hat Marianne Steinbach erlebt: Sie musste die Weihnachtsfeiertage im Krankenhaus verbringen.

Doch sie habe Glück im Unglück gehabt, erzählte sie, als die WAZ zum Besuch vorbeischaute.

Das Unglück begann mit einem Sturz vor einigen Tagen. Steinbach, die im Oktober ihren 90. Geburtstag gefeiert hatte, fiel unglücklich und brach sich dabei den Oberarm. Der Aufenthalt im evangelischen Krankenhaus an der Wiescherstraße während des Weihnachtsfest war unvermeidlich.

Steinbach gehörte zu den wenigen Unglücklichen, denn wenn es sich irgendwie medizinisch vertreten lässt, schicken die Herner Krankenhäuser Patienten während der Feiertage nach Hause in den Kreis ihrer Familien. Wer dennoch im Krankenzimmer bleiben muss, dem versuchen die Krankenschwestern den Aufenthalt etwas zu erleichtern. Auf jeder Station steht ein Tannenbaum, und „wenn wir bei den Patienten sind, versuchen wir, ein klein wenig weihnachtliche Stimmung zu verbreiten, zum Beispiel mit Humor“, erzählt Krankenschwester Svetlana Schnaidt, die am zweiten Weihnachtsfeiertag und am gestrigen Sonntag Dienst hatte.

Besuch vom früheren Chef

Festliche Atmosphäre verbreitete Heiligabend auch ein Akkorden-Orchester. Das spielte Weihnachtslieder für die Patienten - sehr zu Freude von Marianne Steinbach. Worüber sie sich ebenfalls gefreut hat: Die Krankenschwestern machten eine kleine Bescherung - es gab einem Schoko-Nikolaus und eine Taschenlampe.

Ursprünglich wollte Steinbach die Feiertage mit Kindern und Enkelkindern verbringen, doch die Pläne musste sie leicht ändern. Nach dem Sturz kamen die Verwandten jeden Tag ins Krankenhaus. „Der Enkel war lange in Tansania, da gab es natürlich viel zu erzählen“, so Steinbach.

Und noch jemand kam zu Besuch: Ihr ehemaliger Chef, Professor Johann F. Bußmann. Denn das ist der skurrile Clou dieser Weihnachtsgeschichte. Marianne Steinbach war 20 Jahre lang Krankenschwester auf exakt jener Station, auf der sie in den vergangenen Tagen behandelt wurde. „Ich habe Weihnachten sehr oft im Krankenhause verbracht“, sagt sie. Ebenso wie Silvester.

Vielleicht ist das auch ein Grund, dass sie gar nicht so traurig war. „Ich habe Weihnachten ganz gut und mit viel Liebe überstanden.“