Mädchen entdeckten in Herner Firmen wieder Männerberufe

Girls' Day in Herne. Reifen Steibling. Namen vl: Alyah Demkowsky, Lara Betha, Celine Jackert, Berna Yilmaz, Emilia Ahtanassiadis, Janine Fernau Foto: Ralph Bodemer / FUNKE Foto Services
Girls' Day in Herne. Reifen Steibling. Namen vl: Alyah Demkowsky, Lara Betha, Celine Jackert, Berna Yilmaz, Emilia Ahtanassiadis, Janine Fernau Foto: Ralph Bodemer / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gestern fand wieder der Girls’ Day statt. Zahlreiche Mädchen schnupperten in Herner Unternehmen in Berufe hinein, die von Männern dominiert sind.

Herne..  In einigen Tagen werden irgendwo in Deutschland Menschen den „Wichtel“ des Wanner Unternehmens Planeta auspacken. Der „Wichtel“, das ist ein Hebezeug für die heimische Handwerkskiste. Einige Exemplare sind etwas Besonderes. Sie wurden von Leonie, Tessa und Aimee montiert und sind das sehr greifbare Ergebnis ihres Girls’ Day. An dem beteiligten sich gestern erneut zahlreiche Herner Institutionen.

Das Mädchen-Trio entschied sich für Planeta, weil sie von ihren Familien schon vom Betrieb gehört hatten, aber „nicht so richtig“ wussten, was dort entsteht. Seit gestern wissen sie es: Geräte, mit denen man schwere Sachen heben kann. Tessa (noch zehn Jahre) kann es sich vorstellen, später mal etwas in dieser Richtung zu machen. Beim „Wichtel“ die Kette exakt einzufädeln, das hatte etwas von Bastelei.

100 Prozent Männeranteil

Planeta ist laut Stephan Boer, Leiter des Finanz- und Rechnungswesens, seit Jahren Teilnehmer beim Girls’ Day. Kein Wunder, könnte man sagen, der Männeranteil in der Produktion liegt bei: 100 Prozent. Dabei könnten Frauen durchaus in der Produktion arbeiten, so Boer. Doch Bewerbungen von Frauen für diesen Bereich seien Einzelfälle. Der Girls’ Day biete eine gute Gelegenheit für eine erste Berufsorientierung, Vielleicht wird später ja mal eine Ausbildung daraus, Boer kennt den geflügelten Satz, dass der Auszubildende von heute die Fachkraft von morgen ist. Und die kann Planeta gut gebrauchen, vom viel beschriebenen Fachkräftemangel spüre das Unternehmen auch ein wenig.

Reifen Stiebling hat in dieser Hinsicht kein Problem, „wir bekommen permanent Bewerbungen“, erzählt Prokurist Hubertus Mönkemöller. Das Unternehmen, das Lkw-Reifen runderneuert und selbstverständlich Pkw wartet, hat ebenfalls einen überwältigenden Männeranteil in der Montage, „wenn auch nicht bewusst“, so Mönkemöller. Doch es gibt Ausnahmen - wie Patricia Keller. Sie arbeitet als Servicemechanikerin in einem typischen Männerberuf, doch für die zierliche Frau ist dies selbstverständlich. Die Arbeit sei zwar anstrengend, doch daran gewöhnt man sich.

Von den Anstrengungen hat sie gestern Alyah Demkowsky, Lara Betha, Celine Jackert, Berna Yilmaz, Emilia Ahtanassiadis und Janine Fernau erzählt. Auch von diesen sechs Schülerinnen kann sich eine vorstellen, später bei Stiebling zu arbeiten: Janine Fernau. Das mag etwas mit familiärer Prägung zu tun haben. Der Onkel der 13-Jährigen arbeitet bei Stiebling.

Im Eickeler Volksgarten schaut die 14-jährige Ida Meyer-Drabert den Vermessern der Stadt Herne bei deren Arbeit zu und hilft, Koordinaten aufzuschreiben. Ida ist eins von 54 Mädchen, das bei der Stadt in vermeintliche Männerberufe hineinschnuppern. Ihr Fazit klingt ebenfalls vielversprechend: „Ich finde es sehr interessant und empfehle jedem, so etwas mal auszuprobieren.“