Lukas Hospiz Herne: Ein Ort zum Leben

Studenten (v.li.) Mark Kalinowski, Markus Koyro und Samuel Situmorang mit Hospizleiterin Anneli Wallbaum.
Studenten (v.li.) Mark Kalinowski, Markus Koyro und Samuel Situmorang mit Hospizleiterin Anneli Wallbaum.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Seit 2013 ist die Palliativ-Medizin ein Teil des Medizinstudiums. Im Lukas-Hospiz lernen angehende Ärzte den Umgang mit dem Tod. Sie sollen eine Haltung entwickeln, wie sich als zukünftiger Teil dieses Prozesses mit Patienten und Angehörigen umgehen.

Herne..  Hohe Decken und mit warmem Holz verkleidete, lichtdurchflutete Räume lassen ein Gefühl von Depressivität gar nicht erst aufkommen. Die abschreckende Sterilität, die in vielen Krankenhäusern vorherrscht, fehlt im Lukas-Hospiz vollkommen. Das einzige, was den Tod ins Gedächtnis ruft, ist der „Baum der Erinnerung“: An ihm hängen zerbrechliche Holzblätter, die darauf stehenden Namen gedenken an die Verstorbenen. Seit 2013 gehört die Palliativ-Medizin zum Teil der ärztlichen Ausbildung. Das Lukas-Hospiz hat seitdem rund 100 Medizinstudenten auf den Umgang mit Sterbe-Patienten vorbereitet.

Diesmal sind Markus Koyro (30), Mark Kalinowski (25) und Samuel Situmorang (30) von der medizinischen Fakultät der Ruhr-Uni Bochum für ein Blockpraktikum im Hospiz. Einen direkten Kontakt zu Sterbe-Patienten werden sie an diesem Tag über nicht haben. Dafür lernen die Studenten den bürokratischen Teils des Todes kennen: Wie füllt man einen Totenschein aus? Welche Informationen entnimmt man Patienten-Akten? Anschließend wohnen sie einer Totenbeschauung bei. „Bei der Totenbeschau wirkte der Gast (im Lukas-Hospiz sind Patienten Gäste) beruhigend auf mich“, sagt Samuel Situmorang, der im neunten Semester Medizin studiert. „Man konnte sehen, dass er seinen Frieden gemacht hatte.“

„Die Studenten sollen die Haltung entwickeln, dass sie als zukünftige Ärzte ein Teil dieses Prozesses sind. Der Tod ist wie die Geburt, ein sozialer Prozess“, erklärt Dr. Axel Münker (50), Leiter der Schmerzklinik im Marienhospital, der als Schnittstelle zwischen Hospiz und Ruhr-Uni fungiert. „Wir versuchen, den Eindruck zu vermitteln, dass der Sterbeprozess auch ein Lebensprozess ist.“ Dazu brauche es Rituale und Formen. Ein Ritual sei, das die Gäste das Frühstück in der Gemeinschaft erleben. In dieser Form findet auch der erste und einzige indirekte Kontakt zwischen ihnen und den drei Studenten satt.

Pro & Contra Sterbehilfe

Beim Thema Sterbehilfe scheiden sich die Geister. Geschäftsführer Gisbert Fulland (73) spricht von „aktiver Lebenshilfe“, die man geben möchte, „denn es hat immer etwas mit der Qualität des Lebens zu tun, und nicht mit der Länge“. Hospizleiterin Anneli Wallbaum (54) sagt: „Die Hospiz-Bewegung will ein Zeichen gegen aktive Sterbehilfe setzen.“ Markus Koyro, der vor seinem Studium beim Rettungsdienst gearbeitet hat, teilt ihre Meinung: „Meine Patienten sollen ohne aktives Eingreifen aus dem Leben scheiden.“

Münker differenziert zwischen „dem Leben verpflichtet sein“ und „Grenzfällen, bei denen das Dahinvegetieren ein Ende finden muss“. Etwa durch „passive Sterbehilfe“, bei der ein Patient keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr erhalte, um das Sterben als natürlichen Prozess zuzulassen. Mark Kalinowski pflichtet ihm bei: „Ich würde mir den Zeitpunkt am liebsten selbst aussuchen, glaube aber nicht, dass aktive Sterbehilfe je in Deutschland erlaubt sein wird.“

Zum Ende des Tages absolvieren die Studenten eine praktische Übung. In einem Fallbeispiel wird die häusliche Versorgung eines Patienten simuliert. Ziel sei es, dass das Ende des Lebens nicht Versagen ärztlicher Gunst ist, macht Anneli Wallbaum deutlich. Richtig handeln heiße, das Leben zu erhalten, egal unter welchen Umständen. Spätestens da stelle sich die Frage nach aktiver Sterbehilfe nicht mehr.