Lukas-Hospiz am Limit

Das Lukas-Hospiz im Herner Süden. Foto:Wolfgang Quickels
Das Lukas-Hospiz im Herner Süden. Foto:Wolfgang Quickels
Foto: WAZ
Der Förderverein des Herner Lukas-Hospizes greift die Krankenkassen an: Wenn sie die Tagessätze nicht deutlich erhöhten, sei die Qualität der Hospizarbeit nicht zu halten.

Herne.. Schon mehrfach ist Anneli Wallbaum in den letzten Tagen angesprochen worden. Ob es denn stimme, dass das Lukas-Hospiz schließen müsse. Nein, sagt dann die Leiterin des Hauses an der Jean-Vogel-Straße, und erklärt, warum die 25 Hospize in Westfalen-Lippe kürzlich Alarm geschlagen haben: Sie müssten einen immer höheren Teil ihrer Kosten durch Spenden decken, weil die Vergütungssätze der Krankenkassen nicht ausreichten. Jedenfalls nicht, um eine Hospizarbeit der angestrebten Güte aufrecht zu erhalten.

Dass der Förderverein zehn Prozent der Betriebskosten übernehmen muss, ist dabei nicht Gegenstand der Aufregung. So sieht es das Gesetz vor. Aber über diesen Anteil ist man in Herne (wie anderswo) lange hinaus, versichern Gisbert Fulland als Geschäftsführer des Lukas-Hospizes und Alexander Sturm als Vorsitzender des Fördervereins. Noch einmal 10 bis 20 Prozent kämen hinzu, das machte 2010 insgesamt stattliche 285000 Euro. Zu senken wäre dieser Betrag nur, wenn die Krankenkassen ihren Tagessatz merklich erhöhten, sagen die Hospiz-Verantwortlichen.

Angestrebt wird ein Tagessatz von 291 Euro, geboten haben die Kassen unterdessen dem Lukas-Hospiz 236,34 Euro - genau 96 Cent mehr als aktuell gezahlt wird. In Niedersachsen, sagt Fulland, habe man sich dagegen soeben auf 290 Euro geeinigt. Eine Einigung mit Hilfe eines Schiedsmannes werde hierzulande aber von den Kassen blockiert.

Dass sich deren Berechnungen mit den Erfahrungen in der Praxis nicht deckten, machen Fulland und Sturm an einigen Beispielen deutlich. Das fange mit der Fläche pro Hospizgast an, die für die angenommenen Investitionsfolgekosten relevant sei: „50 Quadratmeter pro Bett werden anerkannt, im Lukas-Hospiz haben wir aber 95.“ Nicht ausreichend berücksichtigt würden zudem steigende Lohnkosten wie auch die Arbeit, die das - übrigens komplett in „Palliativcare“ qualifizierte - Personal, im Vorfeld einer Aufnahme und nach dem Tod übernehme. „Trauerarbeit verhindert, dass Angehörige eine krankhafte Trauer entwickeln“, unterstreicht der Mediziner Sturm die Bedeutung der Gespräche mit den Hinterbliebenen. Darmerkrankungen, Asthma oder Herzrhythmusstörungen könnten die Folge sein. Auch mit der durchschnittlichen Bettenauslastung von 94,5 Prozent sieht man im Lukas-Hospiz die Obergrenze erreicht. Wenn keine Zeit bleibe, sich in Ruhe zu verabschieden, sagt Hospizleiterin Wallbaum, sei man von den Krankenhäusern nicht mehr weit entfernt.