Live-Konzerte in Kneipen werden in Herne immer weniger

Edy Edwards mit seiner Band im „Querschlag“ in Herne, im April 2013, drei Monate vor der Schließung.
Edy Edwards mit seiner Band im „Querschlag“ in Herne, im April 2013, drei Monate vor der Schließung.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / WAZ
Was wir bereits wissen
Bands schätzen die intime Atmosphäre bei Auftritten in Szenelokalen. Doch in Herne wird es für die Live-Musiker immer enger.

Herne..  „Manchmal vermisse ich das schon“, erzählt Sabedin Houssein Oglou, genannt Sabby, wenn er sich an den „Querschlag“ und die Atmosphäre der Wanner Kultkneipe erinnert. Sabby ist heute Betreiber des Café Hülsmann in Eickel. Bis Juli 2013 führte er den „Querschlag“ am Freibad.

Musik und Kneipen gehören zusammen. Hamburg erinnert sich immer noch gerne an die Zeit, als die Beatles im „Club Indra“ das musikalische Tor zur Welt öffneten. „Die Künstler sind greifbar, du kommst persönlich an sie dran“, schwärmt Sabby aus Sicht des Zuschauers.

Das Erlebnis ist aber auch für die Protagonisten auf der Bühne etwas Besonderes: Die engen, vollen Räume, in denen die Zuschauer direkt vor der Nase der Künstler stehen und die Musik regelrecht aufsaugen. „Es hat etwas leicht Intimes“, bringt Ernst Kammann von der Band „Metamorphosis“ die Atmosphäre auf den Punkt. Die Mitglieder der Band „Der Gorilla vonne Kirmes“ können das bestätigen: „Man erhält direktes Feedback von den Zuschauern.“ Die Konzerte in den Kneipen und Clubs seien die schönsten gewesen, darin sind sich die Musiker einig. Durch die Auftrittsmöglichen seien viele Freundschaften entstanden.

In letzter Zeit musste die hiesige Kneipenszene jedoch einige Rückschläge hinnehmen. Die über Stadt- und Landesgrenzen bekannte Rockkneipe „Querschlag“ schloss vor knapp zwei Jahren, die „Sonne“ ging erst Anfang des Jahres in Herne unter. In der Herner Innenstadt sind seit gestern die Türen von „Caféhaus“ und „Nils“ (vorübergehend) geschlossen.

Niedrigschwelliges Debüt

Die Gründe sind vielfältig. Auf der einen Seite bemängelt Hülsmann-Pächter Sabedin Houssein Oglou ein fehlendes Engagement der Vermieter. Die Mieten würden erhöht, aber Investitionen erfolgten nicht. Es lohne sich nach einiger Zeit nicht mehr. Des weiteren machten die Arbeitszeiten der Besucher wie Wochenendarbeit und Wechselschichten den Betreibern zu schaffen: „Meistens bleibt da nur ein Tag am Wochenende zum Ausgehen übrig“, weiß Sabby.

Die Jugendkultur habe sich zudem stark verändert. Die Tradition der Eckkneipe sei in der heutigen Generation ausgestorben, so die Erfahrung von Donner, Bassist bei den „Gorillas“. Rauchverbot in den Kneipen und steigende GEMA-Gebühren für die Nutzung der Musikrechte tun ihr Übriges.

Mit den Kneipen sterben auch die Einstiegsmöglichkeiten für junge Künstler. Die Kneipe gilt als die beste Möglichkeit, sich die ersten Sporen in der Szene zu verdienen. Die Flottmannkneipe, das Hülsmann, das MuCa und das Haus Voss bieten derzeit noch Auftrittsmöglichkeiten in Clubatmosphäre an. „Kultur ist immer gefragt“, sagt Sabby. Sein Tipp für angehende Wirte: Habt ein vernünftiges Konzept und vor allem finanzielle Rücklagen. Dann könne auch über der Herner Kneipenszene wieder die Sonne scheinen.