Liebling und Sorgenkind
14.02.2010 | 18:00 Uhr 2010-02-14T18:00:00+0100
Herne. An der Eissporthalle im Revierpark Gysenberg haben sich Investoren schon so manchen Zahn ausgebissen. Die Arena hat eine lange Geschichte, die 1969 mit großen Worten begann.
Als der Geschäftsführer der IBACO Sportstätten GmbH aus Velbert im Jahr 1969 den örtlichen Medien das Neubauprojekt erklärt, wählt er große Worte. Die Eissporthalle, die im neuen Revierpark Gysenberg entstehen werde, „hat auf der ganzen Welt keinen Vergleich", so Hans Kohlrautz.
Zeitgleich mit dem Richtfest für das benachbarte Schwimmbad (Aktivarium) und der Grundsteinlegung des ebenfalls benachbarten Freizeithauses erfolgt Ende August 1969 der Spatenstich. Die multifunktionale Halle wird zwei Eisbahnen bekommen und 4000 Menschen Platz bieten. Um wirtschaftlich über die Runden zu kommen, so rechnet IBACO, brauche man 600 Besucher pro Tag.
Im Oktober 1971 wird das Gebäude mit reichlich Verzögerung eröffnet. Die Kosten waren von zunächst errechneten 3,5 auf 5,5 und schließlich 7,3 Millionen D-Mark gestiegen. Die Halle ist Teil eines Geschäftsmodells, ausgedacht Ende der 60er-Jahre. Bereits in Iserlohn und Duisburg hatte die IBACO Medienberichten zufolge Eis-Arenen errichtet, sie sollten irgendwann Gewinn abwerfen.
Ob die IBACO mit der Investition in Herne jemals Geld verdient hat, ist nicht mehr aufzuklären. Mitte der 80er-Jahre jedenfalls geht der Gesellschaft die Puste aus. Es droht der Konkurs. Gemeinsam mit dem Kommunalverband Ruhr (KVR) soll die Stadt Herne die Immobilie übernehmen, um sie zu retten. SPD und CDU beschließen gemeinsam im Februar 1985, das Gebäude zu kaufen. Der Preis soll laut einem WAZ-Bericht bei 4,6 Millionen Mark gelegen haben. Ein Jahr später, im Februar 1986, stellen Stadt und KVR ein Konzept vor, das die wirtschaftliche Lage verbessern soll: Für noch einmal 2,3 Millionen Mark war die Anzahl der Sitzplätze von 1000 auf 1600 erhöht worden. Die zweite, kleinere Eisbahn verschwand, man baute neue Räume für Solarium, Fitness und die aufblühende Sportart Squash.
Drei Jahre später, im Februar 1989, ist klar: Das neue Konzept zieht nicht. Die kalkulierten Einnahmen von 750 000 Mark aus dem neuen Fitnessbereich sind utopisch. Man bleibt um 50 % hinter den Erwartungen zurück.
Die Eishalle samt Anhängsel, sie bleibt ein Subventionsbetrieb. In den Jahren 1995 und 1996 bekommt sie Zuschüsse aus Steuergeldern in Höhe von 1,1 Millionen Mark. „Zu viel", sagt die Bezirksregierung in Arnsberg und macht der Stadt zur Auflage, die Miesen um 50 % zurückzufahren. Also legt die Revierpark GmbH 1997 sieben Alternativen zur Zukunft der Halle vor, eine davon: der Verkauf. Ende des Jahres 1998, nach einem nervenaufreibenden Hin und Her, bekommt das Unternehmer-Duo Stienecke/Herzberg den Zuschlag – damaligen WAZ-Berichten zufolge für etwa 2 Millionen Mark.
500 000 Mark stecken die neuen Betreiber eigenen Angaben zufolge in ihren neuen Besitz, so richtig rund aber soll es WAZ-Informationen zufolge nie gelaufen sein. Schon 2000 drohte das Duo, die Notbremse zu ziehen. Wieder gibt es Verhandlungen mit der Stadt, wie viel Geld letztendlich Jahr für Jahr fließt, keiner weiß es oder will es sagen.
Zehn Jahre nach dem Erwerb stößt der zweite private Betreiber die Eisarena ab und verkauft sie an einen dritten: Ralf Pape. Die Halle ist zu diesem Zeitpunkt, im August 2008, in keinem guten Zustand. Auch Pape muss wieder investieren. Eigenen Angaben zufolge müssten 1,5 bis 2 Mio. Euro reingesteckt werden. Ganz zu schweigen von den Betriebskosten, die die Stadt mit jährlich etwa 76 000 bezuschusst. Pape und die neue Eissporthalle Herne GmbH beginnen mit den Reparaturen, dann steht die Prüfung der Kühlanlage an: Die Anlage fällt durch, die Arena wird eine Eishalle ohne Eis. Es ist Sommer 2009 – fast 40 Jahre sind seit dem Spatenstich vergangen.
17:49
Da ist der WAZ endlich mal ein großes Lob auszusprechen.
Mit dieser ONLINE-Berichterstattung werden endlich noch rechtzeitig vor den anstehenden Play-Offs am heimischen Gysenberg auch die starken überregionalen Interessen versorgt.
Der HEV (wie die Stadt selbst mit einem starken HEV am Gysenberg) brauchen die verdiente und lange vermißte Internet-Präsenz - das sollte man vor Ort nicht unterschätzen und künftig nicht mehr vernachlässigen, wie man es leider lange genug erleben mußte, selbst als Shannon McNevan die OL ermöglichte.
Seit McNevan, Pape, Schubert u.a. sieht es gut wie nie für den HEV und seinen Standort am Gysenberg aus. Seit dieser Zeit spielen für Herne die stärkste 1. Mannschaft incl. Gegner, die seit Bestehen des Vereins die Herner Farben vertreten. Den nächsten Bericht wie vor allem die PO am Gysenberg kann man fast schon nicht mehr erwarten.