Lesung in Herne wirft Blick auf außen auf das Christentum

Aus Navid Kermanis Buch „Ungläubiges Staunen“ las die Schauspielerin Maria Wolf im Herner Literaturhaus. Musikalisch begleitete sie Muhammad Tamim auf der Oud.
Aus Navid Kermanis Buch „Ungläubiges Staunen“ las die Schauspielerin Maria Wolf im Herner Literaturhaus. Musikalisch begleitete sie Muhammad Tamim auf der Oud.
Foto: Rainer Raffalski
Was wir bereits wissen
„Ungläubiges Staunen“ des Autors Navid Kermani ließ die Schauspielerin Maria Wolf bei einer Lesung im Literaturhaus Herne deutlich werden.

Ortsmarke..  Das optisch Sichtbare ist in der Regel der erste Eindruck von fremden Religionen. Diese Symbolwelt kann ein Außenstehender kaum umfassend verstehen - und gerade deswegen so gut staunen! Diese Perspektive bietet der preisgekrönte Schriftsteller Navid Kermani auf das Christentum. Die Schauspielerin Maria Wolf las am Dienstag im Literaturhaus Herne Ruhr aus dessen Buch „Ungläubiges Staunen“ und projizierte zu Kermanis essayistischen Kunstbetrachtungen die jeweiligen Kunstwerke an die Wand.

Eine Dialektik durchzieht das Werk: Es kann für Muslime als eine Art Einführung dienen („Maria halten sich die Christen rein [...], weil es ohne Trost nicht geht“) und es kann Christen die Sicht „des Anderen“ vor Augen führen, hier: eines iranisch-stämmigen Moslems. Der in Siegen geborene Kermani lässt neben kunsthistorisch informierten Betrachtungen auch naive und freche Fragen zu: Wollte Jesus überhaupt auferstehen? Warum sieht Maria in manchen Abbildungen jünger aus als Jesus? War der junge Jesus ein Rotzlöffel?

Kermanis Verdeutlichungen der eigenen Perspektive sind von großem aufklärerischem Wert. So etwa seine Begründung, warum er die Kreuz-Symbolik „theologisch nicht akzeptieren“ kann, sie stehe für ihn für die Folterung, die es immer noch gibt. Wenn Kermani im lockeren Plauderton in die Kultur des Bilderverbotes im Islam einführt, dämmert es den Zuhörern, welchen Paradigmenwechsel er in „Ungläubiges Staunen“ vollzieht. In seiner Rede zur Friedenspreisverleihung beschwor der Schriftsteller die Haltung „das Eigene kritisieren, das Fremde bewundern“. Diesem Motto bleibt er nicht immer treu. Viel wichtiger sind aber die Brücken, die er zwischen den Religionen baut. Das klingt nach einer Einladung, über andere Religionen zu staunen.

Orientalische Klänge auf der Oud von Muhammad Tamim gaben der Lesung im Literaturhaus ein besonderes Flair.