Leserin kritisiert: Grabfeld ist nicht mehr anonym

Das anonyme Grabfeld auf dem Südfriedhof in Herne.
Das anonyme Grabfeld auf dem Südfriedhof in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Immer mehr Gegenstände mit Namen der Verstorbenen sowie ihren Geburts- und Sterbedaten landen am anonymen Grabfeld auf dem Südfriedhof.

Herne..  Sauer über den Zustand des anonymen Bestattungsfeldes auf dem Südfriedhof an der Wiescherstraße ist Waltraud Manfrass. Auf der knapp über 400 Quadratmeter großen Rasenfläche des Friedhofes stünden nicht nur Blumen, Gestecke und Kerzen, sondern immer mehr auch große Laternen aus Metall mit den Namen der Verstorbenen sowie ihren Geburts- und Sterbedaten. Das findet sie falsch. „Dieses Grabfeld ist dadurch nicht mehr anonym“, kritisiert die 76-Jährige, die im vergangenen Monat ihren Mann auf diesem Feld bestatten ließ. Anhand der Namen könne nun jeder ablesen, wer unter der Wiese ruhe, und das sei nicht Sinn des anonymen Bestattungsfeldes.

Auch das ärgert die Rentnerin: Es kämen weitere neue Gegenstände auf der Wiese hinzu: „Das artet aus“, meint Waltraud Manfrass. „Und das“, fügt sie noch an, „macht mich betroffen“.

Auf dem Rasen, sagt Heinz-Jürgen Kuhl, Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtgrün, sollten etwa die großen Laternen mit Namen und Daten nicht abgestellt werden. Dafür sei eigens die angrenzende Gedenkfläche gedacht. Wenn Pflegearbeiten, zum Beispiel Rasen mähen, anstünden, müssten die städtischen Mitarbeiter jedes mal Kerzen, Blumen und Laternen zur Seite räumen. Allein: Dabei sei Fingerspitzengefühl nötig. „Ich habe Verständnis für die Menschen, die auf der Wiese Blumen niederlegen“, sagt Kuhl.

Auf dem anonymen Begräbnisfeld sind seiner Aussage zu Folge derzeit insgesamt 1632 Urnen bestattet. Wo genau, das erfahren die Angehörigen nicht, nur die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung kennen die Lage der Urnen. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Feld 78 Urnen bestattet.