Lesepaten kritisieren geplante Bücherei-Schließungen
19.02.2010 | 09:34 Uhr 2010-02-19T09:34:00+0100
Herne. Weil die Stadt sparen muss, sollen die Stadtteil-Bibilotheken in Eickel und Sodingen geschlossen werden. Die ehrenamtlichen Vorlesepaten befürchten durch diese Maßnahmen tiefe Einschnitte in der Leseförderung der Kinder.
Früher waren es Pünktchen und Anton, Pippi Langstrumpf oder Jim Knopf, heute stehen die Olchis ganz oben auf der Wunschliste der Kinder. Doch ganz gleich, welches Buch sie lesen, wichtig für ihre Entwicklung ist es in jedem Fall, betonen die Vorlesepaten.
„Viele Kinder kommen oft in die Bücherei, das ist für sie ein Zeitvertreib”, erklärt Dirk Hölter (41). Seit einem Jahr ist er in Sodingen Vorlesepate – einer von insgesamt dreien. Alle Paten arbeiten dabei ehrenamtlich. „Wir möchten betonen, dass wir die Stadt nichts kosten”, sagt Bernhard Dudel, der in Wanne liest.
„Die Kinder aus Eickel und die aus Sodingen werden mit Sicherheit nicht geschlossen in andere Bibliotheken gehen”, befürchtet er. Dabei ist er sich sicher: Lesen verbindet. „Zu mir kommen einige Kinder mit Migrationshintergrund”, sagt der 35-Jährige. Auch sie würden sich gerne dazusetzen und seinem interaktiven Spiel zuhören. „Ich nehme den Bildungsauftrag sehr ernst”, sagt er. Schließlich seien „die Kinder von heute die Steuerzahler von morgen”.
Qualität der Kinderbücher habe abgenommen
Die Qualität der Kinderbücher habe über die Jahre abgenommen, findet Dudel: „Ob sie Michael Ende lesen oder die Olchis, das ist sprachlich ein unheimlicher Unterschied.” Zur Erklärung: Die Olchis mögen alles, was mit Dreck zu tun hat. Das Buch bestehe vor allem aus sehr kurzen, einfachen Sätzen.
Doch in jedem Falle werde die Fantasie angeregt und Jutta Wiemers, Vorlesepatin in der Hauptstelle im Kulturzentrum, hat bei ihren eigenen Kindern bemerkt, dass das Vorlesen ihnen auch bei der Sprachentwicklung half. Eine Förderung, die in der Schule mühsam erarbeitet, durch die Schließung von Bibliotheken jedoch mit Füßen getreten würde – für sie unverständlich.
Hoffen auf eine andere Lösung
Bisher geht es in Eickel beim Lesen noch nostalgisch zu: Sybille Mandera (55) sitzt dann immer in ihrem Schaukelstuhl, die Kinder tummeln sich auf einem Leseteppich. „Die Großen lesen auch schon mal selbst was vor”, sagt sie. „Ich mache ihnen dann Platz in meinen Schaukelstuhl und sie übernehmen.” Sollte die Nebenstelle in Eickel geschlossen werden wäre das für Sybille Mandera „ein Armutszeugnis für die Stadt”. Viele Leute hätten nicht das Geld, sich Bücher zu kaufen. Für sie ist der Skandal: „Wir sind Kulturhauptstadt und die Basiskultur wird abgeschafft.”
Die Vorlesepaten hoffen auf eine andere Lösung. „Vielleicht könnte man Sparmaßnahmen im laufenden Betrieb vornehmen”, schlägt Dudel vor. „Oder man könnte die Jahresgebühr etwas erhöhen.” Die Nähe zu den Lesern sei für die Vorlesestunden sehr wichtig. Weitermachen möchte Dirk Hölter auch, wenn die Räume in Sodingen schließen. „Vielleicht setze ich mich dann einfach in die Akademie und lese dort vor.”
11:35
Wenn wir schon von zusammenlegen sprechen könnten wir doch auch sämtliche Bürgerämter und das Straßenverkehrsamt mit der Stadt Bochum zusammenlegen. In Essen am Hauptbahnhof gibt es auch eine Bibliothek, vielleicht können die Kinder und Rentner ja die benutzen. Um Geld einzunehmen, braucht die Stadt doch nur mehrere Blitzen auf der A42 zu installieren (Tempo 80). Dann bin ich auch noch für Alkoholkontrollen im Rathhaus. Übrigens gibt es in Herne dann nur noch zwei Bibliotheken von denen bestimmt noch die in Wanne geschlossen wird.
22:35
.....zu Sodinger.
Bibliothekare und Angestellte ( Angestellte allgemein im öffentlichen Dienst ) stehen in keinem Beamtenverhältnis und sind so kündbar!
Aber ich denke, hier werden, wie auch bei den großen privaten Betrieben, Arbeitsplätze eingespart in dem wohl die älteren Mitarbeiter dieser Zweigstellen in den nächsten 2 oder 3 Jahren in Rente gehen werden.
Und zu den Schließungen selbst. Ich persönlich finde es sehr schade, dass die Zweigstellen geschlossen werden. Besser fände ich es, wenn z.B. die Öffnungszeiten dieser Stellen halbiert würden. So würde ein Teil des Geldes eingespart werden und Kinder wie ältere nichtmobilen Lesern wird weiterhin die Möglichkeit gegeben, die Zweigstellen weiter zu benutzen.
Es kann aber, wie in den anderen Städten auch, bei den Erwachsenen der Jahresbeitrag von 6 Euro auf 15 Euro erhöht werden und Kinder ab 14 Jahren wären mit einem Beitrag von 6 Euro dabei. Hier würde schon einiges zusammen kommen.
Im Endefekt bleibt die Bibliothek vom finanziellen Standpunkt aus gesehen für jede Stadt in unserem Land ein Minusgeschäft. Aber von der Seite aus gesehen, dass mit diesen Einrichtungen unsere Jugend gefördert und gebildet wird, kann man dies finanzielle nicht mit aufwiegen.
Ich persönlich möchte nicht wissen, wieviele der heute gut ausgebildeten Akademiker früher in ihrer Jugend Zweigstellen und Bücherbusse der verschiedenen Städte aufgesucht, dort regelmäßig gelesen haben und in diesen Einrichtungen feste Leser waren?! Ich denke schon, dass ein Großteil der heutigen Jugend nicht mehr so viel lesen wird, wenn all die Zweigstellen wegfallen werden. Wie es schon Eisbärin geschrieben hat. Viele Eltern haben einfach nicht die Zeit, dass Geld und natürlich auch nicht die Lust mit ihren Kindern regelmäßig eine Hauptstelle in der Innenstadt aufzusuchen.
Hier wird ganz klar am falschen Ende gespart! Aber für einen USA-Besuch des Herrn Rüttgers in den letzten Wochen, da ist Geld vorhanden. Anmietung schöner teure Hotels usw.! Ich möchte auch nicht wissen, was die Büroaustattungen in Düsseldorf und die Büroausstattungen wie der Unterhalt deren Dienstgebäude noch in Arnsberg ( ....Sitz unseres Regieruntspäsidenten) kosten! Hier wurden ganz bestimmt keine Möbel von POCO gekauft! Dafür ist Geld vorhanden. Wie schon gerade geschrieben, es wird immer und immer wieder am falschen Ende und bei den kleinen Leute gespart. Und das ist wirklich traurig :-(
17:43
Ich finde die Schließung angesichts der fürchterlichen Finanzlage nicht völlig unzumutbar. Die bestehen bleibenden Büchereien liegen zentral und für die meisten Menschen dürfte es kein Problem sein, alle paar Wochen einmal den Weg nach Herne oder Wanne auf sich zu nehmen.
Für Kinder allerdings sehe ich durchaus Schwierigkeiten, weil diese bei längeren Wegen stark auf ihre Eltern angewiesen sind. Viele Eltern werden ihre Kinder natürlich ab und zu gerne zur Bücherei bringen, aber es gibt leider auch Eltern, die auf so etwas keine Wert legen. Deren Kinder sind dann die echten Verlierer der Einsparmaßnahmen.
Ich hoffe sehr, dass aber wenigstens die übrigen Zweigstellen der Stadtbücherei in den nächsten Jahren nicht kaputtgespart werden. Ansprechende Neuerscheinungen und ein vernünftiger Service sind wichtige Vorraussetzungen dafür, dass die Büchereien ihren Zweck erfüllen.
10:22
Was mich wundert: wo spart die Stadt beim Schließen der Zweigstellen? Die liegen ja schon innerhalb städtischer Gebäude, müssen also keine Miete zahlen. Die Bibliothekare sind Angestellte in Öffentlichen Dienst, die können auch nicht gekündigt werden um Personal zu sparen?
21:17
Kinder sollen lesen,selbstständig werden, nicht auf der Strasse rumlungern, Interessen ausser PC und TV entwickeln und Chancen auf (Weiter-)Bildung haben - aber das alles kostenlos.
Sorry, aber ich lasse meine Kinder unter 10 Jahren noch nicht alleine in die Stadt fahren.
Ein Auto habe ich nicht und Öffentlicher Nahverkehr ist teuer.
Und wie sollen ältere Leute, am besten mit Rollator, das bewerkstelligen ?
Oder Mütter mit Kinderwagen?
Bücher haben Gewicht! Und mal eben 2,30 € pro Strecke sind nicht wenig.
Und mit dem Parken in den Innenstädten ist es ja auch nicht so einfach.
Jetzt mal ehrlich: könnte es sein, dass unsere Stadtväter die Leute mit Absicht wieder in die City holen woll ?
nach dem Motto: wenn ich schon mal hier bin und für den Parkplatz bezahle, kann ich ja auch hier einkaufen gehen.
Was wird dann aus unseren Stadtteilen ??
21:05
@#3
In Bochum gibt es 6 Zweigstellen.
In Gelsenkirchen 3 Zweigstellen.
Hernes Bevölkerungsdichte ist viel höher als die der umliegenden Städte.
18:04
Wer liest, weiss mehr!
Das Zweigbüchereien geschlossen werden ist nicht nur zu bedauern sondern auch ein Grund zum Nachdenken über die Frage: Was ist dieser Gesellschaft die kulturelle Bildung wert?
Nun, es gibt ja noch (!) die Hauptbücherei - und die
Krankenhausbüchereien! werden die Befürworter von Büchereischließungen argumentieren.
Oh tempora, oh mores!
14:40
Hallo Rainer Zufall und jessisrevenge,
der Kleintransporter Junior-Fahrbibliothek fährt nicht nur Grundschulen sondern auch Kindergärten, Kindertagesstätten und Förderschulen an.
14:13
@jessisrevenge
Der Bücherbus wurde schon vor Jahren aus Kostengründen abgeschafft. Jetzt gibt es nur noch einen Kleintransporter der nur Grundschulen anfährt.
12:34
gibt es in Herne keinen Bücherbus? DAs könnte doch evtl eine Alternative sein, es ist billiger nicht so kostenintensiv und für die Bürger vielleicht auch einfacher als wenn sie bis zu nächsten Stadt fahren müssen...