Leichter Spargel auf schwerem Herner Boden

Lukas Krason (vorn) und Karol Was stechen bei  Bauer Rudi Brendieck Spargel – und erhalten dafür den Mindestlohn.
Lukas Krason (vorn) und Karol Was stechen bei Bauer Rudi Brendieck Spargel – und erhalten dafür den Mindestlohn.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Landwirt Rudi Brendieck wagte an der Gerther Straße ein Experiment. Das Resultat: erntefrisches Stangengemüse aus Herne mit Biss.

Herne..  Es war ein gewagtes Experiment. „Hätte auch schief gehen können“, sagt Landwirt Rudi Brendieck noch immer leicht besorgt beim Gedanken an das Scheitern des Projekt. Ist es aber nicht. So blickt der kluge Bauer nun auf den ersten Spargel des Jahres. Selbst angebaut im Herner Süden: eine kleine Sensation.

Für das Stechen des edlen Stangengemüses sind in dieser Saison Lukas Krason und Carol Was verantwortlich. Schweißperlen laufen ihnen über das Gesicht, Lukas Krason hat sich trotz kühler Temperaturen für eine kurze Hose entschieden. „Unter dem Tunnel hier haben wir mindestens 50 Grad, weiter hinten auch mehr“, so Rudi Brendieck.

Das Klima im selbst gebauten Gewächshaus gleicht dem einer Dampfsauna, die Arbeit ist mühselig, will doch jede Stange behutsam gestochen werden, damit sie ja nicht bricht. Dass Brendieck seinen polnischen Mitarbeiterin den Mindestlohn zahlt, ist für ihn schon vor der Einführung des Gesetztes eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Volle Schippe, voller Lohn: So läuft das.“ Außerdem müsse man doch über 100 Tage gut miteinander klarkommen. Ende Mai endet die Spargelsaison und die Arbeit geht für alle auf dem benachbarten Erdbeerfeld an der Gerther Straße weiter.

Doch wie kam der findige Landwirt überhaupt auf die Idee, Spargel auf Herner Ackerboden anzubauen? Im Prinzip begann es damit an, dass er sich gegen ein Studium entschied. „Ich wollte lieber den ganzen Tag draußen arbeiten.“ Was das alles mit Spargel zu tun hat? Ganz einfach. Probieren geht über Studieren, das war schon immer die Devise des 48-Jährigen.

„Dabei fiel mir auf, dass sich der Boden auf den Feldern vor Ort sehr schnell erwärmte.“ Genau das sei der ausschlaggebende Punkt gewesen. Unter normalen Umständen wachse das edle Gemüse auf sandigem und eben nicht auf schwerem Ackerboden, wie es hier der Fall ist. „Zwei Jahre lang habe ich den Boden gezähmt“, berichtet der Landwirt. Mit Maschinen wie Spatenpflug, Forstfräse sowie jeder Menge Spezialdung. Dank des warmen Bodens habe auch das Wasser während des Winters gut abfließen können: „Stauende Nässe hätte dem Gewächs das Genick gebrochen.“ Umso unruhiger wurde er bei Sturm Niklas. „Als Bauer schläft man nachts nicht besonders gut – so viel hängt vom Wetter ab.“

Seit einigen Tagen knallt endlich die Sonne auf die dunklen Folien sowie das Gewächshaus und lässt den 27 Zentimeter langen Spargel sprießen. Den muss er auf 22 Zentimeter kürzen, so will es die Norm. Das Experiment ist somit auch im zweiten Jahr geglückt. „Man muss aus dem Lehrbuch auch mal ein paar Seiten rausreißen, um Erfolg zu haben“, so seine Devise. Ganz unrecht kann er, schaut man sich das Endprodukt an, nicht haben.

Spargel nun auch auf der Bahnhofstraße

Es gibt viele Gründe, das schöne Wetter herbeizusehnen. Einer liegt wohl in den sinkenden Preisen beim Kauf des leckeren Saisongemüses, dem Spargel. Den gibt es derweil zwischen 6,90 Euro und 12,90 Euro frisch gestochen auf Herner Boden an der Gerther Straße 80 zu kaufen. Und je mehr Sonne auf die Felder scheint, desto schneller sprießen die Köpfe aus dem Boden. „Je besser das Wetter, je mehr Spargel ist da und desto schneller purzeln die Pfunde“, so die einfache Regel. Rudi Brendieck verkauft das edle Stangengemüse in diesem Jahr nicht nur in Sodingen. Die Kunden hatten in der vergangenen Saison oftmals beklagt, der Verkaufswagen sei zu weit ab vom Schuss. „Ich wollte hier schon eine Bushaltestelle einrichten“, sagt er und lacht.

Doch beim Scherzen beließ er es nicht und machte sich auf den Weg in die City zur Bahnhofsstraße. „Als ich über unsere Kö ging, sah ich einen leer stehendes kleines Ladenlokal, wie gemacht für meinen Verkauf von Spargel und Erdbeeren.“

Zuvor war das kleine Geschäft an der Bahnhofsstraße ein alt eingesessener Obstladen. Was aus dem Vorbesitzer geworden sei, wisse wohl niemand, sagt Brendieck. Der Obstladen gehört zur Immobilie des benachbarten Restaurants Mont-Cenis.