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Defibrillatoren

Lebensrettende Geräte seit zehn Jahren im Einsatz

05.08.2011 | 18:11 Uhr
Lebensrettende Geräte seit zehn Jahren im Einsatz

Herne.Defibrillatoren können bei Herz-Kreislauf-Stillstand Leben retten. Vor zehn Jahren wurden in Herne die ersten Geräte öffentlich aufgestellt - dank des Engagements des Mediziners Hans-Joachim Trappe.

In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 100 000 Menschen unerwartet an einem Herz- Kreislauf-Stillstand. Wenn dieser eintritt, lässt sich das Herz des Betroffenen mit einem Defibrillator oft wieder in Gang setzen. Seit zehn Jahren nun gibt es diese Geräte auch in öffentlichen Einrichtungen in Herne. Zu verdanken ist das Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II des Marienhospitals. Nun zieht er Bilanz.

Vor gut zehn Jahren reiste Trappe die USA, entdeckte in Las Vegas, an den Wänden eines Kasinos, frei zugängliche, halbautomatische Defibrillatoren. Der Kardiologe war begeistert und wollte die Idee – von Herne ausgehend – auf Deutschland ausweiten. Als erste Einrichtung vor Ort wurde das Lago im Gysenberg mit sechs halbautomatischen Defibrillatoren ausgestattet. Die etwa 1000 Euro teuren Geräte wurden über private Sponsoren finanziert, etwa 20 bis 25 Bademeister in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr im Umgang mit den Geräten geschult.

Schon kurz nach der Installation, erinnert sich Trappe, wurden drei Menschen mit den „Defis“ wiederbelebt. Und auch das gehört zur Bilanz: „Zwei der Defibrillatoren wurden entwendet und ersetzt“, so der Mediziner. Seitdem sind die Geräte alarmgesichert und in Kästen untergebracht. Das schütze nicht nur vor Diebstahl, der schrille Pfeifton informiere zudem das Schwimmbadpersonal, das sofort einen Krankenwagen rufen könne. Umfragen unter den Badegästen hätten ergeben, dass sie sich durch die Geräte sicherer fühlen.

Trappe wollte, dass die Defibrillatoren an Orten angebracht werden, an denen viele Menschen unterwegs sind. So wurde etwa der gesamte Frankfurter Flughafen mit den Geräten versehen. Insgesamt 88 sind auf Terminal eins und zwei verteilt. Bei der Schulung wurden rund 2000 Menschen unterrichtet. Auch im Düsseldorfer Landtag wurden die Geräte auf Trappes Anraten installiert.

„Die Geräte in Privathaushalten oder an Häuserblocks anzubringen, macht wenig Sinn“, sagt Trappe. Meist seien die Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, allein. „Und wenn Angehörige in der Nähe sind, sind diese meist zu aufgeregt, um das Gerät bedienen zu können.“

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand wird durch Kammerflimmern hervorgerufen. „Das ist wie elektrisches Chaos im Herzen“, erklärt Trappe. Der Defibrillator, dessen zwei Klebeelektroden an der Brust des Betroffenen angebracht werden, gibt einen Stromschlag ab. „Das Chaos wird beseitigt, man drückt quasi die Reset-Taste“, so Trappe weiter.

Innerhalb von acht bis zehn Minuten führt der Stillstand zum Hirntod. „Gebe ich den Stromschlag nach einer Minute, liegt die Überlebenschance bei 98 Prozent“, weiß Trappe, „nach fünf Minuten nur noch bei 30 und nach acht bis neun Minuten nur noch bei sieben Prozent.“ Je zahlreicher und zugänglicher die Defibrillatoren, desto höher also die Überlebenschance.

„Ist es einmal zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand gekommen, so liegt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren bei 40 Prozent“, erklärt Trappe. Deshalb wird dem Patienten dann ein etwa handtellergroßer Defibrillator im Brustbereich unter die Haut gesetzt. Kommt es wieder zum Kammerflimmern, gibt ein Kabel, das vom „Defi“ ins Herz geleitet wird, einen Stromschlag ab. „Alle fünf bis sieben Jahre muss die Batterie ausgetauscht werden“, sagt Trappe. Bei diesem Eingriff wird der Patient nur örtlich betäubt.

Zur Beruhigung der Patienten spielt Trappe während der Operation oft Musik ab. Der 56-Jährige ist, neben seiner medizinischen Tätigkeit, Organist. Seine 17. CD ist bereits in Mache. Trappe nimmt kein Geld für seine Musik. Er spendet die Erlöse meistens der Deutschen Herzstiftung, hin und wieder auch anderen wohltätigen Organisationen.

Henrike Pinkal

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