Langsam etabliert in Wanne – ein Laden für die Hip-Hop-Jugend

Lauter coole Sachen: Devrim Celik (r.) im Gespräch mit seinem Stammkunden Oching Reagan (15).
Lauter coole Sachen: Devrim Celik (r.) im Gespräch mit seinem Stammkunden Oching Reagan (15).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Devrim Celik hat mit seinem Klamottenladen im Peckelsenhaus einen Anlaufpunkt für Wanner Jugendliche geschaffen. Er ist mehr als ein Verkäufer.

Der Junge ist 15, er legt Wert auf lässige Kleidung und kommt oft nach der Schule rein. „Das ist der chilligste Laden in Wanne“, findet Oching Reagan. Sonst fährt er nach Gelsenkirchen zu H&M, aber seit es das neue Geschäft gibt, hat er in Wanne-City endlich einen Anlaufpunkt. Manchmal kauft er was, manchmal sitzt er nur auf dem Sofa und schaut, wer sonst noch so kommt. „Die Klamotten sind cool“, sagt Oching. „Manchmal lernt man hier auch Mädels kennen.“

„Tube X“ heißt der Laden, er gehört Devrim Celik. Etwas versteckt in der Passage des Peckelsenhauses, gibt es passende Klamotten für die hippe Hip-Hop-Jugend – „Top Stylz für Top Preise“, steht auf dem Flyer. Inhaber Celik (40) ist sich sicher, dass die Wanner Jugendszene genug Kaufkraft besitzt: „Ich sehe sie immer am Buschi, wenn sie auf den Bus warten. Die meisten sind Schüler, die haben alle High-End-Klamotten an. Keiner trägt Schuhe unter 100 Euro.“ Für sie hat Celik einen neuen Treffpunkt geschaffen, er ist nicht nur Verkäufer, sondern für manche auch großer Bruder.

Seit er fünf ist, wohnt er in Wanne-Eickel. Er kennt viele Leute, das hat er für X-Tube genutzt. „In jeder Stadt gibt es eine Clique, zu der die anderen Jugendlichen hochschauen. Ich habe es geschafft, dass die hierher kommen.“ Deshalb hat sich der Laden seit der Eröffnung im November 2014 schnell etabliert. Wanne ist zwar ein schwieriges Pflaster, „die Unkosten kriege ich raus, aber den Mega-Gewinn mache ich noch nicht“. Andererseits: „Hier konnte ich es mir erlauben, das wirtschaftliche Risiko einzugehen. In Bochum mit 10 000 Euro Miete wäre das nicht gegangen.“

Jahrelang stand das Lokal in der Peckelsen-Passage leer. Der Staub lag fünf Zentimeter hoch. Celik hat aus dem abgerockten Raum ein freundliches Geschäft mit viel eigener Handschrift gemacht: Bis auf die Theke hat er alle Möbel selbst gebaut; Sofa und Tisch aus Euro-Paletten, die Regale aus Spanplatten und die Umkleiden aus Aluminium vom Flohmarkt. Der Existenzgründer ist ein Quereinsteiger. Gelernter Zahntechniker, „aber ich hatte keinen Bock auf den Job“. Er wollte schon immer sein eigener Herr sein, „ich habe auch einen Flavour fürs Kochen, wollte erst ein Restaurant aufmachen. Aber die Idee mit dem Klamottenladen war schon immer in meinem Kopf.“ Weil er selbst ein modischer Typ ist, berät er die jungen Kunden auch. Manchmal kommen Schüler und sagen: „Ich hab ne eins geschrieben, da gibt’s von den Eltern Geld – morgen hol ich mir ne Cappie. Welche steht mir denn?“

Celik weiß, dass es für viele Jugendliche eine wichtige Sache ist, einen eigenen Stil zu finden. „Mein Motto“, sagt er, „lautet: Wenn es dir gefällt, ist es gut.“