Kunst und Archäologie beleuchten in Herne den Aberglauben

Ines Braun mit ihren Taschen zur Hexenverfolgung.
Ines Braun mit ihren Taschen zur Hexenverfolgung.
Foto: Ralph Bodemer
Das LWL-Museum kombiniert ab 17. Mai in einer Sonderausstellung künstlerische Objekte und Installationen von Ines Braun und Iris Stephan mit eigenen Funden.

Herne..  Wenn Katzen von links nahen und Spiegel zerbrechen, droht Unheil, sagt man und spricht von „Aberglauben“. Welche Dimensionen die Beschäftigung mit dem Unerklärlichen darüber hinaus hat, danach fragt eine ungewöhnliche Ausstellung im LWL-Museum für Archäologie, die Kunst und Archäologie zusammenführt. Ines Braun und Iris Stephan haben sich von der Wissenschaft inspirieren lassen, die sich ihrerseits auf die augenzwinkernden Sicht der Künstlerinnen einließ. Kurator Stefan Lehnen: „Der Glaube zieht sich als Thema durch alle Kulturen und findet seinen Niederschlag in archäologischen Objekten.“ Und vom Glauben bis zum Aberglauben ist es nicht weit.

Was die Kölnerinnen zu Objekten verarbeiten, finden sie auf Flohmärkten, Dachböden oder auch mal auf einem Schrottplatz. Für ein Gebiss haben sie ebenso Verwendung wie für Nägel, Kunststoffdinosaurier oder Glasröhrchen. Zu kuriosen Objekten zusammengefügt, erhalten sie eine neue Bedeutung.

Die 200 Rehgeweihe, die das Ausstellungsplakat zieren, sind ein Beispiel dafür. „Wir haben die Trophäensammlung eines Fürsten geschenkt bekommen“, erklärt Iris Stephan. Damit zogen die beiden in die Natur und fotografierten sie als „Wilde Jagd“ - Anspielung an einen alten Volksglauben, dass zum Jahresende die Toten wiederkehren. Als Installation findet sich die „Wilde Jagd“ auch in der Halle wieder.

Meistens arbeiten sie filigraner. Die Halterungen der Rehgeweihe zum Beispiel wurden umgedreht und mit kleinen Objekten gefüllt. Es gibt skurrile Reliquienschränke und Kaninchenköpfe verwandeln Lampen in Dämonen. Ein Hundeschädel bekommt eine Nerzkappe und wird zum Zerberus. „Wir haben plötzlich Symbiosen erkannt“, macht Braun an diesem Beispiel deutlich. Die Archäologen hatten nämlich ein Objekt ausgewählt, das ganz zufällig dazu passte: einen Schädel mit Resten einer Totenkrone aus dem 17./18. Jahrhundert.

Wer die Ausstellung erkundet, sollte den wissenschaftlichen Blick einer assoziativen Betrachtungsweise unterordnen. Die 50 archäologischen Objekte sind gegenüber den 200 Kunstwerken ohnehin in der Unterzahl, öffnen aber die Augen für die Ursprünge von Aberglauben und Volksmythen. Archäologische Highlights: die römische Merkur-Figur, die von den Germanen mit Orakelstäbchen vergraben wurde, und eine mumifizierte Katze als „Bauopfer“. Für die Künstlerinnen ist mit Eröffnung am Sonntag nicht alles vorbei. Das Museum hat ihnen mitten in der Ausstellung eine Künstlerwerkstatt installiert, in der sie beim kreativen Tun zu beobachten sind.

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 17. Mai, 11 Uhr, Europaplatz 1.

Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei. Besucher entscheiden selbst am Ende des Rundgangs, was sie im „Wunschbrunnen“ hinterlassen wollen.

Während des Ausstellungszeitraums 17. Mai bis 1. November gibt es ein Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen.

Ein Katalog soll über die
Crowdfunding-Plattform Startnext finanziert werden. Bis zur Eröffnung müssen 3950 Euro zusammenkommen.

Infos unter www.aberglaube-ausstellung.lwl.org.