Kulturpolitik für Umbau des Wartesaals im Bahnhof Herne

Im alten Wartesaal des Herner Hauptbahnhofs: „Infusion #7“ im November 2014.
Im alten Wartesaal des Herner Hauptbahnhofs: „Infusion #7“ im November 2014.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Ausschuss befürwortete am Dienstag einstimmig den Umbau zu einem Ort für die junge Kunst.Allein die Toiletten-Frage ist ungelöst.

Herne..  Auf ungeteilte Zustimmung sind in der Kulturpolitik die Pläne der Stadt zum Umbau des Alten Wartesaals 3. Klasse im Herner Bahnhof gestoßen. „Eine tolle Location“ lobte etwa Barbara Merten (CDU) in der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses den leicht abgeblätterten Schick des Raums, von dem Tina Jelveh (Grüne) glaubt, er sei, „so morbide, dass er für das jüngere Publikum cool“ sei: „Jetzt kann die U35 auch mal andersherum genutzt werden“, hofft sie auf Zulauf aus Bochum, wo vergleichbare Orte wie die Rotunde („Katholikenbahnhof“) junges Publikum anziehen.

Wie berichtet, soll der Wartesaal im Rahmen des Stadtumbaus Herne-Mitte so hergerichtet werden, das er für Ausstellungen vor allem junger Kultur und begleitende Veranstaltungen zu nutzen ist. Bisher hatte nur Pottporus die Öffnung des Wartesaals der Bahn für eine Woche im Jahr erreichen können. Demnächst soll dort neben Graffiti und Street Art auch andere junge Kunst gezeigt werden, zum Beispiel von Teilnehmern der Europäischen Jugendkunstausstellung oder des „Herbert“-Wettbewerbs sowie von Mitgliedern des Herner Künstlerbundes. 220 000 Euro soll der Umbau kosten, 20 Prozent davon trägt die Stadt.

Dass das Geld vor allem in Lüftung, Heizung, Elektrik und ausstellungsgerechte Beleuchtung fließen soll, wollte allerdings Peter Liedtke (Grüne) nicht gefallen. Er schlug vor, auch in Kunst zu investieren, die draußen oder im Gebäude auf den Saal hinweisen könnte. Ein Traum, den Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff gleich platzen ließ: „Wenn wir den Wartesaal zusätzlich aufwerten, können an anderer Stelle Projekte nicht stattfinden.“ Das Gesamtvolumen für den Stadtumbau sei lange festgelegt.

Spielraum lässt das Budget auch nicht für den Einbau von Toiletten, was fraktionsübergreifend als misslich erkannt wurde. Als Leiter des Fachbereichs Kultur kündigte Peter Weber an, dass die Stadt bei Veranstaltungen einen Toilettenwagen oder Dixi-Toiletten im Hof aufzustellen bereit sei, was andere Veranstalter dann bei ihren Events ebenfalls tun müssten. Mehr sei finanziell nicht drin.

Mehr als einmal wurde in diesem Zusammenhang gefordert, die Stadt Herne müsse auf die Bahn einwirken, um in der Toiletten-Frage eine Lösung zu finden, sei es ein Neubau oder eine Wiederherstellung eventueller früherer Toilettenanlagen. Am deutlichsten sagte es Peter Worbs (SPD): Wenn ein Vertrag mit der Bahn über zehn Jahre geschlossen werde oder darüber hinaus, „weiß ich nicht, ob eine Notlösung tragfähig ist“. Auf keinen Fall aber dürfe ein Einbau von Toiletten zu Lasten der Stadt gehen, die jedes Jahr um eine Haushaltsgenehmigung kämpfe.

Das städtische Gebäudemanagement (GMH) hat vorgeschlagen, dass Besucher die öffentliche Toilette im Außengelände nutzen.