Kultimbiss „Speckmann´s“ in Herne feiert Geburtstag

Andrea Fichna, geborene Speckmann, hat püntlich zum Osterfest im 50. Jubiläumsjahr eine Überraschung parat.
Andrea Fichna, geborene Speckmann, hat püntlich zum Osterfest im 50. Jubiläumsjahr eine Überraschung parat.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Was vor 50 Jahren mit einem Imbisswagen und Pommes mit Soße begann, ist längst Kult geworden – weit über Hernes Grenzen hinaus. Nun feiert das Traditionsunternehmen „Speckmann´s“ an der Sodinger Straße ein Jubiläum

Herne..  Eine Pommesfrau, die stellt man sich irgendwie anders vor. Weniger Designer-Tasche, mehr Kittel – und schon gar nicht mit hohen Stilettos. Doch wenn Andrea Fichna, geborene Speckmann, in den Imbissladen stöckelt, dann kommt ordentlich Glanz in die Hütte. Das Herz, das hat die Frau mit dem herrlich losen Ruhrgebietsmundwerk am rechten Fleck. Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum der Imbissladen „Speckmann´s“ in diesem Jahr sein 50. Jubiläum feiern kann. Zum Geburtstag gibt es gleich noch ein riesiges Schokoladenei. „Das will ich gerne spenden, wer mag, kann sich bei mir melden“, so Andrea Fichna in ihrer großzügigen Art.

Pommes und Mayo gehört zusammen

Bestellt wird natürlich eine Pommes mit Mayo und Soße, „aber bitte mit Plastikgabel“, ruft Andrea Fichna ihrer Mitarbeiterin zu. „Das gehört doch zusammen, oder? Ja sicher. Und dann wird erst einmal zu Mittag gegessen. Dabei kommt sie ins Plaudern. „Angefangen hat ja alles mit dem Imbisswagen meiner Mama“, sagt Andrea Fichna und zückt ein altes Foto aus der Handtasche. „Mutti vor unserem ersten Imbisswagen. Da standen wir noch an der Wiescherstraße, neben dem Hirdes-Ostentor.“ Mutti, das ist Eleonore Speckmann, die vor fünf Jahrzehnten gemeinsam mit ihrem Ehemann Herbert das Unternehmen gründete. Es gab einen Pommes- und einen Fischwagen. „Currywurst, Schnitzel, Hamburger, das kam ja alles erst viel später.“

Zweifler gab es damals viele, die sagten: „Pommes? Da verdient man doch kein Geld mit.“ Sie sollten Unrecht haben. Die Kunden kamen in Scharen, zu einer Zeit, in der es Schnellimbissketten in Deutschland längst nicht gab. Und während viele dieser Fast-Food-Läden aktuell über Umsatzeinbußen klagen, kann sich die Hernerin täglich über regen Betrieb im Laden freuen. „Hier kommen alle hin“, sagt sie. Ein Geschäftsmann im Anzug fährt vor, nimmt Platz, neben ihm eine Rentnerin, die war gerade noch bei Lidl. Auch prominente Gesichter schauen mal vorbei. „Journalist Horst Kleuser hat uns sogar mal lobend in einem Beitrag erwähnt“, sagt sie. Ein Kleingartenverein aus Köln mit 68 Leuten gehört zur Stammkundschaft. Eine Familie, die mittlerweile in Schweden lebt, lässt einen Besuch bei „Speckmann´s“ bei keinem Heimurlaub aus. Gründe für den Erfolg kann Andrea Fichna viele nennen.

Das Geheimnis: Die würzige Currysoße

Einer davon ist ganz sicher die leckere würzige Currysoße, hergestellt nach einem Geheimrezept von Eleonore Speckmann – das rückt sie natürlich nicht raus. Früher, als die Zechen noch qualmten und die Geldbeutel schmal waren, da kamen die Kunden und bestellten eine Schale mit Soße. Dazu gab es eine Scheibe frischen Stuten. 20 Pfennige kostete das kulinarische Vergnügen am Imbissstand, der damals noch nicht so feudal daherkam wie heute. Im Jahr 1971 mussten die Speckmanns wegen des Straßenausbaus auf der Sodinger Straße umziehen – an den Ort, an dem sie bis heute geblieben sind. Ob sie auch noch in 50 Jahren dort sein werden?

Die beiden Töchter, längst erwachsen, haben Karriere gemacht und sind aus dem Ruhrgebiet fort. Fichna betont: „Mein Mann und ich – wir sind doch nur noch eine zwei Mann-Show.“ Ja, aber eine Show, die es sicher noch lange geben wird.