Künstler und Anwohner wollen die Emscherinsel beleben

Die Emscherinsel-Aktivisten: v.l. Reiner Kaufmann, Jürgen  Klute, Karl-Heinz Heyden,  Lutz Heinemann, Elisabeth Kuschkewitz mit den Ergebnissen der  Studenten, die 400 Anwohner an der Stadtgrenze Herne/Recklinghausen.
Die Emscherinsel-Aktivisten: v.l. Reiner Kaufmann, Jürgen Klute, Karl-Heinz Heyden, Lutz Heinemann, Elisabeth Kuschkewitz mit den Ergebnissen der Studenten, die 400 Anwohner an der Stadtgrenze Herne/Recklinghausen.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
  • Die Initiative um den Künstler Reiner Kaufmann nennt sich „Campus Emscherland“
  • An der Stadtgrenze Herne-Recklinghausen will sie Brachen in Zukunftsorte verwandeln
  • Die Emschergenossenschaft hat für das Klärwerk-Areal etwas Ähnliches vor

Herne..  Eine Gruppe von Künstlern, Anwohnern und anderen Interessierten bemüht sich um die Emscherinsel zwischen dem Stadthafen Recklinghausen und dem alten Herner Klärwerk. Kopf der Initiative ist der Recklinghäuser Künstler Reiner Kaufmann, der auf der Grenze zwischen Herne und Recklinghausen auch schon das Projekt „Mährenfurt“ realisiert hat. Auf Herner Seite engagieren sich unter anderem der ehemalige Europaparlamentarier Jürgen Klute (Die Linke) und zwei frühere Schulleiter der Grundschule Pantrings Hof, Elisabeth Kuschkewitz und Karl-Heinz Heyden, die schon in Kaufmanns „Mährenfurt“-Projekt an der Emscher eingebunden waren. Ihre gemeinsame Vision: „Wir wollen aus dem Gebiet einen ,Zukunftslernort’ machen.“

Keine Landesgartenschau

Für die Brache gab es schon einige Planungen: So sollte die Landesgartenschau „Emscherland 2020“ dort stattfinden, doch stattdessen bekam Kamp-Lintfort den Zuschlag, und auch die Pläne, dem Circus Schnick-Schnack am Klärwerk eine neue Heimat zu schaffen, scheiterten.

Ein Verein ist in Gründung, „Campus Emscherland“ nennt er sich. Mitstreiter finden sich im „Atelier Gelbes Haus“ von Reiner Kaufmann ebenso wie im Museum Strom und Leben, Anrainer seien genauso interessiert wie Wissenschaftler, Städteplaner und politisch Verantwortliche, heißt es. Die Aktivisten wollen „Brachen vermeiden“ und „Zwischenräume ausloten“, wie Kaufmann erklärt.

Wer heute durch das Gelände am Stadthafen stapft, muss sich teilweise durch wilde Brombeerranken kämpfen. Die Brache wuchert zu, hier und da verraten Pflanzenkisten, dass hier kürzlich „Crazy Gardening“ ausprobiert worden ist. Die Initiatoren sprechen von einem „Ideenpark“, in dem gemeinschaftliches Gärtnern möglich sein soll und mehr als das: „City Gardening“ und „City Farming“, das sei die Kombination von „schön und nützlich“, bei der die Verwertung der selbst gezüchteten Produkte mitgedacht werde. „Wenn man das ernsthaft betreibt, hat man mehr Produkte als man gebrauchen kann“, sagt Reiner Kaufmann, so dass „Food Sharing“ (das Teilen von Lebensmittel) und andere Modelle denkbar würden. „Wir haben an die 20 Projektideen zum Gestalten von Zwischenräumen“, sagt Kaufmann. Sein Kunstverständnis lehnt sich an das von Joseph Beuys an, der den Begriff der „sozialen Plastik“ geprägt hat, wonach durch kreatives Handeln Gesellschaft verändert werden kann. Kaufmann hofft, dass Fördergelder fließen. „Wir sind mit Politikern im Gespräch.“ „Wir wollen mitspielen bei der Umgestaltung des Territoriums“, ergänzt Linke-Politiker Jürgen Klute, und dieses „nicht Planungsausschüssen und Fachdezernaten überlassen.“

Außerschulischer Lernort

Mit ihrem „Zukunftslernort“ ist die Initiative nicht ganz weit weg von dem, was die Emschergenossenschaft als Eigentümerin des Klärwerkgeländes vor hat. Da das mit dem Circus Schnick-Schnack geplante Projekt nicht realisiert werden konnte, müsse umgeplant werden, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. Man sei gerade dabei, mit den Städten, der Bezirksregierung und dem Land ein neues förderfähiges Konzept zu entwickeln. Angedacht ist ein „außerschulischer Lernstandort“ zum Themenkomplex Wasser/Wasserwirtschaft/ Ökologie/ Umweltschutz. Das Konzept der „Seebrücke“ über das Klärwerk soll dabei eventuell in verkleinerter Version realisiert werden. „Dass Teile der Bevölkerung mitmachen wollen, finden wir sehr gut“, sagt Abawi. „Aber nicht jede Anregung aus der Bevölkerung kann 1:1 umgesetzt werden.“ Die Förderrichtlinien setzten da enge Grenzen.

Studierende des Zentrums für Urbane Epidemiologie an der Universität Duisburg-Essen haben in Kooperation mit dem „Atelier Gelbes Haus“, der Stadt Recklinghausen, der VHS Recklinghausen und anderen 400 Anwohner in Recklinghausen-Süd und Herne-Nord nach ihren Wegen und nach schönen wie weniger schönen Orten befragt.

Auf drei Karten wurden anschließend Lieblingsorte, Defizite und Ideen markiert.

Das Pilotprojekt zeigt nach Überzeugung seiner Initiatoren, wie gut Bürger bei der Mitgestaltung ihres Wohnumfeldes integriert werden können und wie sie sich aktiv an Planungsprozessen beteiligen lassen.