Künstler ist in Herner Siedlung Teutoburgia integriert

Klangkünstler Christof Schläger baut in der Maschinenhalle nicht nur seine Instrumente selber, sondern gibt dort auch Konzerte.
Klangkünstler Christof Schläger baut in der Maschinenhalle nicht nur seine Instrumente selber, sondern gibt dort auch Konzerte.
Foto: Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Das Interview am Samstag: Christof Schläger hat sich sein Atelier in der Maschinenhalle am Fördergerüst der ehemaligen Zeche Teutoburgia eingerichtet.

Herne..  Seit 1987 ist der Klangkünstler Christof Schläger (57) in der Maschinenhalle am Fördergerüst der ehemaligen Zeche Teutoburgia in einem Atelier und einer Metallwerkstatt künstlerisch aktiv. WAZ-Mitarbeiterin Tabea Beissert sprach mit ihm über seine Anbindung an die Siedlung Teutoburgia und seinen Kontakt zu den Bewohnern.

Wie wurden Sie aufgenommen, als Sie sich 1987 als Künstler am Rande der ehemaligen Zechensiedlung niederließen?

Die Bewohner waren mir auf jeden Fall eine Hilfe. Einer brachte mir beispielsweise Klappstühle und ein Ofenrohr für meine erste Ausstellung, damit es in der Maschinenhalle nicht ganz so kalt ist. Gleichzeitig waren die Bewohner aber auch glücklich, dass mit ihrer Zeche etwas passiert. Der Ort, an dem ihre Seele hing, das Herzstück, war schließlich völlig abgewrackt. Dafür haben sie sogar einen Künstler in Kauf genommen.

Künstler und Bergleute – prallten damals zwei Welten aufeinander?

Zu Beginn meines später abgebrochenen Ingenieurstudiums habe ich auch auf der Zeche Blumenthal in Recklinghausen unter Tage gearbeitet. Daher waren das für mich nicht zwei verschiedene Welten. Ich fühlte mich hier gut aufgenommen und integriert. Zum Teil sind sogar einige Freundschaften entstanden.

Wie sieht Ihr Kontakt zu den Bewohnern der Siedlung heute aus?

Als wir uns als Künstler damals hier niederließen, hatten wir zunächst Kontakt zu den Kindern, schließlich war dieses Gebiet ihr Spielplatz. In der Folge gab es einen Prozess der Annäherung und des Kennenlernens. Mit einigen Bewohnern bin ich heute freundschaftlich verbunden. In der Siedlung gibt es etwa eine Kochgruppe, mit der ich hier schon einmal ein Kunstessen veranstaltet habe. Die Kontakte zu den Menschen hängen von den Situationen ab, zum Teil sind sie intensiv. Bei der Gestaltung des Spielplatzes, der auf dem ehemaligen Rosengarten der Zeche angesiedelt ist, habe ich beispielsweise geholfen. Themen des Bergbaus sind dort aufgegriffen worden. So hat die Bürgerinitiative Seilscheiben besorgt, deren Aufarbeitung ich künstlerisch betreut habe. Sie sind in der Mitte geteilt, also nicht wiederverwendbar. Ein Zeichen dafür, dass der Bergbau Geschichte ist.

Wie gefällt Ihnen die unter Denkmalschutz stehende Zechensiedlung Teutoburgia?

Sie gehört eindeutig zu den schönsten Siedlungen des Reviers, wenn sie nicht sogar die schönste Siedlung ist. Sicherlich ist da etwas Lokalpatriotismus bei, aber der ist nicht weit hergeholt. Manche Bewohner, etwa die, die schon immer dort leben, wissen die Schönheit der Siedlung gar nicht zu schätzen. Wenn man ständig von etwas Besonderem umgeben ist, fällt einem diese Besonderheit gar nicht mehr so auf. Das Ruhrgebiet darf sich mit seiner Industriekultur ruhig nach außen zeigen, denn sie ist etwas ganz Besonderes.

Haben Sie es nie erwogen, selbst in die Siedlung Teutoburgia zu ziehen?

Ich hätte gerne in der Siedlung gelebt, habe jetzt nur eine kleine Dachgeschosswohnung in Pantringshof. Allerdings sind die Wohnungen in der Siedlung sehr gefragt, so dass es sich für mich nicht ergeben hat.