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Kritisch und schonungslos

03.07.2011 | 18:32 Uhr
Kritisch und schonungslos
Nachwuchsparlamentarier in der Akademie Mont-Cenis, wo am Samstag und Sonntag ein Landestreffen der Kinder- und Jugendgremien NRW stattfand. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool

Sylvia Löhrmann stellte sich den Fragen von Schülern beim Landestreffen der Kinder- und Jugendgremien NRW in der Akademie Mont-Cenis

Spitzname? „Hab’ keinen.“ Wohnort? „Essen.“ Hobbys? „Wandern, Schwimmen, Kultur.“ Name? „Sylvia Löhrmann“, sagt Sylvia Löhrmann. Beim Landestreffen der Kinder- und Jugendgremien NRW stellte sich die NRW-Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin gestern den Fragen der Nachwuchspolitiker – die Steckbrief-Runde zu Beginn war für die Politikerin der wohl angenehmste Teil der gut einstündigen Diskussion.

Sylvia Löhrmann kommt – natürlich – in Grün. Grünes Oberteil, grünes Jackett, so hält die Politikerin von Bündnis90 / Die Grünen Einzug im Bürgersaal der Akademie Mont-Cenis. Und das, ohne dass es der Großteil der jungen Gastgeber mitbekommen hätte. „Frau Löhrmann bitte in die erste Reihe“, schallt es plötzlich in aufforderndem Ton durch die Lautsprecher, die Ministerin folgt prompt. Klar, wer hier heute das Sagen hat.

„Workshop unter Palmen“ lautete das Motto des diesjährigen Treffens der NRW-Jugendparlamente, eigentlich hätte es „Workshops“ heißen müssen. Denn in gleich 13 Arbeitsangeboten versuchten sich die Teilnehmer in der Politik, erarbeiteten Themen wie Kinderrecht, Extremismus und Klimawandel und stellten ihre Ergebnisse abschließend am Sonntagmittag vor – den anderen Teilnehmern und der Ministerin.

Die durfte erst nur zuhören, dann aber auch selbst auf die Bühne. „Wir wollen kurze, knackige Antworten“, erklärt Moderatorin Kaja, nicht ohne Seitenhieb der 18-Jährigen gegen die 54-Jährige: „Wir hoffen, dass das auch Politiker hinkriegen.“ Zusammen mit ihrer 17-jährigen Kollegin Anika hatte sie an diesem Wochenende ein Moderationstraining absolviert, jetzt probieren sie das Gelernte gleich an einer Ministerin aus.

Es geht um Gemeinschaftsschulen, um hohe Lernanforderungen, um Fachkräftemangel. Löhrmann weiß Antwort, manchmal kurz und knackig. Manchmal auch nicht. „Wie ist das denn bei Lehrer-Quereinsteigern“, möchte Anika wissen, „bei denen ist es meist viel lustiger. Können sie sich das erklären?“ Löhrmann war selbst mal Lehrerin, erklären kann sie es sich nicht, versucht es dafür mit einem Lob: „Gute Frage, das hat mich noch keiner gefragt.“ Gute Fragen, davon kommen noch eine ganze Menge. Wenn man so will: aus der Praxis.

Kaum ein Zuhörer, der nicht mehr zur Schule geht, die, die hier sitzen, erleben Schulpolitik hautnah. Wie die Universitäten den Zustrom meistern wollen, will eine wissen („Da wird richtig Geld in die Hand genommen“), warum es schon wieder Fehler in den Abitur-Aufgaben gab, ein anderer („Nobody’s perfect“). Kritisch sind die Jugendlichen, Löhrmann verständnisvoll. Geschont wird sie trotzdem nicht. Das heißeste Thema: das Abitur in zwölf Jahren. „Sie haben gesagt, dass vorher getrödelt wurde“, zitiert Isabelle die Ministerin. „Ich habe gesagt: ,In Anführungsstrichen’“, erwidert die. Auch gut, die 15-Jährige klärt sie trotzdem über akuten Freizeitmangel und die Probleme der mit den Regierungen wechselnde Schulpolitik auf. „Ich glaube ja, dass sie sich wirklich engagieren“, schließt sie, „aber vielleicht nicht immer Hü und Hott. Verstehen sie, was ich meine?“ - „Ich verstehe ganz gut, was du meinst“, sagt Löhrmann und gelobt Verbesserungen, dann muss sie los, – passend: nach Düsseldorf. Die Fahrt wird sie vielleicht zum Nachdenken genutzt haben. Anregung gab es genug.

Klas Libuda

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