Krimi trifft Klangkunst in alter Herner Zechen-Halle
16.05.2010 | 14:52 Uhr 2010-05-16T14:52:00+0200
Herne.Die Teutoburgia-Siedlung ist Heimat zweier bekannter Kreativer: Jan Zweyer (56), der Autor, lebt hier. Und Christof Schläger (52), der Soundkünstler, hat die alte Maschinenhalle der Zeche zu seinem Atelier gemacht. Nun traten sie zusammen auf, Motto: „Krimi trifft Klangkunst“.
Frisch war’s am Samstagabend in der Halle. Einige der paar Dutzend Besucher zitterten, eine Frau verteilte Wolldecken. Zweyer saß in einem Sessel und las aus „Goldfasan“, dem zweiten Teil seiner geplanten Nazi-Trilogie. Nach jeder Passage lehnte er sich zurück – dann war Christof Schläger dran.
Neue Fasson
Dieser hockte am anderen Hallen-Ende vor einem Computer, per Mausklicks steuerte er die Installationen, die surreale Klänge erzeugten: Auszüge aus seinem „Maschinenkonzert Nr. 2“. So, das war der gewollte Effekt, entstand eine durchaus schaurige Atmosphäre, die beiden Kunstformen unterstützten einander.
Nicht das erste Mal, dass in Börnig Krimi auf Klangkunst traf. Schon 2008 hatten Zweyer und Schläger kreative Synergien geschaffen, die Konzert-Lesung sei damals „ein totaler Testballon“ gewesen, sagte der Klangkünstler. Mit einem Nebeneffekt: Schläger erreichte wohl den einen oder anderen Zuhörer, der zwar einen Draht hat zu bodenständiger Kriminal-Literatur, aber nicht so sehr zu abstrakten Klängen. Genau diese Klänge verliehen indes Zweyers Roman, der wie so mancher Krimi mitunter im Verdacht der Trivial-Unterhaltung steht, eine neue, intellektuelle Fasson. Was Zweyer und Schläger vortrugen, war bei aller Abstraktion auch ein Stück lokaler Historie: Zweyers Geschichten sind überwiegend in der Teutoburgia-Siedlung im Herner Nord-Osten angesiedelt. Und Schlägers raue, metallische Klänge spielen immer auch mit industriellen Impressionen.
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