Kriegserlebnisse erzählt von Zeitzeugen in Herne Schule

In der Realschule Crange berichten Zeitzeugen von den Geschehnissen während des 2. Weltkrieges. Die Schüler hören gebannt zu.
In der Realschule Crange berichten Zeitzeugen von den Geschehnissen während des 2. Weltkrieges. Die Schüler hören gebannt zu.
Foto: FUNKE Foto Services
Zum achten Mal fand das Zusammentreffen von Zeitzeugen des 2. Weltkriegs mit Cranger Realschülern statt. Emotionale Geschichten fesselten die Jugendlichen

Herne..  „Opa, erzähl mal, wie war das?“ Eine Frage, die viele Kinder einmal stellen. Genau nach diesem Prinzip soll jungen Menschen die deutsche Geschichte näher gebracht werden. So organisiert Hobby-Historiker Horst Spieckermann aus Holthausen seit 2008 an der Realschule Crange jedes Jahr ein ganz besonderes Zusammentreffen: Schüler des Abschlussjahrgangs kommen mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs zusammen. Das Besondere an dem Treffen? „Es gibt keinen Vortrag, sondern einen direkten Dialog“, so Horst Spieckermann. Die Schüler unterhalten sich in kleinen Gruppen an einem Tisch jeweils mit einem von zwölf Zeitzeugen.

Ursula Zdebel erzählt vom Krieg im Ruhrgebiet, von einer bombardierten Krankenstation. Tränen treten in ihre Augen, ihre Stimme bricht. Bei dem Anschlag starben Freunde der heute 84-Jährigen – und Kinder, die sie damals als Erzieherin betreut hatte. Gebannt hören die Schüler zu und trauen sich kaum, zu sprechen.

Schulleiter Reiner Jorczik lobt die Vermittlung „hautnaher Erfahrung“, die es zum Ziel habe, Betroffenheit zu erzeugen: „Wir wollen die Distanz der Schüler zur schrecklichen Vergangenheit aufheben.“ Im Unterricht wurden die Zehntklässler bereits über die Geschehnisse informiert, doch bringe das persönliche Zusammentreffen mit Betroffenen eine völlig neue Perspektive mit ein.

Hintergrundgedanke der Kriegskinder ist, dazu beizutragen, solche Geschehnisse in Zukunft zu verhindern. So berichtet auch Gerhard Uhle (83) von seinen Erfahrungen. „Das Wichtigste im Leben sind Gesundheit und Demokratie.“ Seine Botschaft: „Am allerwichtigsten ist es, wählen zu gehen. Das ist die Grundlage der Demokratie“, betont er. Eine Schülerin wirft ein: „Wer nicht wählt, wählt rechts?“ Uhle antwortet ihr: „Richtig, oder extrem weit links. Das Extreme ist nie gut.“

Die Schüler bekommen die Gelegenheit, mit verschiedenen Erlebnissen konfrontiert zu werden. Im 20-Minuten-Takt wechseln die Zeitzeugen die Tische. Michelle Schäpe ist sichtlich beeindruckt von den Erzählungen. „Es ist gut, dass es so eine Aktion gibt. Man muss das nutzen, damit die Leute auch in zehn Jahren noch wissen, was passiert ist“, meint die 16-Jährige.

Bis Ende Mai soll die Veranstaltung noch an drei weiteren Herner Schulen stattfinden. Erich Zdebel (85) freut sich darauf. „Auch ich lerne hier dazu. Ich bin überrascht, wie gut die jungen Leute drauf sind. Die Zukunft des Landes scheint mir in guten Händen zu sein.“

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