Krach unterm katholischen Kirchendach
02.12.2009 | 15:26 Uhr 2009-12-02T15:26:00+0100
Das Weihnachtsfest naht, doch Friede und Freude scheinen für die katholischen Kirchengemeinden in Wanne-Eickel zurzeit nur fromme Wünsche zu sein. Untereinander jedenfalls kommen sie im Augenblick auf keinen grünen Zweig.
Noch immer wogt zwischen den drei Pastoralverbünden Eickel/Holsterhausen, Wanne und Crange die Diskussion hin und her, welche Gemeinde denn nun ab 2017 Sitz der Großpfarrei werden soll.
Eigentlich sollten bis Ende September die Entscheidungen über die neuen Strukturen des Emschertaldekanats gefallen sein (die WAZ berichtete mehrfach). Während die Herner mit ihrem Diskussionsprozess relativ gut vorankamen und sehr schnell feststand, dass St. Bonifatius Sitz der neuen Großpfarrei werden sollte, zieht sich das Prozedere in Wanne-Eickel hin. Das Dekanatsteam favorisiert die alte Hauptgemeinde, St. Marien in Eickel; doch dagegen baute sich in den vergangenen Monaten teils massiver Widerstand auf, der parallel zur räumlichen Entfernung von der Eickeler Gemeinde wuchs: Je nördlicher, desto größer ist die Ablehnung der im Süden gelegenen Gemeinde St. Marien. Wobei es aber nicht nur um die räumliche Distanz geht: „Crange und Wanne können mit Eickel nichts anfangen und umgekehrt auch nicht”, fasst Stadtdechant Heribert Zerkowski zusammen, was er in letzter Zeit bei Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen erfahren hat, die er alle reihum anlässlich der bevorstehenden Firmungen mit dem Bischof besuchte.
Ressentiments
So vorsichtig der Dechant es auch formuliert - es muss schon heftig gewesen sein, was ihm da an Ressentiments entgegenschlug. Er gibt offen zu, dass ihm die gegenseitigen Vorbehalte „in dieser Weise auch nicht klar gewesen” seien, ist aber trotz allem froh, dass sie noch rechtzeitig zur Sprache kamen, um nun gemeinsam nach Lösungen suchen zu können. Das Castroper-Modell mit zwei Großpfarreien scheide dabei für Wanne-Eickel aus: „Crange und Wanne gemeinsam könnte man vielleicht noch vertreten, aber Eickel nur mit Holsterhausen wäre viel zu klein.” Einen Neuzuschnitt der Pfarrverbünde ließen die Vorgaben aus Paderborn aber auch nicht zu. Als einzige Alternative zu St. Marien käme als Sitz für die Großpfarrei nach Ansicht von Zerkowski nur St. Josef in Wanne-Süd in Frage.
Sie werden sich also in Crange, Wanne und Eickel auf das eine oder andere brüderlich und schwesterlich einigen müssen. Heribert Zerkowski hat deshalb für Donnerstag nächster Woche (10. Dezember) alle Kirchenvorstände und Pfarrgemeinde eingeladen - in der Wirtschaft würde man das wohl als Krisensitzung bezeichnen. Es sollen dann noch einmal alle Argumente auf den Tisch, alle Pros und Contras abgewogen werden. „Und dann”, sagt Zerkowski, „wird abgestimmt. Wir sind schließlich Demokraten.” Sollte das Ergebnis knapp ausgehen, wird es mit einer Empfehlung des Dekanatsteams an Paderborn zur Entscheidung weitergeleitet. Der Erzbischof hofft sicher auf erbaulichere Weihnachtspost aus Herne.
0mitdiskutieren