Konjunktur zeigt sich robust, doch Firmen sehen auch Risiken

Die Industrie und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet fragte ihre Mitgliedsunternehmen nach der Geschäftslage.
Die Industrie und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet fragte ihre Mitgliedsunternehmen nach der Geschäftslage.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Konjunktur im mittleren Ruhrgebiet erweist sich als robust: Gut 38 Prozent der Unternehmen bezeichnen in einer IHK-Umfrage ihre Lage als „gut“.

Herne/Bochum..  Die Konjunktur im mittleren Ruhrgebiet erweist sich als robust: Gut 38 Prozent der 250 Unternehmen, die sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Mittleres Ruhrgebiet beteiligt haben, bezeichnen ihre Geschäftslage als „gut“, etwas weniger als die Hälfte vergibt die Note „befriedigend“. Die Zahlen unterscheiden sich damit nur marginal vom Vorjahreswert.

Die Erwartungen an die geschäftliche Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten sind dagegen etwas gedämpfter als vor einem Jahr. 23 Prozent der Unternehmen (28,7 Prozent waren es Anfang 2014) erwarten bessere Geschäfte. 17 Prozent erwarten eine Abschwächung – vor einem Jahr waren es nur zwölf Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist der Konjunkturklimaindex, in dem sich sowohl Lage als auch Erwartung widerspiegeln, seit Herbst 2014 noch einmal leicht um 1,5 Punkte auf 114,9 Punkte gefallen. Vor einem Jahr lag der Wert bei 118 Punkten.

„Angesichts der Krisen in Teilen der Welt hätte man befürchten können, dass sich Lage und Stimmungsbild negativer darstellen würden – dass dies nicht der Fall ist, werte ich als positive Überraschung“, so Christoph Burghaus, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet. „Bislang hat die Wirtschaft der Region den negativen Einflüssen getrotzt. Aber: Die Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung in der nahen Zukunft sind auch in der Umfrage unübersehbar.“

Der Exportmotor läuft zwar zum Jahresbeginn 2015 noch stabil. Aber deutlich weniger Unternehmen als noch Anfang 2014 gehen von einem zunehmenden Auslandsgeschäft aus (Jahresbeginn 2015: 25,8 Prozent, Jahresbeginn 2014: 38,5 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen stellt sich auf einen gleichbleibenden Export ein.

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im IHK-Bezirk zeigt eine ganz leichte Zunahme. 26 Prozent der Unternehmen wollen mehr investieren als zuletzt, vor allem in die Ersatzbeschaffung (67,5 Prozent). Besondere konjunkturelle Impulse durch Investitionen sind demnach aber nicht zu erwarten.

Nach den Planungen der Unternehmen bleibt die Beschäftigungslage unter dem Strich stabil: 17 Prozent der Betriebe rechnen mit einer höheren Mitarbeiterzahl, 65,5 Prozent gehen von keinen fühlbaren Personalveränderungen aus, und 17,5 Prozent erwarten einen Rückgang. Differenziert nach Wirtschaftsbereichen ist es vor allem die Industrie, die immer noch mit einem Beschäftigungsabbau rechnet (23,5 Prozent). Jedes vierte Dienstleistungsunternehmen will dagegen mehr Personal einstellen.

Grundsätzlich sehen die Unternehmen durchaus Risiken für ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung. Insbesondere die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen geben jedem zweiten Betrieb weiter Anlass zur Sorge. Skeptischer als vor einem Jahr wird die Inlandsnachfrage beurteilt. 57,6 Prozent der Unternehmen sehen Unsicherheiten in der Binnenkonjunktur, vor allem im Handel (63 Prozent).

Grund zur Sorge bereiten auch das Dauerthema Arbeitskosten und zunehmend auch der Fachkräftemangel. Seit der Konjunkturerhebung Anfang 2014 ist die Zahl der Unternehmen, die das Thema Fachkräfte als Problem für sich erkannt haben, um sieben Prozentpunkte auf 32,4 Prozent gestiegen. Eine eher untergeordnete Rolle spielen derzeit die Energie- und Rohstoffpreise – nur noch gut 29 Prozent der Unternehmen, vor allem aber aus der Industrie, sehen darin ein Risiko.

Die Industrieunternehmen im mittleren Ruhrgebiet präsentieren sich zu Jahresbeginn 2015 zwar nach wie vor in solider Verfassung, aber durchaus mit leicht negativen Tendenzen. Die aktuelle Geschäftslage wird noch von 81 Prozent der Unternehmen als „gut“ bis „befriedigend“ beschrieben (Anfang 2014: 85 Prozent). Die Auslastung der Produktionskapazität ist aber aktuell etwas schwächer als noch vor einem Jahr, trotzdem erwartet das Gros der Industrieunternehmen in den nächsten Monaten eine gleichbleibende Geschäftslage. Allerdings befürchten immerhin 19 Prozent der Unternehmen, dass die nächsten Monate unter negativen Vorzeichen stehen könnten. Und fast 28 Prozent berichten von fallenden Auftragseingängen aus dem Ausland (Jahresbeginn 2014: 19 Prozent).

Die wirtschaftliche Situation im Handel zeigt sich weiterhin auf gutem Niveau. 38 Prozent der Händler sehen ihre Geschäftslage als gut an (24,5 Prozent vor einem Jahr). Überraschend angesichts dieser Zahl, dass mehr als 37 Prozent über verringerte Umsätze klagen (Anfang 2014 waren es nur knapp 16 Prozent der Händler). Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate sind gleichbleibend.

Derzeit konjunkturell „oben auf“: der Dienstleistungssektor, der sich über ein deutliches Umsatzplus freut. 41 Prozent der Dienstleister haben ihre Umsätze gesteigert (Jahresbeginn 2014 waren es 31 Prozent). Dementsprechend geben 47 Prozent der Dienstleister eine gute Geschäftslage an, weitere 45 Prozent sind zufrieden. Auch die Erwartungen sind positiv. Allerdings: Gerade die Dienstleistungsbranche sorgt sich um fehlende Fachkräfte (42,6 Prozent).