Kohleverladung der Schachtanlage Blumenthal in Herne erfolgreich gesprengt

Ein Gebäude verneigt sich: Die Sprengung der Kohleverladung der Schachtanlage Blumenthal in Herne
Ein Gebäude verneigt sich: Die Sprengung der Kohleverladung der Schachtanlage Blumenthal in Herne
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Erst knallt es, dann verbeugt sich ein Gebäude: Die Kohleverladung der Schachtanlage Blumenthal in Herne ist am Samstagmorgen erfolgreich gesprengt worden. 62 Kilogramm Sprengstoff waren nötig, um das 600 Tonnen schwere Gebäude zum Einsturz zu bringen. Zuschauer erlebten ein Spektakel.

Herne.. 9.45 Uhr: Rund 60 Schaulustige sind am Samstag gekommen, um den großen Knall zu erleben. Der ist für 10.15 Uhr angekündigt. Für die Besucher ist extra ein Zelt aufgebaut worden, in dem Brötchen und Getränke gereicht werden. Journalisten und Zuschauer haben ihre Kameras auf Stative gestellt und warten gemeinsam auf die Explosion, die ein Stück Bergbaugeschichte beenden wird.

„Wir haben 62 Kilo Sprengstoff in den Turm gepackt“, sagt Sprengmeister Andreas Polivka. Das Problem bei der anstehenden Sprengung ist die Nähe zum EON Kraftwerk, direkt nebenan. Das Gebäude muss so fallen, dass das Kraftwerk nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Nach den Vorbereitungen, die seit April liefen, startete am Freitag die heiße Phase. „Da haben wir den Sprengstoff in die Bohrungen am Gebäude gesteckt.“ Seitdem hat Polivka so gut wie keinen Schlaf gefunden. 62 Kilo Sprengstoff lässt man nicht aus den Augen. Natürlich hat er nicht alleine auf den verminten Koloss aufgepasst, ein Sicherheitsdienst war auch da.

9.52 Uhr: Die Zuschauer auf dem Gelände der Schachtanlage Blumenthal 11 sind auffallend gelassen. Die Kinder der Familien scheint das alles nicht zu interessieren. Sie finden die Steine und den Sand auf dem Gelände viel interessanter. Auch die Berufsfeuerwehrmänner sind auffallend entspannt. Sie lehnen sich an den Bauzaun und schicken mit ihren Handys SMS in die Welt hinaus.

Warten auf den Knall - Nervosität macht sich breit

9.58 Uhr: „Du darfst noch nicht auf den großen Bagger, in ein paar Minuten knallt es hier“, ermahnt eine Mutter ihren kleinen Sohn. Der hat mittlerweile keine Lust mehr zu warten und will lieber spielen. Er hat die fünf Bagger und den Kran gesehen, die auf dem Gelände stehen, bereit zum Aufräumen.

„Bis hier alles sauber ist, dauert es noch“, sagt Konstantin Montemor, Ingenieur bei der RAG, der das Gelände gehört. „2013 wollen wir hier mit den Arbeiten fertig sein.“ Auf dem Gelände sollen dann Firmen angesiedelt werden.

10.08 Uhr: „Gleich gibt’s La Boum“ witzelt ein Zuschauer und erntet Gelächter bei seinen Begleitern. Jetzt werden die Anwesenden doch ein wenig nervös. Die Frequenz der Telefonate steigt, es gibt anscheinend viele private Live-Reportagen an die angeschlossenen Frühstückstische, an denen die Verwandten zu Hause sitzen.

10.15 Uhr: Das Warnsignal von der Sprengleitung ertönt, ein lautes Hupen schallt über das Zechengelände. „Das war die erste Warnung“, sagt einer der Besucher mit professionellem Grinsen. Es scheint nicht die erste Sprengung zu sein, bei der er dabei ist. Das Signal ertönt noch einmal, dann kommt die Explosion, der Boden bebt einmal kurz, die Kohleverladung bricht nach vorn in sich zusammen.

Die Sprengladungen lassen den Turm in einem schwarz-rot-goldenen Blitz verschwinden, dann ist es vorbei. Einige Zuschauer applaudieren. „Das war's?“ fragt ein Teenager-Junge seine Mutter. „Ja, Schatz, das war's.“

10.25 Uhr: Die Sprengmeister sind zufrieden. „Alles ist so gekommen, wie es der Statiker berechnet hat“, sagt Andreas Polivka. „Die Stützen der Kohleverladung sind komplett rasiert“, sagt sein Chef Michael Stewering. „Das EON Kraftwerk wurde nicht beschädigt.“ 2013 soll dann auch der Förderturm fallen.