Kohle-Koloss in Herne wird gesprengt

Am Samstag wird die Kohleverladung der ehemaligen Schachtanlage Blumenthal gesprengt.
Am Samstag wird die Kohleverladung der ehemaligen Schachtanlage Blumenthal gesprengt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Bergbau vollzieht seinen Abschied am kommenden Wochenende deutlich hörbar. Am Samstag, 25. August, wird die alte Kohleverladung der ehemaligen Schachtanlage General Blumenthal 11 gesprengt - um exakt 10.15 Uhr. Anwohner dürfen in ihren Häusern bleiben, sollen aber die Rollläden schließen.

Herne.. Am kommenden Samstag wird es exakt gegen 10.15 Uhr am Morgen ziemlich heftig knallen im Bereich der Kastanienallee in Wanne-Süd. Der Grund: Der Bergbau vollzieht seinen Abschied deutlich hörbar. Im Zuge der Abbrucharbeiten der ehemaligen Schachtanlage General Blumenthal 11 wird die ehemalige Kohleverladung gesprengt.

Das Wichtigste vorweg: Die wenigen Anwohner, die im Bereich Kastanienalle, Landgrafenstraße und Bobenfeld innerhalb eines 300 Meter-Sicherheitsradius’ liegen, müssen ihre Häuser nicht verlassen, als maximale Sicherheitsmaßnahme dürfte es wohl reichen, die Rollläden herunterzulassen - die Betroffenen werden in diesen Tagen gesonderte Informationen in ihren Briefkästen finden.

Sprengung in unmittelbarer Nähe vom Kraftwerk

Was für Anlieger also aller Voraussicht nach problemlos ablaufen dürfte, stellt Konstantin Montemor, Projektleiter bei RAG Montan Immobilien, vor eine besondere Herausforderung. Denn die Kohleverladung - ein 56 Meter hoher und rund 6000 Tonnen schwerer Koloss - steht in unmittelbarer Nähe zum Eon-Kohlekraftwerk Shamrock. Wie unmittelbar: Das erste Bahngleis zur Kohleanlieferung ist keine zwei Meter entfernt, die Gebäude des Kraftwerks gerade mal 15 Meter.

„Wir haben einen Teil der Verladung konventionell mit Baggern zurückgebaut“, sagt Robert Proch, Geschäftsführer der RBI-Saar GmbH, die mit dem Abbruch beauftragt ist. Dies sei ab einem bestimmten Punkt zu gefährlich geworden. Konsequenz: Sprengung.

62 Kilogramm Sprengstoff

Die umfangreichen Vorbereitungen laufen bereits seit April: Unter anderem muss ein Sprengkonzept erstellt und der dazugehörige Antrag bei der Bezirksregierung in Arnsberg gestellt werden. Dazu gehört auch eine Untersuchung zu möglichen Erschütterungen auf dem Kraftwerksgelände.

Die Rahmendaten dieses Konzepts: 62 Kilogramm Sprengstoff sollen den Brocken flachlegen, die Sprenglöcher sind bereits gebohrt. Sie stecken in zwei der drei Säulenreihen, auf denen das Gebäude ruht. Sie sollen wegknicken, damit sich der Klotz in die richtige Richtung neigt. Zugleich wurde die dritte Säulenreihe verstärkt. So soll verhindert werden, dass der Bau nach hinten wegrutscht. Zusätzlich werden die Säulen mit einem Vlies eingewickelt, damit herumfliegende Gesteinsbrocken keinen Schaden bei Eon anrichten.

Förderturm fällt Anfang 2013

Um die Erschütterungen beim Aufprall zu reduzieren, wurden sogenannte Fallbetten aufgeschüttet. Die Wälle aus lockerem Gesteinsmaterial sorgen für einen weichen Fall. Um die mögliche Staubwolke, die aufsteigen wird, halbwegs einzudämmen, kommt jede Menge Wasser zum Einsatz, Montemor hofft allerdings, dass der vorhergesagte Regen tatsächlich kommt.

Schaulustige könnten am Samstag ins Leere schauen: Die Kohleverladung ist nur von einer Stichstraße an der Bielefelder Straße zu sehen, doch die soll nach jetzigen Planungen von der Polizei abgesperrt werden, ebenso wie die Kastanienallee an zwei Stellen. Doch es wird eine zweite Chance geben. Anfang kommenden Jahres soll auch der weithin sichtbare Förderturm - 76 Meter hoch, 36 000 Tonnen schwer - fallen.