König der Buddelschiffe fasziniert noch immer

In der weltweiten Buddelschiff-Szene ist der Herner Jonny Reinert auch elf Jahre nach seinem Tod immer noch der ungekrönte König. „Viele seiner Baugeheimnisse hat er jedoch mit ins Grab genommen,“ weiß Willy Jahn aus Brake an der Weser, der unlängst Hand an mehrere Werke des „King of Bottleship“ legen durfte und dabei ins Staunen geriet. Der 74-jährige aus Norddeutschland wurde nämlich beauftragt, zwei sogenannte Demijohn (Ballonflaschen), in denen der Herner einst Walfangszenen aufbaute, zu restaurieren.

„Keine alltägliche Arbeit und eine Ehre zugleich,“ verriet Jahn, ein ehemaliger Binnenschiffer, der sich seit 40 Jahren ebenfalls mit dem Buddelschiffsbau beschäftigt. In diesen Jahren schuf er rund 40 Schiffe in Flaschen, sein prominenter Kollege aus Herne brachte es nachweislich auf weit über 800 Exemplare.

Die waren so begehrt, dass sogar König Juan Carlos von Spanien oder Ex-Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff einst bei ihm Buddelschiffe in Auftrag gaben. Und in Neuharlingersiel an der deutschen Nordseeküste erinnert ein ganzes Museum an den legendären Herner, der 1945 zunächst seine Ausbildung als Bergmann auf der „Zeche Friedrich der Große“ begann, danach nach Hamburg zog, um sich in der dortigen Szene sehr intensiv mit der seltenen Kunst des Buddelschiffsbaus zu befassen. Es sollte sich aber auszahlen.

In den 60er-Jahren trafen sich dann zufällig der Bochumer Eisenwarenhändler Helmut Landmann und der Herner Ex-Bergmann in Bochum, sie hatten damals nur ein Gesprächsthema: den Buddelschiffsbau. Landmann wollte sich einen langgehegten Traum erfüllen, ein Museum für Schiffe in Flaschen. So fertigte der Herner damals im Auftrag des Bochumers innerhalb von fünf Jahren etwa 100 Modelle an. Die Ausstellung wurde später unter dem Motto „Vom Einbaum bis zum Atom-U-Boot - die Geschichte der Seefahrt in Flaschen“ - bekannt.

3000 Euro für ein Mini-Buddelschiff

In der Werkstatt des Herner Perfektionisten entstanden aber auch unter anderem so berühmte Werke wie „Der Untergang der Titanic“ oder die „HMS Victory“, das Flaggschiff Admiral Nelsons aus der Schlacht von Trafalgar. Buddelschiffe, für die heute Kenner astronomische Summe zahlen.

Ein Mini-Buddelschiff des Herners ist ab 3000 Euro erhältlich, für eine Bau-Zeichnung muss man gegenwärtig immerhin noch 1000 Euro hinblättern. So nebenbei hält der ehemalige „Piepenfritz-Kumpel“, der zum weltbekannten Miniwerftbesitzer wurde, noch einen Weltrekord. Denn er baute 1985 in einer 129 Liter-Flasche, die er extra anfertigen ließ, sogar das größte Buddelschiff der Welt. Dieses Werk „strandete“ danach in Cuxhaven.

Die Restaurierung der Buddelschiffe, die Jonny Reinert ab den 60er-Jahren bis 2004 in Herne – zunächst in Horsthausen, später in Herne-Mitte – vom Stapel ließ, stellte den norddeutschen Experten Willy Jahn, der auch dem Vorstand der „Deutschen Buddelschiffgilde“ angehört, vor fast unlösbare Aufgaben. „Ich habe nämlich festgestellt, dass es auch darauf ankommt, was einst in den Flaschen transportiert wurde. Selbst nach einer gründlichen Reinigung haften im Inneren noch Rückstände, die dann dem Modell manchmal arg zusetzen,“ stellt Willy Jahn fest. So auch bei den Reinert-Schiffen, die der 74-Jährige unlängst wieder instand setzte.

Obwohl Restaurator und Schiffsmodellbauer Jahn Herne recht gut kennt – „vor allem den Kanal“ – sind sich der Braker und Jonny Reinert, der König der Buddelschiffbauer, niemals begegnet. „Dabei habe ich noch so viele Fragen, denn Jonny hat im Buddelschiffbau neue Akzente gesetzt. Wie er unter anderem verschiedene Meeresoberflächen in die Flaschen brachte, ist mir immer noch ein Rätsel.“

Ein Rätsel, das wohl nie richtig gelöst werden wird.