Kneipenwirte bleiben skeptisch
30.07.2008 | 19:26 Uhr 2008-07-30T19:26:00+0200Befragte befürchten jetzt aus Gründen der Gleichbehandlung ein generelles Rauchverbot.Die unterschiedlichen Regelungen und Ausnahmen finden aber auch nicht den ungeteilten Beifall
Während in Berlin und Baden-Württemberg die Raucher in kleinen Eckkneipen schon wieder nikotinhaltig durchatmen dürfen, bleibt in NRW auch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das seit dem 1. Juli geltende Nichtraucherschutzgesetz wirksam. Es solle aber, so das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gestern in einer Mitteilung, "unverzüglich eine Zwischenlösung für Nordrhein-Westfalen bis zum Vorschlag einer Gesetzesanpassung geprüft" werden.
Bei Herner Wirten traf der Spruch aus Berlin nicht nur auf Begeisterung. "Mal abwarten, was da noch kommt", sagt Anja Morwinski vom Bickern-Treff. Sie gehe davon aus, dass auch in NRW das derzeitige Nichtraucherschutzgesetz gekippt werde. "Aber es kann ja sein, dass dann grundsätzlich verboten wird, in Gaststätten zu rauchen." Dann würden zwar alle gleichbehandelt, "aber dann kann ich trotzdem meinen Laden zumachen, weil die Raucher zu Hause bleiben." Diese Konsequenz habe sie schon zu spüren bekommen. "Ich habe hauptsächlich älteres Publikum, viele Bergleute, die seit 60 Jahren rauchen, die lassen sich das nicht mehr verbieten."
Ähnlich sieht das Gabi Suchalski, die die "Stern-Schänke" in Wanne-Mitte von Werner Flachert übernommen hat. Wenn die Renovierung abgeschlosssen ist, wird sie wahrscheinlich einen "Raucherclub" gründen.
Jens Willemsen ist enttäuscht, dass sich das Bundesverfassungsgericht nicht geäußert hat, ob separate Raucherräume zulässig sind und es auch künftig sein werden. Der Pächter vom "Nils" will nun trotzdem einen Raucherbereich einrichten, wohl wissend, dass er damit vielleicht Geld in den Sand setzt. Als Gaststätte mit über 75 qm, in der auch zubereitete Speisen serviert werden, erfüllt das "Nils" nicht die Kriterien, die das Bundesverfassungsgericht gestern für Eckkneipen festgelegt hat. Obwohl selbst Raucher, gibt Willemsen zu, dass die Luft im "Nils" eindeutig besser geworden ist und Gäste verstärkt zum Essen kommen. Dafür laufe der Thekenbereich nicht gut: "Für Leute, die Bier trinken, gehört hier die Zigarette dazu." Viele Eckkneipen hätten schon Raucherclubs gegründet oder erklärten sich ab einer bestimmten Uhrzeit zur "geschlossenen Gesellschaft". Die jetzige Situation mit ihren skurrilen Ausnahmeregelungen hält Willemsen für "untragbar". Einheitlichkeit, auch wenn's ein komplettes Rauchverbot wäre, würde er da schon begrüßen.
Klaus-Peter Kailuweit hat mit all dem im Augenblick kein Problem: Seine "Goethe-Stuben" haben einen separaten Raum für Nichtraucher, gequalmt wird im Schankraum. "Wenn das auch verboten wird, können wir zumachen. Todsicher." Hei
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