Kleinkunstreihe „Riverside“ feiert Premiere in Herne

Neu in der „Stadtgrenze“ ist die Kleinkunstreihe „Riverside“. Bei der Premiere am Samstag dabei waren u. a. Norbert Müller und Milton de Groad (r.).
Neu in der „Stadtgrenze“ ist die Kleinkunstreihe „Riverside“. Bei der Premiere am Samstag dabei waren u. a. Norbert Müller und Milton de Groad (r.).
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Vorhang auf für „Riverside“, die neue Kleinkunstreihe in Herne. Gäste waren Willi Thomczyk, Norbert Müller und Milton de Groad.

Herne..  Der Anfang ließ Böses erahnen. Willi Thomczyk sitzt im Hinterzimmer der Kneipe „Stadtgrenze“ an der Bahnhofstraße. Umringt von fünf Gitarren und elf Zuschauern klimpert er auf dem Keyboard. Die Überzahl der Gäste bleibt da, wo es ihrer Meinung nach am lustigsten ist, am Tresen. Im ersten Lied, das Thomczyk spielt, heißt es: „It is going down on me“.

Dann ändert sich alles ratz-fatz: Jürgen Wagner, auch bekannt als Gitarrist Milton de Groad, kommt im Udo-Jürgens-Stil auf die Bühne, in weißem Bademantel und Adiletten an den Füßen. Er richtet ein paar Worte an die schnell 20 Zuschauer. Er erzählt, dass es in Herne wieder mehr Kultur geben müsse, da auch die Kulturkneipe Sonne zugemacht habe. Thomczyk ermahnt ihn, sich kurz zu fassen: „Mach feddich, lass uns anfangen.“

De Groad (61) hat ein Einsehen und spielt mit dem Wanne-Eickeler Gitarristen Norbert Müller den ersten Rock-Song. Mittlerweile hat er den Bademantel gegen Jackett, Jeans und Lederstiefel getauscht. Der Bochumer ist in der Musikszene gut vernetzt. Peter Maffay, Aby Ofarim und Tony Sheridan zählen zu seinen Kontakten. Wenn die Kleinkunstreihe „Riverside“ ein Erfolg wird, will er vielleicht in größere Hallen in Herne wechseln. Die Stadt habe ihm Unterstützung signalisiert, sagt er.

Als nächstes steht Rory Gallaghers „What’s going on“ auf dem Programm. Leider fehlen zum richtigen Rock ‘n’ Roll-Erlebnis noch Bass und Schlagzeug. Aber die Gitarrenarbeit von Müller und de Groad stimmt. Völlig begeistert ein Mann mit Hut: Er sitzt konzentriert auf einer Bank und spielt Luftschlagzeug. Neben ihm seine Frau. Sie lächelt ihn milde und verständnisvoll an, während er sich durch die Luft und „What’s going on“ trommelt. Willi Thomczyk moniert, dass die meisten Gäste immer noch am Tresen stünden: „Vorne wird gesoffen und hinten wird Kunst gemacht.“ Dann erteilt er dem Publikum Unterricht im richtig Mitklatschen.

Die Stimmung steigt, das Publikum vergrößert sich und Thomczyk übernimmt die Regie. Jetzt spielt er mit Norbert Müller zusammen. Hier passt alles, Stimme, Gitarrenarbeit sowie Künstler und Publikumsinteraktion. „Tanzt, ihr Schweine!“ ruft er dem Publikum zu – und das tat, was Willi ihm sagte.