Kita-Streik – Notgruppen ab Mittwoch auch in Herne

OB Horst Schiereck stellte sich am Montag vor dem Herner Rathaus den Demonstranten.
OB Horst Schiereck stellte sich am Montag vor dem Herner Rathaus den Demonstranten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Alle 19 städtischen Kindertagesstätten in Herne sind dicht. Demonstranten fordern vor dem Rathaus eine bessere Eingruppierung. Notgruppen ab Mittwoch.

Herne.. Die Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst machen Ernst: Seit Montag sind unter anderem alle 19 städtischen Kitas dicht, betroffen sind 1530 Kinder und ihre Eltern. Und die trifft es besonders: Notgruppen gibt es erst ab Mittwoch – für 80 Kinder.

Gut 400 Verdi-Beschäftigte, die vor Ort für eine bessere Eingruppierung und somit ein Lohn-Plus von durchschnittlich zehn Prozent bis auf Weiteres ihre Arbeit niedergelegt haben, kamen Montagvormittag vor das Rathaus Herne, um zu demonstrieren. Auch Eltern waren dabei. Von Verdi mit Trillerpfeifen, Warnwesten und Fahnen ausgestattet, gingen sie erst mal hoch in die erste Etage, vor das Zimmer 211, dem Büro von OB Horst Schiereck. Denn der, so hatte Verdi-Gewerkschaftssekretär Norbert Arndt zuvor auf dem Rathausportal ins Mikrofon gerufen, solle als Verwaltungschef „Druck machen“ im kommunalen Arbeitgeberverband, „damit endlich ein diskussionsfähiges Angebot auf den Tisch kommt“.

Schiereck, vorgewarnt, ging mit den Demonstranten vors Rathaus und griff zum Mikrofon. Die Belastung der Erzieher, sprach er den Gewerkschaftern aus der Seele, habe stetig zugenommen, sei nicht mehr vergleichbar mit der in den vergangenen Jahrzehnten. Allein: Eine bessere Eingruppierung sei „nur ein Baustein“: „Das gesamte Erziehungs- und Finanzierungssystem ist völlig falsch.“ So müsse es eine Kita-Pflicht geben und nicht zuletzt eine akademische Ausbildung für Erzieher. Dann könne die Sozialstruktur der Stadt verändert werden – und die Erzieher könnten „anständig bezahlt werden“. Das alles, so Schiereck unter wohlwollendem Applaus, brauche aber Zeit.

Norbert Arndt, der Verdi-Mann, will Ergebnisse so schnell wie möglich. Es liege nicht an den Beschäftigten, dass „in den nächsten Tagen und vielleicht Wochen“ die Kitas dicht seien, gab er den schwarzen Peter an die Arbeitgeber weiter. Wohlwissend, dass viele Eltern derzeit große Probleme haben, eine Betreuung zu organisieren. So etwa Kathrin Kailuweit (31), die mit Sohn Mika (2) vors Rathaus kam. Die Krankenschwester musste Urlaub für die Betreuung ihres Kindes nehmen, hat aber Verständnis für den Ausstand: „Kinder sind unsere Zukunft, in sie wird zu wenig investiert.“ Die Erzieher, fügt sie an, „brauchen mehr Geld.“

Notdienste in zwei Kitas

Ab Mittwoch soll nun auch eine Notdienstvereinbarung greifen, teilte die Stadt gestern Nachmittag mit. In den beiden städtischen Kitas an der Königstraße 43 und der Mont-Cenis-Straße 218 seien jeweils 40 Plätze vorhanden. Das Notdienstangebot, so die Stadt, richte sich an berufstätige Elternpaare und alleinerziehende Berufstätige, bei denen jeweils keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bestünden.

Details zu den Notdienst-Plätzen gibt die Stadt unter HER 16-33 50 oder -33 75 (8-16 Uhr)