Kita-Streik in Herne: Notgruppen sind voll

Idylle in der Notgruppe: Erzieherin Ina Salewski spielt mit Amy (2) und Nino (2) an der Holzeisenbahn.
Idylle in der Notgruppe: Erzieherin Ina Salewski spielt mit Amy (2) und Nino (2) an der Holzeisenbahn.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Eltern sind zunehmend genervt, manche geraten sogar in Existenznöte, kritisiert der Elternbeirat. Notdienst in den beiden Einrichtungen läuft ohne Probleme

Herne..  Die Eltern sind zunehmend genervt vom unbefristeten Kita-Streik. „Das Eis wird dünn“, sagt Yücel Yilmaz, Vorsitzender des Elternbeirats, zur WAZ. In den Notgruppen gebe es nicht genügend Plätze, und manche Eltern gerieten deshalb sogar in Existenznöte. „Wir brauchen endlich eine Lösung“, sagt Yilmaz in Richtung Verdi und kommunale Arbeitgeber. Die gute Nachricht: In den Notgruppen läuft die Betreuung ohne Probleme.

Seit einer Woche gibt es für die knapp 1530 Kinder, die vom Streik in den 19 städtischen Kitas betroffenen sind, 80 Plätze in Notgruppen - an der Mont-Cenis- und der Königstraße. Am Mittwoch, kritisiert Yilmaz, hätten 20 Kinder abgewiesen werden müssen.

In der Notgruppe gelten andere Regeln als normal

Elf Erzieher kümmerten sich gestern an der Königstraße um 34 Kinder. „Ein großartiger Personalschlüssel“, sagte die stellvertretende Kita-Leiterin Sylvia Waldert beim Besuch der WAZ. Die Erzieherinnen, alle Gewerkschafter, haben sich freiwillig für den Dienst in der Dino- der und Micky-Maus-Gruppe gemeldet. Nach wenigen Tagen wechselt die Besetzung.

Erzieherin Silke Wirth kam mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit: „Ich habe mit vielen weinenden Kindern gerechnet.“ Doch die meisten hätten die ungewohnte Situation gut gemeistert. Allein die U3-Kinder hätten oft Probleme, sich zurechtzufinden, eine Mutter habe ihr Kind deshalb mit zur Arbeit genommen. Den Kindern ging es gut: Liah (2) durfte ihr geliebtes Prinzessinnenkleid tragen, die fremden Kinder trugen Namensschilder, der Mittagsschlaf fiel aus. „In der Notgruppe gelten andere Regeln“, erklärte Sylvia Waldert. Schließlich wolle man den Kindern weitere Stresssituationen ersparen. Und: „Wir wollen den Kleinen die Situation so angenehm wie möglich machen.“

Arbeitgeber gefordert

Die 50-jährige stellvertretende Kita-Leiterin bekomme auch Mitte der zweiten Streikwoche nur positive Rückmeldungen von betroffenen Eltern: „Wenn wir weiterstreiken, könnte das schon bald anders aussehen“, weiß sie. Und fügt an: „Wir wissen nicht, ob es dann die Notgruppen noch geben wird.“

Der Stadtelternrat fordert sogar den Ausbau der Notgruppen: „Da muss sich was tun“, betont Yilmaz, der Vorsitzende der Eltern-Vertretung in Herne. Er habe Verständnis für die Forderungen der Beschäftigten. Allein: „Der Streik wird auf dem Rücken der Eltern ausgetragen.“ Sie kämen ob fehlender Betreuungsmöglichkeiten immer stärker in Bedrängnis, hätten zum Teil „arge Probleme“ mit ihrem Job – „und sind deshalb mittlerweile richtig sauer“. Yilmaz sieht vor allem die kommunalen Arbeitgeber gefordert, damit der Streik ein Ende findet.

Verwaltung will mit Verdi über weitere Notgruppen sprechen

In der vergangenen Woche gab es noch genügend freie Plätze in den beiden Notgruppen (die WAZ berichtete), dieses Bild hat sich geändert. Derzeit gebe es einen zusätzlichen Bedarf von rund 20 Plätzen in den Notgruppen, sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken auf Anfrage der WAZ. Die Verwaltung wolle sich nun mit Verdi zusammensetzen, um über die Einrichtung weiterer Plätze zu verhandeln. Wann es eine Ergebnis geben könnte, sei noch nicht abzusehen.

Die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst, seit Montag vor einer Woche im Ausstand, treffen sich heute um 11 Uhr am Minizoo in Eickel, um über das weitere Vorgehen zu sprechen; auch die Politik hat sich angekündigt. Dann soll auch über das Ergebnis der bundesweiten Streikdelegiertenkonferenz in Fulda gesprochen werden, die am Mittwoch stattfand. Zwei Mitglieder von Verdi Bochum/Herne waren dabei.

Die Streikbereitschaft, sagte Verdi-Sekretär Norbert Arndt, sei ungebrochen. Die einheitliche Auffassung der Beschäftigten: „Es wird weitergestreikt, bis sich die Arbeitgeber dazu bequemen, ein vernünftiges Angebot vorzulegen.“ Zur Erinnerung: Verdi fordert eine bessere Eingruppierung mit einem Lohn-Plus von durchschnittlich zehn Prozent.