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Kita-Skandal

Kita-Skandal: Kirche schwieg lange

30.10.2012 | 20:21 Uhr
Kita-Skandal: Kirche schwieg lange
Foto: Ute Gabriel

Herne.   Erst eine Woche nach den schweren Vorwürfen, die Mitarbeiter im Kindergarten St. Elisabeth gegen eine Erzieherin erhoben hatten, suchten Teile des Kirchenvorstands das Gespräch mit der Belegschaft. Eltern, Polizei und Jugendamt wurden sogar erst sechs Wochen nach den Vorwürfen informiert.

Die Erzieherin (29) soll Mädchen und Jungen in der Pinguin-Gruppe misshandelt haben (die WAZ berichtete). Das sagte Heinz Otlips vom Dekanat Emschertal am Dienstagabend im Jugendhilfeausschuss.

Die katholische Kirche wolle die Angelegenheit keinesfalls „unter den Teppich kehren“, betonte Otlips. Im öffentlichen Teil nannte er deshalb erstmals eine Chronologie der Ereignisse. Demnach hätten zwei Mitarbeiter am 9. September Alarm geschlagen. In einem Brief an den Kirchenvorstand beschuldigten sie ihre Kollegin, Kinder zu misshandeln: So habe sie Kinder eingesperrt oder Erbrochenes essen lassen. Vier Tage nach dem Schreiben sei der Gemeindeverband in Dortmund informiert worden, weitere vier Tage später hätten zwei Mitglieder des Kirchenvorstands besagtes Gespräch mit der Belegschaft geführt. Die Beschuldigte sei während des gesamten Zeitraums krank geschrieben, Pfarrer Gröne, Chef des Kirchenvorstands, im Urlaub gewesen. Nach dessen Rückkehr habe dieser die Beschuldigte, dann wieder gesund, am 25. September freigestellt. Am 10. Oktober schließlich sei die Entscheidung gefallen, die Eltern einzubeziehen. Daraufhin habe die Kita-Leiterin für den 19. Oktober zum Elternabend eingeladen – ohne dabei das Thema anzukündigen. „Das war ein Fehler“, bekannte Otlips im Ausschuss. Als der Elternabend „aus dem Ruder gelaufen“ sei, wurde auch die Leiterin freigestellt – „um sie aus der Schusslinie zu nehmen“.

Politik verwundert

Dass die Kirche tage-, ja wochenlang wartete, bis sie Schritte einleitete, hatte laut Otlips drei Gründe: Die Beschuldigte sei krank gewesen, deshalb habe „kein Handlungsbedarf bestanden“, außerdem sei Dechant Gröne im Urlaub gewesen. Nicht zuletzt sei völlig unklar, ob die Vorwürfe überhaupt wahr seien oder „nur“ eine Intrige von Kollegen: „Beide Extreme sind möglich.“

Die Politik diskutierte hinter verschlossenen Türen über den Skandal Im Pratort. Nach Informationen der WAZ zeigten sich mehrere Mitglieder verwundert, dass die Kirche nicht umgehend Alarm schlug. Das kritisiert auch Ulrich Klonki, Vorsitzender des Ausschusses: „Nach so einem Verdacht muss man sofort handeln und die entsprechenden Stellen, etwa die pädagogische Fachberatung oder das Jugendamt, informieren, um sich Hilfe zu holen“, so der SPD-Politiker zur WAZ.

Michael Muscheid

Kommentare
31.10.2012
15:04
Kita-Skandal: Kirche schwieg lange
von wanne-eickel123 | #4

Gibt es eigentlich schon Beweise? Plötzlich sprechen alle Eltern aus der KITA von diesen Vorfällen. Waren die jetzt alle doch dabei??? Wochen /...
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2012-10-30 20:21
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