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Kulturhauptstadt 2010

Kirmissage macht 365 Tage Lust auf den Rummel

09.08.2009 | 17:36 Uhr

Crange. "Kirmissage" heißt das Motto, unter dem, angeleitet von der Herner Künstlerin Beate Matkey, als Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 und zum Kulturkanal eine 15 Quadratmeter große „Picknickdecke” entsteht.

Drei mal fünf Meter Leinwand – das ist schon ein imposantes Stück Stoff, das Mitglieder der VHS-Sommerakademie und des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) jetzt gemeinsam unter den Pinsel nehmen wollen. „Kirmissage” heißt das Motto, unter dem, angeleitet von der Herner Künstlerin Beate Matkey, als Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 und zum Kulturkanal eine 15 Quadratmeter große „Picknickdecke” entsteht. Sie dient als Vorlage für einen Picknickplatz, den die Emschergenossenschaft unweit der Künstlerzeche Unser Fritz am Rhein-Herne-Kanal anlegt.

Fünf solcher künstlerisch gestalteter Picknickplätze wird es insgesamt zwischen Bottrop und Castrop-Rauxel geben: Drei in Gelsenkirchen – diese „Picknickdecken” sind schon fertig – einen in Recklinghausen/Castrop-Rauxel und einen eben in Wanne-Eickel, für den die Arbeiten jetzt beginnen.

Motive für die „Kirmissage” gibt es zurzeit überreich nur wenige Meter den Kanal Richtung Recklinghausen hinunter, bei der 574. Cranger Kirmes. Am Montagabend wollen die VHS-Sommerakademiker deshalb mit Filzstift und Skizzenblock über den Rummel bummeln und ihre Eindrücke direkt vor Ort festhalten; am späten Dienstagnachmittag folgen die Jugendparlamentarier, die fotografieren werden – und zwar aus den fahrenden Karussells heraus.

„Wir haben uns freiwillig dazu gemeldet”, versichern Handan Cakir und Filiz Ak lachend. Und nicht nur sie: Zehn weitere Mitglieder vom KiJuPa wollen bei voller Fahrt von „Wilder Maus”, „Achterbahn” oder „Break Dance” Aufnahmen machen – ohne dass die Kameras den übrigen Besuchern um die Ohren pfeifen. „Das geht”, sagt Beate Matkey, deren Söhne als Tester schon bei einer anderen Kirmes herhalten und die „Über-Kopf-Perspektive” ausprobieren mussten. „Die Kameras werden mit stabilen Sport- und Klebebändern an Hand und Handgelenk befestigt. Die Digitalkameras sind heute so gut, dass trotzdem dabei noch vernünftige Fotos herauskommen.”

Was sich zunächst nur als Spaß für die jungen Leute anhört – und das soll es nebenbei ja auch sein – sind eigentlich nur die Vorarbeiten; vom Fotografieren und Skizzieren allein ist noch keine Leinwand gefüllt. Die Vorlagen werden daher auf Folien übertragen und per Tageslichtprojektor auf die Leinwand projiziert. Die Konturen geben dann den Rahmen für die Motive vor.

Dabei malt jedoch nicht der eine an diesem Zipfel der Leinwand, der nächste an einem anderen. „Aus den Skizzen und Fotografien entsteht ein Ganzes”, beschreibt Beate Matkey die Idee, die dahinter steckt. Doch bevor die bereits lindgrün grundierte Leinwand bemalt wird, hinterlassen die Sommerakademiker und die Jugendlichen darauf ihre Spuren – als Frottage, farbige Abdrücke von Gegenständen, die sie von der Kirmes mitbringen – sei es nun ein Lebkuchenherz oder eine Windmühle. Das Element der „Abdrücke” findet sich auf jeder der fünf Picknickdecken und ist immer auf das Thema abgestimmt: bei der „Ballsportdecke”, die im Bereich der Schalke Arena an der Sutumer Brücke ihren Platz findet, zum Beispiel durch hin- und hergeschossene Fußbälle oder aufgetippte Tennisbälle. Für Radfahrer und Spaziergänger, die sich demnächst an den Picknickdecken niederlassen, sind diese „Abdrücke” ein Wiedererkennungszeichen, das deutlich macht: Wir gehören, so unterschiedlich wird auch sind, zusammen.

Ab dem 9. September beginnt die konkrete Arbeit an der „Kirmissage”, bis spätestens Ende Oktober soll sie fertig sein. Danach ist die Technik gefragt: Die Decke wird segmentweise gescannt, auf Folie gedruckt und 1:1 auf eine massive, stabile Resopalplatte übertragen, die, eingelassen in einen Betonsockel, an ihrem Platz am Rhein-Herne-Kanal aufgebaut wird.

Weil eine auch noch so attraktiv gestaltete Tischplatte noch keinen einladenden Picknickplatz macht, sind danach die Landschaftsgestalter an der Reihe. „Alle Plätze bekommen schicke Schattenspender”, sagt Beate Matkey: „aus einem Fuß ,wachsen' drei Stahlstangen, an denen stabile Sonnensegel aufgezogen werden.” Der Zugang zum Platz und die Sitzgelegenheiten werden wiederum auf das Thema der Picknickdecken abgestimmt: so bei der „Ballsportdecke” ein „Fußballtor” und „Trainerbänke.”

Bei aller Kunst hat Matkey von Anfang an Wert darauf gelegt, robuste Materialien zu verwenden, um die Gefahr von Beschädigungen so gering wie möglich zu halten. Die „Picknickdecken” bekommen deshalb auch eine Anti-Graffiti-Schicht. Und: Die Originaldecken bleiben im Besitz der Emschergenossenschaft, damit im größten Notfall einzelne Elemente reproduziert und erneuert werden können. Denn die Emschergenossenschaft hat sich verpflichtet, 25 Jahre lang für die Pflege und den Erhalt der Picknickplätze zu sorgen – ein Projekt, das das oft gequälte Prädikat „nachhaltig” wirklich mal verdient.

Gabriele Heimeier

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Kommentare
10.08.2009
15:44
Kirmissage macht 365 Tage Lust auf den Rummel
von fanny | #1

Als mein Vater klein war bekam er Kirmesgeld für die Cranger Kirmes. Dann bekamen meine Schwester Sabine und ich auch kirmesgeld Jetzt schenke ich meinem Patenkind Kirmesgeld und so wird das wohl auch weitergehen. Für uns hat Crange Tradition und einen Stammplatz in unserem Kalender .
Also Leute, geht hin und amüsiert euch!

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