„Kinderladen“-Geld veruntreut: Bewährungsstrafe für Vater

Was wir bereits wissen
Weil er rund 58 000 Euro vom Konto der Herner Kita abzweigte, wurde jetzt ein 46jähriger Herner zu sechs Monaten Haft zur Bewährung verurteilt.

Herne..  Schon einmal, im August 2009, hatte der Vorstand des „Kinderladens“ in Raum 110 des Herner Amtsgerichts eine Verhandlung verfolgt, bei der ein ehemaliges Mitglied auf der Anklagebank saß. Gestern war es zum zweiten Mal soweit: Ein 46-jähriger Familienvater, dessen Kinder die von einer Elterninitiative geführte Kindertageseinrichtung besucht hatten, war wegen „Untreue“ angeklagt.

Rund 58 000 Euro hatte er als Verwalter der Finanzen ab Februar 2011 zweieinhalb Jahre lang vom Konto der Kita abgezweigt und dieses durch Manipulationen an den Kontoauszügen verschleiert. Zwar war rechtlich seine Frau „Finanzvorstand“, gegen sie war aber im Vorfeld das Verfahren eingestellt worden.

Was die Fakten anging, war in der Hauptverhandlung wenig zu klären. 31 Abbuchungen in Höhe von mehreren hundert bis über 5000 Euro hatte die Staatsanwaltschaft aufgelistet, zwei konnten letztlich nicht nachgewiesen werden. „Es fing damit an, dass ich eine Rechnung bezahlen musste“, erklärte der dreifache Vater vor Gericht. „Dann bin ich da reingeschlittert. Wie es soweit kommen konnte, frage ich mich heute noch.“

Der Bürokaufmann hatte alles zugegeben, nachdem 2013 die Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren, und mit einem Darlehen den veruntreuten Betrag zurückgezahlt. Das rechneten ihm die Staatsanwältin wie auch die Richterin positiv an.

Eine klare Absage erhielt die Verteidigerin des Herners für ihren Vorschlag, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Auch wenn der nicht vorbestrafte Angeklagte sich nach der Tat vorbildlich benommen habe, sei doch „eine kleine soziale Einrichtung ins Schlingern geraten“, sagte die Richterin. Angesichts des hohen Schadens und des langen Zeitraums verhängte sie eine Freiheitsstrafe: sechs Monate, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Staatsanwältin hatte neun Monate gefordert.

Der Verurteilte muss zusätzlich 1000 Euro an den „Kinderladen“ zahlen, bei dessen Vertretern er sich im „letzten Wort“ noch einmal entschuldigte.