Kinder und Vorlesepaten knüpfen in Herne Bücherbande

In der städtischen Kita „Rappelkiste“ in Sodingen liest Sybille Czybulka schon seit zwei Jahren ehrenamtlich Kindern vor, wie den Fünfen aus der Entengruppe.
In der städtischen Kita „Rappelkiste“ in Sodingen liest Sybille Czybulka schon seit zwei Jahren ehrenamtlich Kindern vor, wie den Fünfen aus der Entengruppe.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Kindern früh Freude am Lesen zu vermitteln, hat sich die Hernerin Andrea Sudkamp zum Ziel gesetzt. Sie macht sich für Vorlesepaten in Kitas stark.

Herne..  Es kommt nicht alle Tage vor, dass dank der Initiative einer Bürgerin ein Projekt auf den Weg gebracht wird, von dem hunderte Herner Kinder und sämtliche Kindertageseinrichtungen profitieren können. Unterstützt vom Herner Ehrenamtsbüro setzt sich Andrea Sudkamp dafür ein, dass künftig in allen Kitas, die mitmachen wollen, einmal pro Woche ehrenamtliche Vorlesepaten vor Ort sind. „Bücherbande“ nennt sie das Projekt, mit dem Kinder ohne Druck an das Lesen und an Bücher herangeführt werden sollen.

Echte Kerle und Räuber

Andrea Sudkamp weiß als Mutter einer inzwischen achtjährigen Tochter und als Vorlesepatin bei der Stadtbibliothek Herne, dass Kinder auch schon vor der Grundschulzeit für Bücher zu begeistern sind. Eine Begeisterung, die ihrer Ansicht nach gar nicht früh genug gefördert kann: „Bücher zu lesen macht nicht nur Spaß, sondern schadet bekanntlich auch der Bildungskarriere nicht“, sagt sie. Es gebe zwar schon vereinzelt in den Kindertagesstätten Vorlesepaten, aber ein Gesamtkonzept und ein Netzwerk dahinter fehle, so Beate Tschöke vom Ehrenamtsbüro. Das könnte sich durch die „Bücherbande“ entwickeln.

Die städtische Kindertagesstätte „Rappelkiste“ an der Mont-Cenis-Straße in Sodingen gehört zu denen, die schon Unterstützung durch eine ehrenamtliche Vorlesepatin bekommen. Seit zwei Jahren liest dort Sybille Czybulka alle 14 Tage freitags im Lesezimmer der Kita mit kleinen Gruppen von drei bis fünf Kindern, jeweils für 15 bis 20 Minuten. Mehr würde die Konzentration der Kinder überfordern, hat sie gelernt. „Meistens lese ich etwas, dann reden wir darüber, dann lese ich weiter“, erzählt sie. Die Lieblingsbücher in der „Rappelkiste“: „Echte Kerle und Die Räuber“, weiß Eva Grampp, Fachkraft für Sprache und Integration. Ebenso wie Erzieherin Dagmar Reppekus liest sie den Kindern in den Wochen vor, in denen Sybille Czybulka „frei“ hat. „Wir möchten mit den Kindern demnächst auch in die Stadtbibliothek gehen und mit ihnen dort Bücher ausleihen“, schildert Eva Grampp Pläne für die Zukunft. Denn obwohl die Kita auf eigene Bücher zurückgreifen kann - „irgendwann sind die durch“, lacht Dagmar Reppekus.

Mit Infotreffen, Schulung, Erfahrungsaustausch und Tipps für die Buchauswahl sollen die künftigen Vorlesepaten in den Kindertagesstätten unterstützt werden. Als Voraussetzungen seien eigentlich nur Spaß an Büchern und am Umgang mit Kindern erforderlich, so Andrea Sudkamp und Beate Tschöke. Außerdem sollten die Vorlesepaten eine Stunde Zeit pro Woche zu einem festen Termin zur Verfügung stellen können - wann, das lasse sich mit den Kitas abstimmen.

Sowohl Kindertagesstätten, die Vorlesepaten suchen, als auch Interessierte, die in den Kitas vorlesen möchten, können sich an das Herner Ehrenamtsbüro wenden: HER 16 3548.


Um weite Wege zu vermeiden, sollen die Vorlesepaten möglichst in der für sie am nächsten gelegenen Kindertagesstätte eingesetzt werden.

Weil sie Kontakt mit Kindern haben werden, ist für die Vorlesepaten als formale Voraussetzung ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis erforderlich.


Unter dem Titel „Abenteuer Vorlesen“ findet am Dienstag, 24. Februar, 11 bis 17 Uhr, für die Lesepaten ein kostenloser Workshop mit der Lesepädagogin Heike Wulf im Herner Rathaus statt.