Kinder erkunden das Mittelalter
04.08.2010 | 18:30 Uhr 2010-08-04T18:30:00+0200
Herne.Was das Mittelalter mit Fenchel, sprühenden Funken und Lady Gaga zu tun hat? Das fanden jetzt zehn Kinder beim Ferienprogramm im Archäologie-Museum heraus.
Dass es im Mittelalter noch keine Apfelschorle in Plastikflaschen gegeben hat, weiß Philip (10) natürlich längst. „Aber es gab Äpfel und es gab Wasser. Ich improvisiere“, sagt er und nimmt einen Schluck aus der Flasche. Zusammen mit neun anderen Kindern ist Philip zwei Tage lang abgetaucht ins Mittelalter. Er hat ein Mönchsgewand an und trägt eine Mütze dazu, „damit die Öhrchen schön warm bleiben“. Er hat eine Trommel gebaut, einen Helm gebastelt, die Mittelalter-Ausstellung besucht und mit Pfeil und Bogen geschossen. Und er trägt einen neuen mittelalterlichen Namen: Friedrich. Warum gerade Friedrich? „Nationalelf?!“, fragt er nur keck zurück und rennt los. Denn der letzte Höhepunkt des insgesamt zehnstündigen Programms mit dem Titel „Heute hau’n wir auf die Pauke“ steht an: Das Feiern eines mittelalterlichen Festes.
Bepackt mit Bechern, Holzlöffeln und einer Kiste Grünzeug stapfen die kleinen Burgfräuleins, Ritter und Knechte hinauf zur „Motte“, der Holzburg auf dem Museumsgelände. „Links, zwei, drei, vier. Links, zwei, drei, vier“, brüllen zehn Kinderkehlen, zehn kleine Hände schlagen den Takt auf Trommeln dazu und ein Paar Turnschuhe quietscht.
An der Festtafel im ersten Geschoss der Holzburg nehmen sie Platz, vor Kopf sitzt König Arn alias Linus (8). „Alle Mann die Tassen nehmen. Zum Wohle für England“, ruft Friedrich über das große Gemurmel hinweg. Die Museumspädagogin Melanie Hartmann alias Margareta macht sich an die Zubereitung des Festmahls. Rohkost steht auf dem Speiseplan und Brei mit Apfelmus, aus Kohlblättern gelöffelt. „Was mögt ihr denn für Obst und Gemüse?", fragt Margareta. „Salami!“, ruft Lanzelot alias Dennis (9). „Salami ist doch kein Gemüse“, wird ihm erklärt, aber er bleibt stur: „Doch, Salami ist halb Gemüse, halb schlecht!“ Die Tafelrunde lacht. Dann riecht sie an frisch aufgeschnittenem Fenchel. „Riecht nach Lakritze“, sagt einer. „Nach Husten“, sagt ein anderer.
Aus Haferkleie und Milch entsteht ein mittelalterliches Müsli. Zucker wäre gut, aber den gab’s ja damals nicht. „Was ist denn noch süß?“, will Margareta wissen. Großes Grübeln. „Zuckerrübensirup“, lautet ein Vorschlag, „Honig“, ein anderer, „Lady Gaga“, der beste. Am Ende süßt Apfelmus den Brei, der allen bestens mundet und der das Gewand des Burgfräuleins Sophia alias Paula (9) nachhaltig prägen soll: „Manchmal bin ich echt ‘ne Kleckertante“, räumt sie ein und grinst.
Kurz bevor zum Nachtisch noch kleine Funken mittels Feuersteinen produziert werden, tauschen Ronja (10) und Laura (11) noch schnell ihre Telefonnummern aus. Sie sind Freundinnen geworden – so wie das schon im Mittelalter ging, nur ohne Kuli natürlich.
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