Kiebitze müssen umziehen
01.02.2012 | 18:22 Uhr 2012-02-01T18:22:00+0100
In einer Skatregion wie dem Ruhrgebiet sind Kiebitze eigentlich nur in der Natur gern gesehen. Aber eben dort erblickt man den taubengroßen Vogel mit der charakteristischen Haube immer seltener. Umso glücklicher waren Herner und Wanne-Eickeler Naturfreunde, als sich Kiebitze auf dem Gelände der stillgelegten Schachtanlage Unser Fritz I/IV ansiedelten. Jetzt müssen sie umziehen, ihr Zuhause wird bekanntlich ein Logistikpark – Schloß Grimberg.
Im Rahmen des Verfahrens zur Aufstellung des Bebauungsplans 217 musste eine Artenschutzrechtliche Betrachtung erstellt werden. Und die dokumentiert, dass auf der Brache Unser Fritz IV neben Turmfalken, Wiesenpiepern und Flussregenpfeifern eben auch Kiebitze leben. „Im Grunde“ so sinniert die Vorsitzende des Landschaftsbeirats Hiltrud Buddemeier, „hat die Ruhrkohle AG als Eigentümer unfreiwillig die Kiebitz eingeladen.“ Aus Sorge, auf der Zechenbrache könnten im Laufe der Jahre Bäume wachsen und ein Wald entstehen, der womöglich eines Tages soviel Natur darstellen könnte, dass bei einer späteren Vermarktung Naturschützer ein Veto einlegten, habe die RAG die Fläche ab 1992 regelmäßig gemäht. Ziel war es, den Bewuchs klein zu halten, so Buddemeier. So entstand rund um den Malakowturm eine offene Landschaft – wie geschaffen für Kiebitze. Vier Paare haben sich angesiedelt, brüten dort und kehren stets nach dem Überwintern zurück.
Nach Bekanntwerden der Bebauungsabsicht habe man zwei Jahre lang mit der RAG wegen der Bereitstellung einer Ausgleichsfläche verhandelt, so Buddemeier. „Schließlich hat die RAG über die Stiftung Bäuerliches Kulturerbe ein etwa 3,6 Hektar großes, landwirtschaftliches Gelände an der Pöppinghauser Straße in Castrop-Rauxel gefunden, das die Anforderungen erfüllt“, so die Herner Umweltschützerin.
Landwirt entschädigt
Die Ruhrkohle hat sich verpflichtet, den Landwirt acht Jahre lang dafür zu entschädigen, dass er seine Fläche in der Brutzeit der Kiebitze, also bis Juni, nicht mäht. Buddemeier: „So ist die Sache dann eigentlich gut gelaufen. Die RAG hat sich sogar länger zu Zahlungen an den Landwirt verpflichtet als vorgeschrieben.“ Bei aller Zufriedenheit – aufpassen, dass der Bauer sich an seine Auflagen hält – will sie auf jeden Fall. Jetzt müssen nur noch die Kiebitze ihre neue Heimat entdecken . . .
21:44
#1 Was hast das mit dem Bericht zu tun?
Warum soll jetzt plötzlich jeder entschädigt werden der in der Nähe dieser Brache wohnt.
Ist doch toll das dieses Gelände bald anders genutzt wird.
Vielleicht sollte man die DB nun auch verklagen weil sie dort eine Bahnstrecke verlegt hat.
Die neue Straßenführung wird wohl kaum lauter sein als die Züge die alle paar Minuten dort vorbei knallen!!!
10:34
vorbeiführt.
Oder sind die Anwohner entmündigt oder entschädigt worden und gehören die Wohnhäuser dort jetzt der Stadt?
Und auch die Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel ist eher dürftig. Die Bogestra fährt den Bereich doch überhaupt nicht an.
Das Streckennetz und die Frequenz von Linienbussen der HCR dort zu erweitern wäre sehr grenzwertig - wer trägt die Kosten? Als Beteiligungsgesellschaft der Stadtwerke Herne könnte man sich wohl denken, wer.
Wer mit der S-Bahn oder Regionalbahn dort hin müsste, um seinen Arbeitsplatz zu finden, der dürfte Spass daran finden, dass die nächste Station einer Neben-Nebenstrecken der Bahn nur über eine mehrere kilometerlangen Fussmarsch durch nicht gerade hell erleuchtete Umgebung notwendig macht - und der liegt ohnehin auf Gelsenkirchener Stadtgebiet.
Das Gebiet wurde doch vorher schon über ein Jahrzehnt mehr oder weniger erfolglos von einem sonst doch eher erfolgreicheren, bundesweit tätigen Projekt- und Gewerbepark-Entwickler (z.B. in der Region in Gelsenkirchen und Bochum) vermarktet.
Da will einfach keiner hin!
Aber wieder geht ein Stück Natur verloren am Kanal. Ruhr.Stadt? Hahaha. Kultur? Ne, schon klar.