KHaus sucht mit neuem Projekt mehr Kontakt zu Nachbarn

Im KHaus: Stefanie Rogg (ecce), Stefanie Thomczyk (Go Between), Zekai Fenerci (Pottporus) und Evelyn Stober (WFG, v.l.).
Im KHaus: Stefanie Rogg (ecce), Stefanie Thomczyk (Go Between), Zekai Fenerci (Pottporus) und Evelyn Stober (WFG, v.l.).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
„Kultur trifft Quartier“ heißt es im KHaus ab Juli zum zweiten Mal: Das Projekt „Raum-Ort-Mensch“ bringt Kreative und die Nachbarschaft zusammen.

Herne..  Ein frischer Wind soll in den nächsten Monaten durch das KHaus wehen. Das frühere Karstadt-Haus in der Wanner Innenstadt wird von Mitte bis Ende des Jahres zum zweiten Mal Schauplatz künstlerischer Aktionen. Das Land NRW hat jetzt das Projekt „Raum - Ort - Mensch“ genehmigt und will es mit 76 000 Euro unterstützen, so dass die Initiatoren um Zekai Fenerci (Pottporus) ab sofort in die konkrete Planung einsteigen können. Schon zur Eröffnung im Dezember 2013 hatte an der Hauptstraße ein erstes Kulturprogramm „Kultur trifft Quartier“ Besucher ins Haus gezogen. Danach war es still geworden um das KHaus, das der Immobiliengesellschaft AFi in Berlin gehört.

Rückendeckung durch die Stadt

Wohl alle Beteiligten verknüpfen mit „Raum - Ort - Mensch“ die Hoffnung, dass aus dem geplanten Kreativquartier in Wanne doch noch etwas wird. Man sei weiter im Gespräch mit AFi, versichert Evelyn Stober von der Herner Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG): „Wir warten auf den Mietvertragsentwurf.“ Da für die Hauseigentümerin Brandschutzmaßnahmen in erheblicher Höhe anfielen, sei die Immobiliengesellschaft daran interessiert, sich mit einem „Gesamtmietvertrag“ abzusichern. Generalmieter könnte etwa die WFG sein, die dann an Kreativunternehmen untervermietet. Nach einer Anlaufzeit könnte sie dann ein Trägerverein des KHauses als Mieter ablösen.

Als „bemerkenswert“ und „beispielhaft“ bezeichnete Stefanie Rogg von ecce (european centre of creative economy) die Rückendeckung durch die Stadt Herne. Sie betreut die Entwicklung des KHauses und ähnlicher Projekte im Ruhrgebiet. In dieser Form einzigartig sei die „Kombination von urbaner Kunst und Kreativwirtschaft“, wie sie in Herne angestrebt werde.

„So ein Projekt ist ohne Unterstützung nicht durchsetzbar“, würdigte auch Zekai Fenerci das Engagement von Stadt und WFG. Das KHaus brauche vielleicht etwas länger, habe aber das Zeug dazu, ein Vorzeigeprojekt zu werden. Als Leiter des städtischen Kulturbüros sieht Klaus-Dieter Gülck in dem Projekt die Chance, der Eigentümerin noch einmal zu zeigen, in welche Richtung das KHaus gehen will. Er sei „immer noch optimistisch“, dass das Haus eine Zukunft habe.

Mit den neuen Kulturaktionen will sich das KHaus noch stärker öffnen. In Restaurants, Läden und Höfen soll etwas passieren, gemeinsam mit der Nachbarschaft. Eine Hofgalerie soll entstehen und die Jugend ist eingeladen, im KHaus Wort, Tanz, Bild und Klang kennenzulernen. Zekai Fenerci: „Wir wollen die Leute darauf aufmerksam machen, dass es nach vorne geht. So dunkel ist Wanne-Eickel nicht!“

Abseits von temporären Aktionen soll das KHaus perspektivisch zum Kreativquartier werden: Junge Kulturschaffende und Unternehmen der Kreativwirtschaft sollen hier preiswerten Raum und ein anregendes Ambiente finden.

Erster Mieter im KHaus war der Herner Musikproduzent Sebastian Maier. Er zog im letzten Jahr mit Z-Muzic in das Gebäude in der Wanner City ein, das im Erdgeschoss an ein Schuhgeschäft vermietet ist. Inzwischen hat auch Tim Thomczyk, ein junger bildender Künstler aus Herne, ein Atelier bezogen.

Weitere Interessenten haben sich ob der unklaren Verhältnisse zwischenzeitlich zurückgezogen, andere kamen hinzu. So besichtigte gerade in der letzten Woche Alexander Reisenberg die Räume. Er stellt Kunsthandwerk wie Kerzenständer und Tische her und sucht eine Werkstatt. Das Konzept findet er „interessant und inspirierend“.

Ebenfalls angetan sind Tobias Bartzsch und seine Kollegen, die für ihr Tonstudio „First Line Audio“ größere Räume suchen. Momentan ist die Firma im Pottporus-Haus an der Dorstener Straße ansässig. Um die 160 Quadratmeter würde das Tonstudio im KHaus anmieten.

Das Kulturprogramm beginnt im Juli und dauert bis Ende 2015. Das KHaus bespielt Orte wie z.B. Geschäfte oder Läden im Quartier, lädt sich aber auch für Workshops das Quartier ins Haus und organisiert fünf Dialogrunden.

Ein Büro im KHaus ist in der Projektzeit ständig besetzt.

Gesamtvolumen: 87 000 Euro für Miete und Programm. Die Stadt Herne und die Kulturinitiative Herne fördern das Projekt mit je 4000 Euro.