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Kein Geld mehr für Tiere

09.12.2009 | 12:32 Uhr
Kein Geld mehr für Tiere

Herne. Wenn die Mitarbeiter des Tierheims Herne/Wanne einen Hund oder eine Katze aufnehmen, hören sie vom Besitzer immer häufiger die Begründung: zu teuer.

„Die Krise ist auch bei uns angekommen”, sagt Brigitte Seele-Roßbach vom Tierheim Herne / Wanne. Viele können sich ihr Haustier einfach nicht mehr leisten – und geben es an der Hofstraße ab. Das Tierheim stößt an seine Grenzen.

Fast ein Drittel mehr als gewöhnlich, schätzt Seele-Roßbach, werde derzeit abgegeben. „Das Heim ist voll. Wir haben noch zwei oder drei Plätze für Hunde frei, bei den Katzen geht gar nichts mehr.” Rund 30 Hunde, an die 80 Katzen, dazu 60 Kleintiere und einige Vögel sind derzeit im oder am Heim sowie in einer ausgelagerten Pflegestation bei Ehrenamtlichen untergebracht. Und es kommen mehr Tiere hinzu, als vermittelt werden können.

Info
Nicht zum Nulltarif

Wer sein Haustier im Herner Tierheim abgibt, muss normalerweise eine Spende / Kostenbeteiligung an den Verein leisten (für eine Katze rund 40 Euro, für einen Hund 50 bis 60 Euro). Der individuelle Betrag richtet sich nach dem Zustand des Tieres und der finanziellen Situation des Besitzers. Wer ein Heimtier zu sich nehmen möchte, muss eine einmalige Schutzgebühr entrichten (für einen Hund zwischen 200 und 250, für eine Katze 120 und ein Kaninchen 40 Euro). Informationen und Kontakt zum Tierschutzverein:  WAN 6 24 13,www.tierheim-herne-wanne.de.

Arbeitslosigkeit, die schlechter bezahlte Stelle, der Umzug in eine kleinere Wohnung, Hartz IV – so lauten meist die Erklärungen jener, die ihr Haustier ins Heim bringen. „Die Tierhalter sind schlicht überfordert, oft fehlt vor allem das Geld für den Tierarzt”, erklärt Brigitte Seele-Roßbach, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Herne–Wanne, dem Träger der Einrichtung an der Hofstraße. Häufig würden gleich mehrere Tiere abgegeben, oft ältere Vierbeiner in schlechtem gesundheitlichen Zustand. Erst kürzlich hätte ein Hartz IV-Empfänger zwei alte, sehr kranke Schäferhunde abgegeben, dazu vier Katzen voller Flöhe; drei Sittiche sollen noch folgen.

Nicht das Futter ist das Problem, sondern Sauberkeit und Pflege

„Wir fragen uns oft, warum sich manche so viele Tiere anschaffen”, sagt Seele–Roßbach. Nicht die Futtersituation in den Tier-Haushalten sei problematisch, sondern das zeitintensive und mitunter kostspielige Drumherum: Sauberkeit und Pflege werden vernachlässigt, der Tierarzt gespart. „Die Leute machen sich keine Gedanken. Das beginnt schon bei der Anschaffung”, erklärt die Herner Tierschützerin ein häufiges Szenario: Die Tiere werden unüberlegt über Internet oder Zeitung angeschafft, die Kosten für Kastration und Impfungen gescheut, irgendwann sind die Tiere trächtig oder krank, die Halter mit der (Kosten-)Situation überfordert. „Vor allem bei Katzen erleben wir eine echte Katastrophe. Die Tiere sind oft von Pilzen, Flöhen und Milben befallen.”

Die Kosten für den Veterinär bleiben dann am Heim hängen: um rund 25 Prozent seien die zuletzt gestiegen, die finanzielle Lage insgesamt „sehr schlecht”. Der Verein, der sich aus (konstant etwa 620) Mitgliedsbeiträgen und (weniger werdenden) Spenden finanziert, lebt von der Hand in den Mund. Die Situation sei zwar noch nicht existenzbedrohend, aber im kommenden Frühjahr könne es „eng werden”, so Seele-Roßbach. Mit Aktionen, wie der derzeit laufenden Weihnachtstombola, versucht der Verein mit seinen rund 30 Ehrenamtlichen gegenzusteuern.

Die Mittelschicht sucht jetzt auch häufiger im Tierheim

Ein „Weihnachtsgeschäft” gibt es im Tierheim nicht, obwohl die Ferienzeit generell Hochsaison für Abgaben ist. Dass Tiere als unüberlegtes Weihnachtsgeschenk aus dem Heim geholt werden, wollen die Tierschützer bewusst vermeiden und stellen eine Woche vor dem Fest die Vermittlung ein. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, ein Heimtier bei sich aufzunehmen, der wird von den Mitarbeitern im Vorfeld auf Herz und Nieren geprüft.

Neben all den negativen Trends, beobachtet Brigitte Seele-Roßbach aber auch einen positiven: „Wir erreichen inzwischen ein ganz anderes Klientel. Die Mittelschicht geht nicht mehr unbedingt zum Züchter, sondern kommt ins Tierheim um sich ein Tier auszusuchen. Das finde ich toll.”

Susanne Meimberg

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Kommentare
14.07.2010
18:28
Kein Geld mehr für Tiere
von robert adlung | #15

wie kann ich einen knadenhof helfen ich habe leider kein geld und nur meine kraft reicht leider nicht

11.12.2009
08:20
Kein Geld mehr für Tiere
von Der Realist | #14

Komisch, dass sich hier keine Politiker melden, um eine Unterstützung des Tierheims zu fordern. Hallo, Politiker, wo seid Ihr?

10.12.2009
20:23
Kein Geld mehr für Tiere
von Kassandro | #13

Hotte Schuhschreck nervt!

10.12.2009
18:31
Kein Geld mehr für Tiere
von Eva | #12

an KGrübel:
danke, Sie sprechen mir aus dem Herzen!!!

10.12.2009
17:15
Kein Geld mehr für Tiere
von Coko | #11

@KGrübel,
genauso!!!!
was sollen wir tun, damit es so kommt?

10.12.2009
15:32
Kein Geld mehr für Tiere
von KGrübel | #10

mein vorschlag die hundesteuer sofort und ganz den tierheimen zu kommen lassen die haben es verdient
und nicht die stadt die nichts dafür tut und nur kassiert.jeder halter ist für sein tier verantwortlich in allem futter,tierarzt unsw. wofür zahle ich hundesteuer?

10.12.2009
12:55
Kein Geld mehr für Tiere
von Coko | #9

mein gott ist das auf dem bild ein süsses tier!
ich habe zwei hunde aus diesem tierheim seit jahren (hundesteuer wird pünktlich bezahlt, falls einer suchen möchte;-).
einer von beiden die ich habe, wurde abgegeben, weil er überzüchtet und sehr krank war. er war damals 9 monate alt, nun wird er 10 und ist für sein alter noch top fit!
der andere hatte angst vor allem und ist seit 3 jahren bei uns.
JEDERZEIT wieder würde ich mir einen hund aus dem tierheim holen, meine beiden hündinnen die ich vor diesen hunden hatte, waren auch aus dem tierheim und sind auch steinalt geworden ( 14 und 15) jahre!
ich hoffe sehr, dass dieser kleine kerl auf dem bild bald ein liebevolles zuhause findet, indem man ihn wert schätzt!

10.12.2009
11:09
Kein Geld mehr für Tiere
von michi | #8

Was tut eigentlich der Deutsche Tierschutzbund um diese Situation zu verbessern?

10.12.2009
08:46
Kein Geld mehr für Tiere
von armerTierfreund | #7

Meine Hündin (6 Jahre 27 kg) braucht 2 Sack Hundefutter a 2,99 € im Monat.Macht so ca. 70 € im Jahr.Gar nicht so teuer sollte meinen,wären da nicht über 100€ Hundesteuer die die Stadt kassiert.Wofür eigentlich ?Wenn ich mir den Hund nicht mehr leisten kann werde ich ihn im Rathaus an irgendeine Tür binden.

10.12.2009
08:04
Kein Geld mehr für Tiere
von Antonietta | #6

Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der Ware Tier durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange Sicht zu verringern.
www.tierheimlinks.de

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