Kaufland-Start in Wanne bringt Licht, aber auch Schatten

Vor 100 Tagen eröffnete Kaufland in Wanne. Die Impulse für die Nachbarschaft machen sich nur langsam bemerkbar.
Vor 100 Tagen eröffnete Kaufland in Wanne. Die Impulse für die Nachbarschaft machen sich nur langsam bemerkbar.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Vor rund 100 Tagen eröffnete Kaufland sein Haus in Wanne. Das Unternehmen ist zufrieden mit der Startphase. Die Impulse für die Innenstadt sind rar.

Flitterwochen – damit sind im Wirtschaftsleben die ersten 100 Tage nach dem Start gemeint. Dieser Zeitraum ist nun bei Kaufland abgelaufen. Die WAZ zieht ein erstes Fazit, welche Wirkungen die Neuansiedlung am Glückaufplatz in Wanne hat.

Das Unternehmen selbst zeigt sich mit der Resonanz seit der Eröffnung am 20. November vergangenen Jahres zufrieden. „Unser neues Haus in Herne wird von den Kunden sehr gut angenommen und hat sich bereits in kurzer Zeit als Einkaufsstätte etabliert. Die zufriedenstellende Entwicklung an diesem Standort entspricht unseren Erwartungen und bestätigt uns darin, dass wir mit der Wahl des Standorts in Wanne die richtige Entscheidung getroffen haben“, teilte Kaufland-Sprecherin Christine Axtmann auf Anfrage der WAZ-Redaktion mit.

Auch Frank Leschowski zeigt sich „sehr zufrieden“. Leschowski, der in Unser Fritz eine Lottoannahme mit Postagentur betreibt, eröffnete eine Filiale im Kaufland-Gebäude. Die Neugier sei spürbar gewesen, Leschowski ist sich sicher, dass sich Kaufland – ebenso wie sein Geschäft – in Zukunft etablieren wird.

„Nicht der Heilsbringer“

Doch bringt Kaufland auch Bewegung in den Handel auf der Hauptstraße? „Wir hoffen, Impulse für das Mittelzentrum geben zu können“, hatte Prokurist Jürgen Zeidler bei der Eröffnungsfeier gesagt. Ein Gang über die Hauptstraße Richtung Buschmannshof lässt den Eindruck entstehen, dass diese Impulse eine gewisse Zeit brauchen, um zu wirken. Nach wie vor fallen Leerstände ins Auge. Die ehemaligen Räume der Volksbank warten ebenso auf ein neues Geschäft wie fast das gesamte Erdgeschoss im Peckelsen-Haus. Hinzu kommt, dass die Bäckerei Gatenbröcker einen Rückzieher gemacht hat. Das Unternehmen wollte in einem Ladenlokal unmittelbar gegenüber von Kaufland eine Bäckerei mit Café eröffnen. Wegen der guten Entwicklung am Glückaufplatz und des Baus von Kaufland, hieß es vor Jahresfrist. Doch man habe sich dafür entschieden, „an dem Ort, wo wir sind, Flagge zu zeigen“, so Friedrich Gatenbröcker im Gespräch mit der WAZ. Deshalb habe man das Ladenlokal neben der Filiale an der Hauptstraße 230 angemietet und werde ein neues Café-Konzept realisieren. Gatenbröcker: „Es ist wichtig. dass der Kern der Hauptstraße erhalten bleibt.“

Jens Rohlfing, Sprecher der Werbegemeinschaft Wanne-Mitte, bekräftigt seine Skepsis, die er Anfang des Jahres im WAZ-Interview geäußert hatte: Kaufland sei nicht der erhoffte Heilsbringer. Es handele sich um ein Einkaufszentrum mit Eigenleben. Die Impulse beschränkten sich auf das direkte Umfeld.

Es gibt in der Tat welche. So berichtet Ilona Kolditz von spürbar mehr Kunden im Bürocenter Lucke, darunter seien viele neue Gesichter. Außerdem wird im ehemaligen Fischrestaurant „Braun’s Neptunstuben“ gearbeitet.

Vielleicht sind es erste Indizien für eine positive Quartiersentwicklung.