Karen Köhler las in der Alten Druckerei in Herne

Karen Köhler. Sie bekommt im März den Rauriser Literaturpreis. Am Montagabend las sie in der Alten Druckerei in Herne.
Karen Köhler. Sie bekommt im März den Rauriser Literaturpreis. Am Montagabend las sie in der Alten Druckerei in Herne.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit ihrem ersten Erzählband begeisterte die Literatin Karen Köhler Kritiker und Leser. Am Montagabend las sie in der Alten Druckerei aus ihrem Debüt.

Herne..  Die junge Literatin Karen Köhler hatte in der Alten Druckerei die Sympathien auf ihrer Seite. Der Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ ist das Debüt der Hamburger Autorin und Schauspielerin.

In der anschließenden offenen Fragerunde gewährte Köhler Einblicke in ihr kreatives Schaffen. „Woher meine Ideen kommen, wüsste ich auch gerne! Ich hab in meinem Kopf so eine Art Black Box, da sitzen zwei Frauen und spinnen mit dem Spinnrad“, gab Köhler lachend zu.

Zunächst las sie aus ihrer Erzählung „Cowboy und Indianer“ und nahm das Publikum mit in die Welt der Ich-Erzählerin. Diese, allein in der amerikanischen Wüste und kurz vor der Erschöpfung, wird von einem „Indianer“ aufgegriffen und nach Las Vegas mitgenommen. Vor Hitze ganz benommen, lässt das Wort Indianer wenig romantische Kindheitserinnerungen aufsteigen („gefesselt an einen Marterpfahl, der in Wirklichkeit eine Wäschespinne war“). Eine erfrischende Reibung erzielt die mit Flashbacks durchlöcherte Erzählung: Eine Welt aus Schokoladeneis und Schulklo holt das Ich einer aufstrebenden Künstlerin immer wieder ein. Ellenbogen muss die Protagonistin in beiden Welten zeigen, ein raues Klima prägt die Erzählung und schafft Authentizität.

Jenseits von Wohlfühlliteratur ist dieses Werk. Und doch entsteht trotz der wenig zimperlichen, weiblichen Erzählperspektive immer wieder unerwartet Poetisches: Träume werden etwa durch indianische Kultur und landschaftliche amerikanische Weiten genährt. Mit ihrer jungen und direkten Sprache erzielt Karen Köhler ein sinnliches Erlebnis – manchmal so unverblümt wie „kalte Pommes“ nur sein können. Großen Applaus gab es für Köhler, die preisgab: „Zu schreiben ist beängstigend und gleichzeitig wunderschön!“