Kaminöfen können die Nachbarn nerven

Entspricht alles den Vorschriften, müssen Nachbarn die Kamine dulden.
Entspricht alles den Vorschriften, müssen Nachbarn die Kamine dulden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
An Wintertagen werden oft Kaminöfen entfacht. Das kann Streit mit Nachbarn geben, denen es stinkt. Entspricht alles den Regeln, müssen sie es dulden.

Herne..  Ralf Peinke aus Holthausen stinkt’s in diesen ungemütlichen Wintertagen gewaltig. Er ärgert sich über seine Nachbarn, die ihm mit ihren Kaminöfen die Luft verpesten: „Wer weiß, was die da alles verbrennen“, beschwert er sich. Der Qualm sei, je nach Wetter und Windrichtung, für ihn unerträglich. 5245 sogenannte „Einzelfeuerungsanlagen“ gibt es in Herne und Wanne-Eickel, weiß der Immissionsschutzexperte des Umweltamtes, Friedrich Krüwel, zu berichten. Und Uwe Bothur, seines Zeichens Vorsitzender der Schornsteinfeger in Herne und Bochum, schreibt auch schon mal Gutachten bei krassen Nachbarschaftsstreitigkeiten, die vor Gericht landen.

Ein Drittel wird zum Heizen genutzt

Dicke Luft in Herne durch Kaminfeuer? In diesem Punkt sei die Stadt weitaus weniger belastet als Kommunen in ländlichen Gebieten, berichtet Immissionsexperte Krüwel. Wegen der relativ geringen Quote von Eigenheimen und der entsprechend hohen von Mehrfamilienhäusern halte sich der Feinstaub aus Kaminöfen hier in Grenzen. An der Messstation, die seit Jahren an der Recklinghauser Straße aufgestellt ist, werde weniger als ein Prozent der Rußpartikel aus Kleinfeuerungsanlagen gemessen. „Wir haben zeitweilig überlegt, die im Rahmen des Luftreinhalteplans erlassenen Regelungen hier sogar zeitlich vorzuziehen. Aber dann hätten alle Ruhrgebietsstädte mitziehen müssen. Wir haben den Auftrag einer landesweiten Regelung an das NRW-Umweltministerium weitergereicht“, sagt Krüwel.

Die meisten Kaminöfen der Stadt - nämlich rund 600 - sind in Sodingen und Börnig installiert. Hier führt auch Uwe Bothur seinen Kehrbezirk. Bis Ende 2014 hat er alle Kunden beraten, was und wie sie es zu verbrennen haben. Wenn es aber doch Ärger gibt, weil es allzu sehr raucht, sollten sich Belästigte zuerst einmal direkt an ihre Nachbarn wenden und das Problem lösen, rät Bothur. Auf Wunsch des Kaminbetreibers stünde auch er selbst für Beratungstermine zur Verfügung. „Erst wenn das alles nichts hilft, sollte eine Beschwerde beim Ordnungsamt eingereicht werden“, erläutert Bothur.

Wenn Kamin und Schornstein aber vorschriftsmäßig installiert seien, letztere hoch und weit genug entfernt vom nächsten Nachbarfenster, sei der Beschwerdeführer machtlos. „Wenn alle Vorschriften eingehalten werden und das Holz auch richtig verbrannt wird, muss der Nachbar das dulden“, macht Bothur deutlich. Aus seiner eigenen Erfahrung weiß er aber auch, dass die meisten Kaminöfen und offenen Kamine nur zu besonderen Anlässen befeuert werden. „Nur ein Drittel wird regelmäßig zum Heizen genutzt, aber auch das nur 20 bis 60 Mal im Jahr.“